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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-11-20 · No. 47. (20.11.1884) · p. Seite 188

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 47. (20.11.1884)
Date
1884-11-20
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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— 188 «hristlicher )Seite äi Erinnerung zu bringen Anlass liaben. Dass Luther bei seiner Bibelübersetzung bekanntlieb aneh rabbinischerseits gern Hülfe in An- ■prucb nahm, wollen wir jenen Koprophoren gegenüber nicht einmal betonen; denn diese Herren stellen sieb ja 1 ätherischer als Luther, und christlicher als Christas. Doch darauf wollen wir ihnen gegenüber noch hin weisen, dass Schwalb’s Schrift der Redaction des ״Jäd. LitteratarbL* mit der Bitte, sie in demselben sa besprechen, V von den Verlegern zagegangen ist, ■nd — dass ־die wissenschaftliche Kritik kein Monopol irgend einer Confession ist. Und nnn weiter zur Sache! Schwalb erachtet eine, den vernünftigen Forderangen der seit 350 Jahren fortgeschrittenen Sprach- Wissenschaft nnd andern Momenten gerecht werdende fievision der Lutherbibel in vielfacher Hinsicht für einen unschätzbaren Gewinn. Wir können dieser Meinung nur beipflichten. Schwalb glaubt indess — und wir theilen auch diese Ansicht — dass die Probebibel an fünf Hauptfehlern leide und daher einer nochmaligen Revision dringend bedürfe. Erstens enthält sie im A. and N. T. sehr zahlreiche and sehr erhebliche Uebersetzungsfehler, von denen Schw. eine genügende Zahl an führt. Unter Hinweis auf das bereits im ״Litteraturbl. “ No. 42 Hotiz 1 reproducirte halbe Dutzend ״Kraftstellen“*) der Uebersetzung beschränken wir ans auf die Beinerkung, dass wir ans . im Ganzen den Ausstellungen des Verf. anschliessen, doch nicht durchweg. So will derselbe z. B. 2. M. 20, 5 u. 6 übersetzen: bis in das dritte nnd vierte Geschlecht derer, die mich hassen — nnd: an dem tausendsten Geschlechte derer, die mich lieb haben nnd meine Gebote halten, während die Probebibel ״derer“ nicht hat nnd also durch die (deutschen) Relativsätze diejenigen (Eltern und) Nachkommen bis ins dritte nnd vierte Geschlecht heimgesneht werden lässt, die in den Sünden der Väter beharren, resp. diejenigen (Eltern und) Nachkommen bis ins ־tausendste Geschlecht belohnt werden lässt, die Gott und seinen Geboten anhangen. Dies entspricht sowohl dem hebr. Text, als auch dem Geist der hebr. Bibel (eff. 5. M. 24,16. Jirm. 31, 30. Jech. 18,2Off) und des (hebr.) Morgengebets: ״Mein Gott, die Seele, die Du mir gegeben, ist rein, denn Du hast sie erschaffen;, ־ D u sie gebildet“ — eff. 1. M. 1,27 — sowie der Auffassung des Talmud und des Onkelos. Die betreffende Stelle des Dekalog, deren Missdeutung bekanntlich za der Auffassung des alttestamentarischen Gpttes als eines ״Rachegottes“ nicht wenig beitrug, lässt im Gegentheil neben der — die Eltern als Erzieher verwarnenden-Gerechtigkeit die Güte Gottes im schönsten Liebte erscheinen: Das Böse, wie seine Folgen, pflanzt sich, wenn überhaupt, bis zum vierten Geschlechte, das Gate und seine Folgen aber bis zum tausendsten Geschlechte fort; so gnt ist die Menschennatar, so gut ihr Schöpfer! Wir sehen hier von einem Vergleich mit dem Dogma von der Erbsünde — statt der Erbsünde setzte übrigens der verewigte Diesterweg, dieser grosse Kenner der Menschennatur, stets die Erb tagend — gänzlich ab. Doch gemach! Wenn wir auch an-kejne Erbsünde glauben, so glauben wir allen Ernstes doch an Erbsünden, zum Exempel an die Erbsünden des Vomrtheils, des Glaubensstolzes, der Bekehrangs- und Verfolgungssucht u. d. m. *) Sitte, Herr Prof Nestle, auf ein Wörtchen entre nons hier im ״Unterhaus“: Was sagen Sie Angesichts dieser ״Kraftstellen“? Doch, was frage ich noch! Sie als frommer Christ and gerechter Kritikus werden non gewiss bald in einer Hecension auch zu einem Lamento über arische ״Unverfrorenheät“ Anlass nehmen. Nicht wahr? — Kr. Zu 2. M. 20, 7: Du sollst den Namen Gottes nicht zur Unwahrheit anssprechen — bemerkt Schwalb, dass das Textverb eigentlich: ״erheben* heisse; vielleicht habe der Schwörende früher bei der Eidesleistung einen Stein oder einen Metallblock erhoben, in dem der Gottesname eingravirt gewesen. Das ist denn doch za weit hergeholt. Das Verb ״nasa“ heisst allerdings eigentlich: erheben; dazu ist aber nur kol Stimme, das auch mit jenem Verb verbunden erscheint, oder vielleicht jad=Hand zu ergänzen. S. 1. M. 14,22;. 2. M. 6,8; 5. M. 32, 40; Virg. Aen. 12, 196. Als zweiten Hauptfehler bezeichnet Schw. die Anmerkungen in der Probebibel, die den mit Wissenschaftliehen Mitteln nicht ausgerüsteten Leser nur irre führen können, den wissenschaftlich gebildeten aber von Rechtswegen ärgern sollten. So haben z. B. die Revisoren den zweiten Psalm überschrieben: ״Weissagung von dem Reich des Sohnes Gottes nnd dem Sieg über seine Feinde“. Den dritten Hauptfehler findet Schwalb in der Beibehaltung sehr missverständlicher AusdrückeLuther's, z. B. ärgern statt verführen, Schalk statt krank etc. Wir selbst haben uns übrigens vor etwa zwei Jahren bemnssigt gefunden, in einer besonderen Sehrift: Der vierfüssige Speisvogel und die zweifüssigen Spassvögel (Skrzeczek, Löbau Westpr.) ein Missverständnis bezüglich eines Lutherischen Ausdrucks zu stigmatisiren, der in einem — wir fugen trotz Nestle hier nicht hinzu: arischen — Kritikaster den Wahn erzeugte, das A. T. spreche von einem vierfüssigen Vogel! Die Gerechtigkeit erheischt es, hierneben zu bemerken, dass bereits die von den katholischen Pfarrern Gebr. van Ess revidirte und von geistlichen Oberbehörden empfohlene deutsche Uebersetzung des N. T. uns liegt aus unserer Hausbibliothek die dritte Auflage, vom Jahre 1817, vor —jene stilistischen und manche andere Fehler, die Schwalb rügt, ver-׳ mieden hat. (Schluss folgt.) ]Notiz. Die jüngst bekannt gewordenen Inschriftenfunde eines deutschen Arabienreisenden, des Prof. Dr. Euting aus Strasshurg, erregen ein allgemeineres Interesse. Nachdem derselbe bereits im Sommer vorigen Jahres Palmyra besucht, von der grossen zweisprachigen Inschrift daselbst tür die׳ Berliner Akademie einen neuen Abdruck gewonnen und vielerlei sonstige Ausbeute, bestehend in Grabsteinen, Altären, Mumien etc. ' ’ “ ‘ ־-"- ־' ־־'־־ — c-1-—ייj nach Hajel (der Residenz des Emirs Mohammed ihn Raschid), 1 dann im Januar d. J. nach dem westwärts von da gelegenen | Tema oder Teima führte. In dieser uralten, schon bei Jesaja | (21,14) erwähnten Stadt entdeckte er einen Stein mit aramäischer Inschrift und dem Bilde des in assyrischerTracht gekleideten König» Schazab, Sohn des Petosiri, den er dem 8. Jahrhundert v. Chr. glaubt zuweisen zu ,müssen. Noch viel reichere Ausbeute gewährten die später von ihm besuchten Ruinenstädte Madam-, Salich uDd el-Oela, wo er 30 trefflich erhaltene nabatäische Inschriften (ans den Zeiten der um den Anfang unserer christliehen Aera zu Eetra regierenden Könige Aretas I u.II), sowie■ 55 himjarische Inschriften entdeckte.! Prof. Nö I d ek e hat inzwischen diesem Haupttunde E utiugs eine genauereUntersuchung gewidmet (in den ״Sitzungsberichten der k. preuss. Akademie der Wissenschaften 1884. No. 34 und 35), deren Ergebniss dahin lautet, dass das aiamäische Idiom der (in der Hauptsache wohl-entzifferbaren) Inschrift zwar nicht beweise, dass Teima’a damalige Einwohner Aramäer waren — was auch mit Gen. 25,15 nicht in Einklang zu bringen sein würde —, wohl aber einen uralten starken Cultureintius» Seitens der Länder aramäischer Zunge auf das innere Arabien bezeuge. P_ — . — - . VerantworUicheTtUdacteuj Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig*:

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