Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 43. (23.10.1884)
- Date
- 1884-10-23
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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י -8andfluthu*) za 80 mystischen Vorst! illangen Veran- Jissung geneben hatte, ans dem assyrisc hen Geschieht*!- fcreise in aie Bibel angenommen wurde, hat sie ein naturwissenschaftliches Gepräge insofern bekommen, als sie anf einer ähnlichen Thatsaphe za fassen scheint, wie sie noch heute in den entsprechenden Gegenden, an den Mündungen des Eiphrat, Ganges, Indus u. 8. w. sich ereignet, wenn furchtbare Uebersohwemmungen durch Zyklonen herbei geführt werden. Der Verfasser giebt davon aus verschiedenen Gegenden anschauliche Bilder, um die Sintfluth-Sage in ihrer ganzen fürchterlichen Gestalt hervor zu heben, wodurch sie anzweifelhaft historisch wird. Bekanntlich bildet sie in einem uralten assyrischen Volkii-Epos, welches die Th&ten des Helden Izdabar, wahrscheinlich des biblischen Nimrod, sohildert, eine eigene Episode. Selbige ist in dem 11. Gesänge enthalten, und dieser entspricht dem Himmelszeichen des Wassermannes. Denn die 12 Gesänge des Heldenliedes entsprechen ihrerseits den 12 Himmelszeichen oder Monaten, wie de in allegorischer Fassung daran erinnern, dass alle Helden- und Götter-Sagen einst Gesc hichtliches und My stisches mit einander vermischten. |Den geschieht- Hohen Kern in Bezug auf die Fluth und ihre Ursachen aas dem höchst merkwürdigen Heldenlie ie überraschend klar dargelegt za haben, ist ein hohe! Verdienst des ersten Abschnittes, welcher damit ein für alle Mal [jeder mystisohen Vorstellung ein Endo macht. Nach den sorgfältigen, mit grossen naturwi!senschaftlichen and literarischen Kenntnissen ausgt führten Unter- ■achungen des Verfassers fand die Sintfluth am untern Euphrat statt und war mit einer ausgedehnten, ver- [heerendenUeberfluthungder mesopotami sehen Niederung!verbunden. Ihre wesentlichste Veranlassung war ein [bedeutendes Erdbeben im Gebiete des persischen [Meerbusens oder einer südlicher da von liegenden [Gegend, verbunden wahrscheinlich mit einer Zyklone, [welche von Süden her ans dem persischen Golfe kam. [Es berechtigen aber die Ueberliefeiungen anderer Völker nicht zu der Annahme, dass sich die Fluth [tber den Unterlauf des Euphrat und Tigris hinaus [Aber die ganze Erde verbreitet habe. Den persön- [Hohen Antheil des Menschengeschlechtes denkt sich [der Verlasser in folgender Weise: ln eirer andauernden [seismischen Periode mag durch Erdstisse zu wieder- [holten Malen das Wasser des persischen Meerbusens [in das Niederland an den Mündungen des Euphrat [geworfen worden sein. Durch diese F uthen gewarnt, [baut ein vorsichtiger Mann, Hasis-Adra, d. i. ״der ottesfürchtete Weise“, genannt, ein Schiff zur Rettung er Seinigen und kalfatirt es mit Erdpech, wie man [loch heute am Euphrat zu thun pflegt. Die Bewe- Qgen der Erde nehmen zu; er flüchtet mit den aigen in das Schiff; das Grundwasser tritt aus dem [geborstenen Flachlande hervor; eine grosse Depression [aes Luftdruckes, bezeichnet durch furchtbaren Sturm [lad Regen, wahrscheinlich eine wahre{ Zyklone, vom Eiischen Meerbusen hereintretend, begleitet die hsten Aeusserungen der seismischen Gewalt. Das [Meer fegt verheerend über die Ebene, erhebt das |>ettende Fahrzeug, spült es weit landeinwärts und (lässt es an jenen miokänen Vor häkeln stranden, *eiche unterhalb der Mündung des kleinen Zab die — 171-1- ■' ) I)a sieht man wieder, wie gefährlich 1!tmgen das Wissen zu holen, und wie 8! «hier und Irrungen nachwirken. Weder ״S [*tdie biblische Fluth, sondern מבול מיש die ״ «ystik steckt also nicht in der heiligen Schrift die Bitte an die Herren Naturforscher ri! doch gtttigst erklären, wodurch das icht beglaubigter dasteht, als der bibliscl Erstore nur in Folge der Kenntnis* des en konnte? (Bed. d. Isr. W.) [ln 08 ist, aus Ueberiohliinm eingelebte ilnd“, noch ״Sint“ ’ Vasserfluth!“ Die! Ferner möchten ebten, sie möchten lyrische Helden- Bericht? Weü Zweiten errathen be Niederung des Tvgris gegen Nord and Nordoet amgrämen “. Für die Geologie selbst bat die Floth nur 1 Ausdrücke, wie Diluvium, Dilavial-Formation und diluviale Ablagerungen in ihrem Gefolge gehabt; Ausdrücke, die nun dahin aafgefasst werden müssen, dass sie nicht, wie man früher glaubte, auf die alte mystische Sündfluth, welche über die ganze Erde gegangen sein sollte, za beziehen sind“. Recensionen. Gegen Glldemeister. Herrn Professor Gildemeistere Gutachten über den jüdischen Ritualcodex (Sohulchan Aruch) und das Verhältnis^ der Juden zu demselben. Kritisoh beleuchtet v.on Dr. M.י Joel, Rabbiner der israelitischen Gemeinde zn Breslau. Breslau und Leipzig. Druck und Verlag von S. Schottlaender. 1884. 34 S. kl. 8. Wir haben eine Unterlassungssünde) gut zu machen. Das ״Litteraturblatt“ hat Joels Schriftl noch nicht besprechen. Freilich haben wir des Oeftern bereits darauf hingewiesen. Wer konnte GUdpmeister, Ecker, Justus und den Geist der Lüge, der über diesen schwebt, Rohling, nennen, ohne Joel i zu erwähnen, ohue Joel zu eitiren? Und eben, dass wir 80 Manches aus dieser Schrift schon gebracht habein, hat es verschuldet, dass wir es verabsäumt haben, sie formell ' anzuzeigen. Das sei hiermit nachgeholt. Wollten wir dieses Müster einer stolzen, vornehmen Polemik empfehlen, 80 möchte man uns anmassend nennen. Die Schrift empfiehlt sich allein, da sie ihres Verfa8sers würdig ist. Leider verdient es der Gegner nicht, so — zart und fein behandelt zu werden. Wer 80 viel irrt, wie der famose Bonnpr Professor, sollte mehr belehrt als beehrt werden! Und doch, wie angenehm berührt es, ohne von der wuchtigen Wirkung etwas einzubüssen, da Joel seinem Gegner mehr, als die ״bona fides“ nicht zuerkennen kann, da ״man > staunt, dass G.’s Gesichtskreis kein weitet ist“ u. s. £ Knapp und kurz sagt Joel trotzdem Alles, was gesagt werden kann — ja es wirkt drastisch, dass der alte Wagenseil den modernen Professor belehrt und beschämt ״Ger“ soll nach Gildemeister nur l’roselyt* bedeuten. ״Waren wir denn Proselyten in Egypten?“ Damit wirft Joel das ganze Traggebäude um. Doch nicht allein die jüdische Gegenwart vertheidigt der würdige Vorsitzende der Berliner Rabbinerversammlang*) Wie er Mischna, Talmud, Maimonides, Schulchau Aruch**) nicht vertheidigt, sondern die ״wissenschaftlichen Sünden“ nachweist, welche der Bonner Professor sich ihnen gegenüber zu Schulden hat kommen lassen , das lässt sich nioht im Aaszuge mittheilen. Ueberhaupt werden solche Schriften nicht angezeigt, um ihren Ankauf entbehrlich za machen, sondern nur darauf hinzuwirken, dass sie auf jedem jüdischen Familientische za finden seien! Denn ist noch besonders hervorzuheben — dass wenn G’s. Namen längst verschollen sein wird, die^.lichtvollen Sätze Joels über das Judenthum, seine Lehre and sein Schriftthum die Geister erleuchten and die Herzen erwärmen werden! ' *) Dass seine Eröffnung*- und Schlussrede noch immer nicht im Drucke erschienen sind, ist ein grosser Fehler; wir würden auf eile übrigen Verhandlungen gern verzichten, wenn wir nnr diese beiden Beden nach der stenographischen Nieder- Schrift besä88en. **) Seine Stellung znm Schulchan Aruch praecisirt Joel (wir meinen die praegn an teste Stelle getroffen za haben) also: ״Aach ich würde mich so wenig vom Sch A. lossagen, wie etwa von einem Lexicon oder einer Concordanz, kan von allen den Hilfsmitteln, die mir das Aufsteigen zu den Qnellen erleichtem — Damit ist die ganze orthodoxe Verhimmelung des Sch. A. aber den Hänfen geworfen. ääiadmtä