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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-30 · No. 44. (30.10.1884) · p. Seite 174

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 44. (30.10.1884)
Date
1884-10-30
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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Cain ist ein kräftiger qjid kühner ״ Mann, der keiner Gefahr weicht. ״Mit dem £öwen“, sagt er: ' .Versucht’ ich mich in meinen JLnabenspialan, Und setzt1 ihm «a, bis brüllend er Mitfloh“. Dennooh döset der Tod ihm Angst ein. ״Obgleich map ihn nicht kennt, 80 scheint er Doch fürchterlich. Mein Auge späht ihm nach In mancher schwarzen Nacht, und wenn im Dankei Des Edens .Riesenschatten vor mir lagen, Anf dessen Mauern Schwerterblitze strahlten, So dacht’ ich oft, er müsste zu mir kommen. Dann fühlt’ ich einen langen Wunsch im Herzen, Zu wissen, was es sei, wovor man bebe“. ־An Weib und Kind hängt er mit allen Fasern seines Herzens, doch findet er anch in *dieser Liebe keine Beruhigung. Anch die Geschwister, besonders die Schwestern, umfangt sein Herz mit zarter Neigung, er möchte ihnen nicht wehe thnn. Da er allein sein will, bittet er sie zu gehen, .damit er ihrem sanften Wesen nicht etwa ranh begegne“. Bewundernd steht er au der Wiege des schlafenden Kindes, und seine ganze Vaterliebe spricht sich aas in den Worten: ,.Wie lieblich liegt er dort! Die kleinen Wangen Mit ihrem reinen Parpar — gleichen sie Nicht den amhergeetreaten Roeenblättera?“ Er möchte den Knaben küssen; aber er bezähmt sein Herz, am den kleinen Schläfer nicht za stören. ״Wie er hold Im Schlafe lächelt! Schlafe and lächle, Du kleiner Erbe dieser jungen Welt, Und träume Deine goldenen Kinderträame!“ — Und wie . ihn selbst an der Wiege des geliebten Kindes seine düsteren Gedanken befallen, und er, an sein and der Seinigen trauriges Schicksal denkend, in wilder Baserei auffahrt, so dass Adah für das Kind in Besorgniss geräth, da sagt er: ״Fürchte nichts! Um aller Sterne nicht, Und jede Macht, die sie beherrscht. Würa’ ich dem armen Kind’ je anders nah’n, Als mit der Väterliche sanftem Kuss“. Sieht man nan, welch’ zarter Empfindungen dieser fipstere Mann fähig ist, so fragt man sich: Wie war es möglich, dass er zu der rachlosen That schreiten konnte, welche ihn zam Prototyp aller Gottlosigkeit werden liess? — Wir können za seiner Bechtfertigang nicht anführen, dass er von den traurigen Folgen seiner That keine Ahnung gehabt, da er ja den Tod nicht gekannt habe. Denn wenn er anch wiederholt von diesem als von einem ihm ganz unverständlichen Zustande spricht, so kann das nur in dem Sinne genommen werden, wie auch ans heutzutage der Tod noch etwas Dunkles ist, nämlich in Bücksicht anf die Fortdauer der Seele. Waren auch die Erfahrungen der ersten Menschen noch sehr beschränkte, 80 musste Cain doch schon Thiere sterben gesehen haben; ja, er sah ja unmittelbar vor seiner That die von Abel geschlachteten Opferthiere. Anch hatte die Erfahrung ihn sicherlich gelehrt, dass der menschliche Körper gegen gewaltsame Angriffe ebenso empfindlich sei, wie der der;Thiere. Wenn er daher bei dem Leichnam des Bruders durchaus nicht an die Leblosigkeit desselben glauben will, 80 ist das mehr der Aasdruck seines tiefen Schmerzes, als Beweis seines Mangels an Verständniss für dessen Zustand. Dennoch ist es klar, dass er den Tod des Bruders nicht beabsichtigt, dass er diesen vielmehr durch seinen Angriff nur zwingen wollte, von der Verteidigung seines Altars abzustehen. Dass er aber diesen Altar nicht dulden mag, findet sich in seinem Seelenzustande begründet. Er, der in seinem Stolze sich vor ״seines Vaters Gotte‘, wie er ihn gewöhnlich nur nennt, noch nie gebeugt, der es.für eine Heuchelei hält, sich dankbar zu erweisen für ein Lehen, das nach seiner Meinung nur eine Quelle des Unglücks ist, er wird von dem Bruder zam Opfern genöthigt und sieht schliesslich sein Opfer verworfen. Musste der an der Gerechtigkeit and Güte Gottes Zweifelnde nicht mit Wath sioh anf jenes Zeiohen der Verehrung desselben stürzen and in der Glath seiner Leidenschaft alle Selbstbeherrsohung verlieren? — So ist die That Cains nicht blos durch Eifersucht anf den frommen, dem Herrn wohlgefälligeren Bruder hervorgerafen, sondern durch seinem ganzen Seelenzastand bedingt, wie auch der Dichter dem Engel der ihm das Zeichen aufzndrüoken erscheint, sagen lässt: ״Unbeugsam, stolz warst Da vom Matterleib, Dem Boden gleich, den Da bebaaen musst“. (Fortsetzung folgt.) Ein wichtiges Zeugniss für den Talmud. (Schloss.) Am 25. Februar 1554 schreibt Masius an den römischen Prälaten Octavias Panagathus: ״Du wunderst dich auch, dass jener gefährliche Feuerbrand mich so sehr aufregt, nachdem ich um andere dabei keinen Verlast erlitten haben. In der That aber habe ich dabei mehr als 40 Goldgulden verloren; aber ich ertrage den Geldverlust leichter als den mir bereiteten Verdruss. Die Würdelosigkeit der Sache selbst berührt mich am schmerzlichsten and, um meine wahre Meinung aaszaspreohen, das gottloseste Sacrileginm, das von den hervorragendsten Männern unserer Beligion zugelassen, nnsere ewige Sohmaoh der Nachwelt überliefert. Ueberdies werden diejenigen Jaden, die früher zum Christenthume hinneigten, durch dieses Gebühren auf’s schroffste zurück■ gestossen werden. Ich befurchte anch für unsere unter türkischer Herrschaft lebenden christlichen Glaubensgenossen empfindliche Nachtheile. Ich hatte die Absicht, das ganze alte Testament und die verschiedenen Uebersetzungen desselben einmal gründlich zu untersuchen: ich hätte dieses Vorhaoen an keinem Orte bequemer als in Bom wegen der dort angehänften Biieherschätze auszuf(ihren vermocht; nunmehr sehe ich, dass mir dort nicht gestattet sein würde, den Talmud der doch zu dieser Arbeit unumgänglich nothwendig ist, zu benatzen. Anch aus zahlreichen anderen Gründen beunruhigt dieses ״grösste Verbrechen“ meine Seele gar sehr. Du siehst, was die Kenntniss der hebräischen Sprache werth ist und wie leichtfertig diejenigen die heiligen Schriften bemängeln, die die• selben nur mit fremden Augen zu sehen vermögen“. Masius redete bis an sein Lebensende den talmudischen Studien das Wort und musste sich desshalb allerlei Warnungen seiner Freunde gefallen lassen; sein Commentar zu Josaa kam sogar auf den Index. Die Briefe Masius’ beanspruchen leider in unseren Tagen, in denen wieder, wie zu seinen Zeiten der Talmud von ״Blinden, die ein Urtheil über Farben ahgeben wollen“ der Kritik unterstellt wird, nicht blos ein historisches, sondern das lebendigste aktuelle Interesse. ״Wirerfahren — damit schliesst Perle» das interessante Capitel — ans den obigen Briefen die bishernn bekannte Thatsache, dass Joseph Moro und Chananel di Foligno (Grätz Gesch IX, 356) nicht an» eigenem Antriebe und blos aus Feindseligkeit gegen ihre früheren Glaubensgenossen, sondern auf Betreiben der concurrirendenFirmen Justiuiani und Bragadinial« besoldete Dennncianten gegen den Talmad auftraten. Die mittelbare Veranlassung za den päpstlichen gegen die jüdischen Schriften gerichteten Edikten war also die gehässige Concurrenz der genannten Firjnen, dio zu dem in den Bechtsgutaohten des B. Moses Isserli No. 9 (vgl. Kerem Chemed HI, 91) besprochenen Nachdracksprooess geführt hat. Bei Bragadini erschieß

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