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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-16 · No. 42. (16.10.1884) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 42. (16.10.1884)
Date
1884-10-16
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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Caio, ein Mysteriim — tm inllfm.?ertrag der Herrn Dr. Hättersdorf in Gleiwitz. n. Akt Inder 1 Scene des z weiten Aktes fährt Lucifer Cain durch den nnendliohen Weltraum. Immer weiter entfernt sich die Erde mit dem sie begleitenden Monde, 80 dass sie *nietet nur wie ein Glühwürmchen erscheint. Dagegen nähern 8ioh die beiden den übrigen nnsähligen Himmelskörpern, die sie bald ganz in der Nähe sehen. Während Cain in heiliger Begeisterung die Wunder der Sohöpfung anstaunt, sucht Lncifer ihm die Geringfügigkeit ׳und Nichtigkeit der menschliehen Natur darzuthnn. Cain wünscht hier za sterben, um nicht wieder in jene niedrigen, ekelen Verhältnisse zurückkehren za müssen, was indessen nicht geschehen kann. — Allmählich verschwinden sodann die leuchtenden Welten, es wird immer einseiner und dunkler, Wolken verhüllen den Ausblick in die Weite, sie nahen sich dem Beiche dee Todes. Die zweite Scene zeigt uns die beiden im Hades. Im Anschauen der Todesschatten flacht Cain ,dem, der Leben schuf, das Tod ihm bringt“. Er sieht die gewaltigen Schatten vorweltlicher Wesen melancholisch umherwandeln, und Lncifer belehrt ihn, dass diese einst an körperlichen und geistigen Vorzügen seinen Vater in eben dem Masse übertroffen hätten, als Cain selbst und die Seinigen die 60000. Generation überträfen. Cain wünscht sohon jetzt im Beiche der Schatten zu bleiben, wohin er ja doch einst würde gerufen werden. Aber Lncifer erklärt ihm, dass er erst durch das Thor des Todes dahin gelangen könne. Die Betrachtung der ungeheueren Schatten vorweltlioher Thiere und die Belehrung Laoifers, dass von diesen Geschlechtern sich keines mehr auf Erden befinde, weil es den Menschen unmöglich wäre, den Kampf mit ihnen zu bestehen, und sie von denselben unfehlbar würden ausgerottet werden, veranlasst Cain zu der Frage, warum denn durchaus zwischen den Geschöpfen K^mpf stattfinden müsse; worauf der böse Geist diesen '׳als die Fracht des verbotenen Baumes bezeichnet; auch die Thiere treffe das traurige Loos der Menschen, da ihnen doch kein besseres Geschick zu Theil werden dürfe, als jenen. Das unverdiente herbe Schicksal der unschuldigen Thiere entlockt Cain die Aeusserung, dass der Baum der Erkenntniss ein lügnerischer Baum gewesen, da ja der Mensch doch nur wenig wisse. Aber Lacifer tröstet ihn damit, dass vielleicht der Tod, der dooh unter allen Dingen das Sicherste sei, zu sicherer Erkenntniss führen werde. — Cain erblickt dann ein Bild des Weltmeeres mit den darin spielenden Leviathans und eine Schlange, welche ihren Kamm zehnmal höher ,streckt als die höchste Ceder. Auf seine Frage, ob diese wohl jene* ähnlich sei, die Eva verführt habe, (et selbst habe wohl ähnliche Thiere, aber jene selbst nie gesehen) antwortet Lncifer: ״O Freund, Wenn Dich Dein Weib, wenn Dich ein Weib Der 8öhne will zu seltsam Neuem reizen. Siehst Du gewisq, wer sie zuerst gereizt“. Denn noch gäbe' es Dinge, wozu ein Weib den Mann wohl könne reizen. Da aber Cain erklärt, seine Warnung nicht zu verstehen, so belehrt ihn Lncifer, dass sein gegenwärtiger Zustand der Sündhaftigkeit und des Leidens ein Paradies sei gegen den, in dem er sich bald befinden werde, und dieser wieder ein Eden im Vergleiche zu dem, was seine Nachkommen dereinst thun und leiden würden. Indem sie nun wieder der Erde aufüegen, beklagt sich Cain, dass Lncifer ihn nur durch den Weltraum zu haben scheine, um ihn so Trauriges za sein Herz dürste aber darnach das Gute zu schau an. Luoifer erinnert ihn jedoch daran, dass er naoh!Wahrheit verlangt habe; diese sei eben bitter, und alle Dinge, in der Nähe betrachtet, seien übel. Dies bestreitet Cain, indem er in begeisterten Worten die Schönheit seines Sohwesterweibes Ad ah schildert. Dann sei es auffallend, meint Luoifer, dass er im Besitze dieses theuren Wesens sioh unglücklich fühle. Cain aber sieht das Unglück als eine Naturnoth- Wendigkeit an; sei dooh alles unglücklich. Naoh seines Vaters Adam Meinung müsse freilich das Unglück vorhanden sein als die Quelle des Glückes. Er hält auch Luoifer für höchst unglücklich, da dieser nichts zu lieben versteht, während doch Gott, wie Adam behaupte, alle Wesen liebe, was ihm allerdings, nach dem über sie verhängten Sohioksale, nicht 80 zu sein scheine. Lucifer bedauert ihn, dass er liebe, was vergänglich sei; die Seinigen liebe Cain ihrer Schönheit wegen, aber diese selbst vergehe — eine Aeusserung, die Cain nicht versteht, da seine Eltern sich ihre Schönheit bisher unverändert bewahrt hätten, ' und er glaubt, dass er jene selbst nach dem Verluste derselben lieben werde. — Diese Bemerkung giebt Lucifer Veranlassung, Cain hinterlistiger Weise an seinen Bruder Abel zu erinnern, der der Liebling Gottes und seiner Eltern sei; er saoht Eifersacht in ihm zu erwecken. Aber Cain׳ will über dieses Thema, das ihn erregt, nicht reden hören; er bittet Lacifer, ihm seine und Gottes Wohnung zu zeigen. Die Antwort des bösen Geistes, dass sie beide überall seien, dass sie zusammen herrschen, aber ihre Wohnung getrennt haben, lässt Cain den Wunsch aussprechen, das dem nioht so. sein möchte, denn dann würde auch der Friede in der Welt walten. Es ist ihm unbegreiflich, ia8B sie als Brüder sich nicht vertragen können, da dooh die Welt für ihrer beider Herrschaft Baum genug biete. Es müsse aber einer von ihnen und zwar Luoifer nur das Böse wollen, denn sonst würde er den : Menschen Gutes erweisen. Lucifer jedoch meint, das sei Gottes, als des Schöpfers der Menschen, Sache. Cain dringt nochmals mit Bitten in ihn, ihm Gottes, und seine eigene Wohnung zu zeigen. Doch Lucifer erklärt das für «unmöglich; auch müsste dies sein Untergang sein. Und da Cain auf diese Gefahr hin seinen Wunsch erfüllt sehen möchte, 80 bedeutet ihn jener, dass .er umkommen würde, ohne etwas za sehen;; denn jener Anblick sei für einen anderen Zustand, < von dem der Tod nur ein Vorspiel wäre. — Da sis nun der Erde sioh nähern, fragt Cain, wozu ikm nun': dies alles gezeigt worden, worauf ihn der Anders ' wieder daran ermahnt, dass er ja nach Erkenntnis* j getrachtet habe. Cain hat aber nur einsehen gelernt*!:] dass er nichts sei. Das ist jedoch naoh Lacifmfj gerade die Summa aller menschlichen Erkenntnisse Auf die Bemerkung Cains, dass Lucifer bei all seinem J Hoohmuthe in Gott einen Oberen habe, bestreitet j dies der Böse; er sei vielmehr ein ebenbürtiger Wider* ־] sacher des Herrn, mit dem er bis an das Ende der! Dinge den Kampf führen wolle. Die Menschen abef j sollten sich — 80 mahnt er — das einzige Gat, da» | ihnen die verbotene Frücht gebracht, die V ernuuft^ nioht von der Tyrannei des Glauben 8 in Fessel# 1 schlagen lassen. 1 Hl. Akt. I (Die Erdein der Nähe de« Paradieses wie iza L Akt). : J Cain tritt zu Ad&h, di® au dem Lager ihragj sohlammemden Kindes wacht. Voll Zärtlichkeit bea|Äfl er sich über das liebliche Wesen, dessen Anblick aber, nicht minder als die Worte seines Weibes,'

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