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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-23 · No. 43. (23.10.1884) · p. Seite 172

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 43. (23.10.1884)
Date
1884-10-23
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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— 172 — Festschrift nr Einweihung der ־neuen Synagoge in Erfurt am 4. September 1884, von Rabbiner Dr. Th. Eroner. Erfurt. 48 S. gr. 8 und 15 S. kl. 8. Trotz aller Vorarbeiten, trotz tüchtiger Vorstudien, für welche No. 3 Zeugniss giebt, bleibt es doch immer ein rühmliches Denkmal tüchtiger Arbeitskraft und sohneil fnngirenden kritischen Geistes, dass der Verfasser in 80 kurzer Zeit die Geschichte der Juden in Erfurt verfasst and die im Anhang gegebenen Urkunden ausgewählt hat. — Dass R. Alexander hakoton, der Verfasser des Agudah mit dem Märtyrer von 1349 R. Süsskind identisch ist, ergiebt sich auch aus Jellinek8 Eonteros Mekonen, wo er ״Mechorrer Süsskint hakohen hagadol“ genannt, also als Rabbiner Erfurt's in dieser Zeit bezeichnet wird. Die Rückkehr nach der Jndenschlacht wird kritisch festgestellt und besonders reiche Angaben über Abgaben und sonstiges Culturhistorisches gegeben. Dass die 2 Pfd. Umgeld von den alten Kleidern eine Abgabe vom Altkleiderhandel der Juden sein sollen, will für 1383 kaum Sassen — damals war der Trödel noch nicht der adenhandel! Das wird vielleicht ein Ungeld (Strafgeld) gewesen sein! Sollte da die Mähr vom Würfeln um Christi Kleider nicht spuken? Doch so in’8 Blaue hinein zu conjekturiren, dürfte der Verfasser seinem Reoensenten nicht gestatten, ohne ihm unsanft heimzaleuohten. Darum ■Halt gemacht! 1452 begann die Bewegung, welche die Juden aas Erfurt hinausdrangsalirte. Doch schön 1528 wurden Judenfamilien in Dörfern bei Erfurt wieder aufgenommen. Erst 1789 begann die Wiederbesetzung in der Stadt selbst. 1806 wurde wieder öffentlicher Gottesdienst gefeiert. In der Geschichte der neuen Gemeinde glänzte der Namen Unger — besonders ehrenvoll vertreten durch den Mathematiker Prof. Dr. Ephraim Unger. Möge die Gemeinde unter Leitung ihres gelehrten und tüchtigen Rabbiners stets an Gehalt wie an Zahl zunehmen. Unter den Beilagen ist der Judeneid vom Ende des 12. Jahrhunderts freilich nicht unbekannt, aber doch besonders interessant. No. 3 die Erfurter hebr. Grabinschriften — ein Separatabdruck ans der Grätzsehen Monatsschrift — enthält 88 Inschriften, welche mit grosser Akribie und Sorgfalt geprüft sind, wobei behutsam nur wirklich Gelesenes gegeben wird. Da Herr Dr. Kroner die Absicht aasspricht, über Erfurts Judengeschichte und die Quellen derselben eingehender zu arbeiten, wollen wir ihm sagen, dass die Probe uns lüstern auf das Gericht gemacht hat. Die Gemeindemitglieder haben in der Festschrift eine gewiss dankbar bewahrte Erinnerung an das schöne Fest der Weihe und eine Mahnung erhalten, dahin unter ihren intelligenten Vertretern zu streben, dass die Jugend das Alter nicht beschäme, dass das moderne Erfurt dem mittelalterlichen ebenbürtig werde. — Die Ausstattung der Festschrift ist hochelegant. L e w in. Notizen. 1. Brieflich wies mich Herr Lehrer Cohen-!Rees in Betreff meiner Notizen in No. 36 aaf Kehr’s Praktische Geometrie für Volksschulen etc. hin. Hier werde S. 19 zuerst behauptet, 'dass auf einer geneigten (grösseren) Fläche nicht mehr Pflanzen stehen können, als auf emer entsprechend wagerechten (kleineren), weil dieselben immer senkrecht in die Höhe wüchsen^ sodann, dass, wenn die Pflanzen auf einer geneigten Fläche n 1cl}t senkrecht, sondern schief (mit dem Boden einen rechten ־Winkel bildend) wüchsen, die ganze Sache (die Ertragsmenge) allerdings eine andere wäre: endlich, dass der Geometer bei dem senkrechten Wachse der Pflanzen Recht habe, wenn er schiefe Linien stets als wagerechte messe und darstelle und Erhöhangen und ■Vertiefungen als solche nicht weiter berücksichtige. Herr Cohen darf sich versichert halten, dass mir die Mathematik so wenig eine terra incognita ist, wie die Natur- Wissenschaft. Ebendeshalb schwöre ich weder auf Kehr18 noch auf eines Andern bezügliche Worte. Ich entgegne auf die erste Behauptung Kehr’s,'dass Pflanzen nicht immer senkrecht in die Höhe wachsen, sei es auf ebenen, sei es anf geneigten Flächen. Sehe sich Herr C. nur einmal aufmerksam die Vegetation auf einigen Böschungen an. Der Geotropismus ist allerdings in der Pflanzenwelt mächtig, aber nicht allmächtig; die Wachsthumsrichtungen werden auch nicht unwesentlich durch das Licht (Heliotropismus) und andere Momente beeinflusst; daher wachsen die Pflanzen zwar zumeist senkrecht, aber nicht immer, bei weitem nicht alle. Hierüber, sowie über die unterschiedenen Wachsthumsrichtungen der Pflanzen kann man in jedem besseren Lehrbuch der Botanik das Wissenswertheste finden. Wenn nun aber Pflanzen auch schief wachsen können, so wird nach der zweiten Behauptung Kehr’s auch das fragliche Ertragsquantum ein grösseres sein können Keineswegs wollte und will ich das als Regel, sondern nur als Ausnahme hinstellek. Die dritte Behauptung Kehr’s ergänze ich dahin, dass die qu. Messung und Darstellung nicht sowohl wegen des meistens senkrechten Pflanzenwuches, als vielmehr deswegen üblich ist, weil sich ein Grundriss nur nach horizontaler Projection zeichnen lässt. Die meisten Fachkundigen geben den ersten Grund überhaupt nicht an, wie unter Anderen Dr. Heussi in seiner ״Anleitung zum Feldmessen und Nivelliren“; die wenigsten führen beide Gründe an, wie Jessen-Schmidt im ״Handbuch für Feldmesser- und Forsteleven“. Es sei hierneben an die■ wunderbar üppige frühere Vegetation der Berge Palästina’s erinnert, z. B. des an allen Seiten bewachsenen Tabor (von der Gestalt eines abgeschnittenen Kegels), des wegen seiner — auf allen Abhängen überreichen — Fruchtfülle gepriesenen Karmel (von 0*13 mit der Bildnngssilbe יל, eigentlich fruchtbares Gebirge) u. a. Selbst wenn deren Bäume und andere Pflanzen durchweg von senkrechtem Wuchs und nicht zahlreicher als diejenigen entsprechend wagerechter Flächen gewesen wären, hätten sie gleichwohl viel fruchtbarer sein können, als die Gewächse solcher Flächen. Diese Annahme scheint sogar sehr berechtigt im Hinblick auf &. M 32,13; Jechesk. 34,13 ff. und ähnliche Stellen, sowie in der Erwägung, dass Palästina als Gebirgsland keine Ebenen in unserem Sinne hatte, die בקלות (von בקע!) vielmehr bergumschlossene rissige Bruchgründe waren, der Ueberschwemmung und deren für die Vegetation nachtheiligen Folgen oft ausgesetzt Diesbezüglich ist Meklenburg’s Pentateuch - Commentar 3T13H 5 גי־ והקבלה. M. 11,11 höchst lesenswerth, woselbst die Synonymen למה,!'א, מישור geistreich u. beweiskräftig erörtert sind 2. Herrn Lehrer und Prediger Stur mann-Osterode erwidere ich auf seine gleichfalls brieflichen Bemerkungen: a) אלה המצות־שאק נביא רשאי וב׳ bezieht sich aller-' dings ״nur auf מצו ת“; wie weit aber dieser Begriff hier zu j fassen, möge er aus den qu. Thora- und Talmudstellen: 3 M. j Cap. 27 (ganz und besonders V. 16—24, Verordnungen üb« Abschätzung und Auslösung der dem Ewigen geweihten Aecker enthaltend) und Megilla 2b, Joma 80a und Temura 16a ersehen. מצות sind hier also nicht blos sogen. Ceremonialgebote. 1 b) Menachot 45, Chagiga 13, Moed Katon 5 und MaccotSt werden die Widersprüche Jecheskel’s mit der Thora und mit I sich selbst aufgezählt, bezw. gerechtfertigt, aber weder dort, 1 noch irgend anderswo im Talmud wird meines Wissen« I Jechesk. 47, 21 ff. als der Thora widersprechend erwähnt] Sollte Herrn St. oder einem andern Leser des Litteraturblatt» I em talmudischer Angriff auf unsere Jecheskelstelle bekannt] sein, so werde ich für einen gefälligen Hinweis auf denselb«aj (im Litteraturblatt, wenn ich bitten darf!) sehr dankbar sei*.j Falls aber auch ein solcher Angriff constatirt würde, Hesse sich I;en die schliessUch von den Talmudweisen festgestelltij nonicität des ganzen Jecheskelbuches geltend machen. Brandenburg a. d. H. Dr. Ph. Kr. 3. Auf die Bemerkungen des Herrn S. Spinner-Tamow inl No. 40 — 41 zu meinem Artikel in No. 38 d. BL erwidere mH kurz, dass ich ja selbst a. a O. auf die abweichende Deutnsjjl des Jeruscholmi und Robba z. HL. hingewiesen; nur schien mal diese nicht entscheidend genug zu sem, und das scheint Ml auch für Herrn Spinner nicht, da er sonst nicht zu eineml neuen Erklärungsversuch gegriffen haben würde. Was diesasl betrifft, so spricht gegen die Auffassung des כרם״“ als Lerao*I die Construction: Mischn», Kethub. 4,6 (ibid Gemara 49a w»| Baba Bathra 131b> לפני חכמים בכרם ביבנה; dieselbe c*.\ struction Mischna, Edioth 2,4 (Rabba z. Hld. 3,11); JeraschsiMl Berach. 7a Rabba z. Hld. 8,10: שנמנו בכרם Auch hatte »I von vornhinein bemerkt (Ltbl. No. 20 S. 79), dass ich n*r| einige missverstandene Agadoth besprechen woll«1T welche darthun, dass die Synagogen der talmudiscנ«■| Zeit ausserhalb der Stadt, auf freiem Felde, ge'0®?)! Keller’s ״Bikkurim“ kenne ich blos dem Namen n»®*>| sie stehen mir hier, wo ich auf meine Hausbibliothek angewia bin, nicht zu Gebote. Goldfahn■ Verantwortlichar Redactear Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leip®fcä L.,■ MttäiÜaMIlÜtik

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