Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 43. (23.10.1884)
- Date
- 1884-10-23
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492408-6488249-8756152--0505-4855843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dürfen ohne Euren Befehl nicht fortgesohafft werden. Unter jenen beschlagnahmten "Werften befinden sich anch Bficher unsere« vorgedachten in der hebräischen Sprache wohlbewanderten Bathee Andreas Masius u. a. der ganze Jerasalemisohe sowohl wie Baby- Ionische Talmud in mehreren Bänden elegant ge* banden, sodann die letzthin (nämlich 1546—■48) von Daniel Bömberg selbst gedruckte Biblia Magna * ־mit ▼erschiedenen Commentarien, ferner Schriften des Babbi Moses Maimon and zahlreiche andere hebräische Bücher, sowohl Commentare der Schrift als Midraschim (Medrasot) und andere ähnliche Schriften, die alle von genanntem Daniel selber gedruckt wurden. Masius hat dieselben in vergangenen Jahren, als er sich in unserem Aufträge zn Born aufhielt, von den Bombergem. theils zum Geschenke erhalten, theils durch Kauf erworben and liess dieselben bis zur gelegentlichen Absendang eines grösseren Bücherballens in Venedig .zurück. Nun fürchtet er, dass in Folge des oben gemeldeten Dekretes seine Bücher das Schickaal der übrigen theilen könnten. Desshalb bat er uns _ unterthänigst am unsere Intervention bei Each und Eurer berühmten Bepublik zu seinen und seiner Büoher Gunsten. Wir gewähren ihm dieselbe mit diesem unserem Briete and fordern von Each mit allem Eifer und Nachdruck, dass Ihr dem gedachten Johannes Bemalinus oder einem anderen Geschäftsführer der — Bomberge die Erlaubniss ertheilet, sämmtliche in dem Magazine mit anderen eingesohlossenen Bücher Masius’ heraaszunehmen and an uns oder an unseren gedachten Bath za übersenden. Bei Eurer alten Freundschaft für uns zweifeln wir nioht, dass Ihr dies gerne gewähren werdet. Wir versprechen auch getreulich, dass mit diesen Büchern kein Missbrauch getrieben werden wird, vielmehr dieselben zum Beweise des rechten Glaubens und zum Ruhme Christi verwandt werden sollen. Anch wir selber wünschen Exemplare dieser Werke zum ewigen Angedenken in unserer Bibliothek aufbewahrt zu sehen. Zu jedem Dienst, der zur Mehrung Eurer Würde, zur Erweiterung Eurer berühmten Herrschaft beitragen könnte, werden wir nach unseren Kräften stets bereit sein. Gegeben in unserem Schlosse zu Heidelberg am 19. Februar 1554. “ ״ (Schluss folgt.). Cain, ein Mysterium — _ Tsm Lor* Byron. Vortrag des Herrn Dr. Mattersdorf in Öleiwitz. (Fortsetzung.) Bei diesem Anblick bittet der erschrockene Abel den Brader, des Herrn Zorn/>durch ein reumüthiges Gebet zu versöhnen. Abe?^ dieser will weder von Gott noch Altar etwas wissen^ er droht sogar, des Bruders Opferstätte, der dem Herrn mit dem Blute unschuldig getödteter Thiere schmeichle, zu zerstören. Abel tritt ihm entgegen und bittet ihn, nicht rachlose That den. ruchlosen Worten hinzuzufügen. Allein jener geräth in immer grössere Aufregung und stürzt dem Altar zu. Doch Abel erklärt, den durch Gottes Wohlgefallen geheiligten vertheidigen za wollen; er liebe Gott mehr, als sein Leben. Da er , trotz wiederholter Aufforderungen nicht weichen will, so reisst Cain einen Feuerbrand von dem Altar und trifft den Brader damit an die Schläfe, 80 dass er augenblicklich za Boden sinkt; zugleich stürzt der zerstörte Altar. Cain steht einen Moment in Betäubung. Dann bemerkt er das Blut an seiner Hand. Nach einer längeren Pause, in der er sich zu sammeln sacht, . wirft er sich zu Abel nieder. Er kann es nicht begreifen, dass dieser 80 bleich, ist;־ er glaubt, dass er ihn ersohreoken wolle, and bittet ihn, sich nur ein § Bischen za bewegen, and wie er noch Athem in ihm >! gewahrt, nimmt, er ihn an seine Brust. Aber Abel f stirbt, nachdem er Gott angefleht, dem Brader za; vergeben, and diesem Zillah, seine Gattin, za trösten ע aufgetragen hat. Eis folgt nun eine erschütternde Scene. Cain möchte zuvörderst noch sich selbst - täuschen, glaubt immer noch Zeichen des Lebens an , dem Bruder zu bemerken und spricht seine tiefe Zer- '־ knirschung über seine That aas. Jetzt tritt Zillah aaf. Sie hat einen schweren ' Fall gehört und ist deshalb herbeigeeilt. Sie findet; ihren Gatten bleich aaf der Erde liegend und sieht ' eine Blutlache neben ihm. In ihrem tiefen Schmerze macht sie Cain bittere Vorwürfe, dass er als der Stärkere, nicht die Gewalt, die Abel niedersohlug, von ihm abgewehrt. Die Eltern und Adah herbeirufend und verkündend, der Tod sei in der Welt, eilt sie hinaus. Cain, allein geblieben, klagt sich 1 schwer an, dass er, dem der Gedanke an den Tod das ganze Leben vergiftet, denselben in die Welt ׳ gebracht habe; er sei nun wie aus einem Traume erwacht, doch Abel werde nimmer erwachen. Adam, Eva, Adah und Zillah nahen jetzt Adam, der anfangs seinen Augen nicht traut, muss nur zu bald erkennen, dass er den geliebten Sohn wirklich verlören. Sein Leid erpresst ihm den bitteren Vorwarf gegen die unglückliche Mutter, dass das ihr und der Schlange Werk sei. Diese aber findet in ihrem tiefen* Weh, dass dieses Werk der Strafe weit über ihre Sünde hinausgehe. Adah bittet Cain, der zugegen gewesen, zu sagen, wer oder was die furchtbare That vollbracht. Doch Eva sieht den schweren, blatgefärbten Feuerbrand und fängt an, den Zusammenhang zu ahnen; sie bezeichnet Cain, der seia schuldbeladenes Haupt hängen lasse und sein wildes Auge mit den blutbefleckten Händen bedecke, als den Mörder und spricht einen grässlichen Fluch über ihn aus. Adam weist Cain aus seinem Angesichte, worauf alle bis auf Adah, die ihren unglücklichen Gatten ]dicht verlassen will, sich entfernen, um erst zurückzukehren, wenn Cain gegangen. Ein Engel des Herrn erscheint, nm über Cain den Fluch׳ auszusprechen und ihm, der so gern mit seinem Leben das des Bruders zurückkaufen möchte, das Zeichen aufzadrücken, das ihn gegen Mörderhand schützen 801L Cain erhebt noch einmal, sich verdammend, eine er- ' schüttemde Klage über den theuren Brader; Adah ■f kniet an dessen Leichnam nieder. ״Friede sei mit ihm!“ spricht sie zum Abschiede, worauf Cain in den* verzweiflungsvollen Buf ausbricht: ״Doch mit mir?“ — Damit schliesst das Stück. (Fortsetzung folgt). ■; 1 I i I I 1 i 1 I I j I 1 I 1 'i i Die Sintfluth. ״Die Natur“ (von Dr. Müller) bespricht in anerkennendster Weise das Werk von Eduard Saess: ״Das Antlitz der Erde“ und wie Humboldt im ״Kosmos“ — ebenso bietet uns in dem vorliegenden Werke einer unserer ersten• Geologen das Facit seines wissen- "schaftlichen Lebens“. Das dürfte es vollauf erklären und rechtfertiget!, wenrr wir die, die noachidische Fluth betreffende Stelle hier wiedergeben. Allmählich aber sicher kommt die Anerkennung der heiligen Schrift zurück. — ״ Der erste Band überrascht durch seinen Beginn, welcher nichts Anderes als eine Schil- ־ derang der biblischen Sintfluth enthält. Mancher dürfte davon recht betroffen sein, indem wir uns seit langer Zeit daran gewöhnt hatten, das Ganze für eine^; Legende zu halten. Seitdem wir jedoch wissen, dass•, die merkwürdige Sage, die durch ihren früheren Namen ’ ifattifaA CU,£. mJil•*. w