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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-16 · No. 42. (16.10.1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 42. (16.10.1884)
Date
1884-10-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 42. Jüdisehes Jahrg. Xm. Litteratur-Blat 7■r Beleachtaaf aller Ja4e«tham «nd J14e1 betreffende■ l!U4r«rl>ebM Kr• 1ehe(1Magea aaf den! Gebiete der Philo* •ophle, Geschieht«, Kthaographle« Theologie, OrleatalU, Exegese, Homiletik, Lltargik, PSdagoglk. Herausgegeben ▼OD Rabbiner I)r. Moritz, Raluuer. ■ 1^TLaydefnity, 16■ Octo&ez 1884. i jr-L - -r.. —u« Bleherder elaaehligigea Litteraiar, welche der Bedaetioa ngeaaadi werde•, Bad•• 1• dieaeai Blatte eingehende Beepreehnng. Bel Kiaeeadaag ▼ea awei Beceaalea■* Exemplaren erfolgt elaaaallge karae Gratie-laserttoa. f Das ״JBdlsche Litteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlunjjfen (in - Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Stark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 81 Stark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit' 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Stark« berechnet und sind an. die Expedition dieses Blattes za senden« B• Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 p( Rabatt. 9־■ Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Ein wi . den Talmud. — Cain, ein Mysterium Lixteraturbericht: Recensionen: Sociötö des ötudes juivis Paris. A. Dr. J. Goldschmidt-Weilburg. Notizen ׳htiges Zeugniss für von Lord Byron. ,Annuaire“ de la 1urlacher 1881. Von Nachdruck nur mit •voller Quellenangabe gestattst. Ein wichtiges Zeugniss für!den Talmud. In den zum neunzigsten Geburtstag des Dr. Zunz von Rabbiner Dr. Perles in München veröffentlichten ,Beiträgen zur Geschichte der hebräischen nnd araindischen Studien“ (München 1884, bei Theodor Ackersehr werthvollen unsere Kenntniss mann) befinden sich unter andern handschriftlichen Mittheilungen, die über das jüdische Schriftthum im Mittelalter wesentlieh bereichern, auch einige Briefe von dem des Hebräischen sehr kundigen — er schrieb sogar bebr. Briefe, von denen Perles einen S. 303" abdruckt*) — nnd selbst im Talmud gut belesenen kurpfälzischen Rath und Sekretär des Bischofs Won Constanz, und später des Pürsten von Cleve und Jülich, als freisinniger Bibelforscher und Verfasser eines syrischen Lexicons bekannte Andreas Masips (geb. 1515 in Brüssel), dem ״grossen Hebräer“, wie er von seinen Zeitgenossen genannt wurde, (dem Paulus Fagius und Sebastian Münster, die von ihnen edirten resp. übersetzten hebr. Werke widmeten), Briefe aus den Jahren 1553—54, welche seine Stellung zu den damals gegen die hebräischen Schriften erlassenen Edicten kennzeichnen und die wegen der darin niedergelegten Urtheile über den Talmud in unseren! Tagen von ganz besonders hohem Interesse sind, wes halb wir dieselben hier — mit ausdrücklicher Erlaubnis des Herausgeber8 — zum Abdruck bringen, um sie weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Sie verbreiten auch über manche bisher nicht genügend aufgehellte litterarhistorische Thatsachen. neues Licht.j Masius schreibt am 24. Dezembe|r 1553 aus Kloster Weingarten an den Cardinal Pighlinus: ״Ich habe Dir bereits früher meinen Schmerz |iber die voreilige Vernrthejfung des Talmuds zu erkennen gegeben, ich ף Ea heisst darin u. a. בל7זק עברית m וכתבתי כל את(דסמחשבתי הזאת וכר “üHrfr למלן לא תכיר אדם kann mich nicht ohne den grössten Aerger der Angelegenheit erinnern. Auf die Beschwerden zweier‘ von Neid und Habsucht erfüllten Männer (nämlich der venezianischen Buchhändler Justiniani nnd Bragadini) und auf das Urtheil zweier von jenen feindlichen Bnchhändlem gemietheten beschnittenen Christen, wenn sie überhaupt dieses: Namens würdig sind, habet ihr zur ewigen Schmach'- des Apostolischen Stuhles und zum Nachtheil der christlichen Sache eine voreilige Sentenz gefallt. Ihr seid vollständig blind in dieser Sache, da Keiner von Euch je auch nur ein Sterbenswörtchen iu jenen Commeniarien gelesen hat. Ich halte es für meine Pflicht, Dir und dem Cardinalconsistoriam gegenüber die Mahnung auszusprechen, dass Ihr ׳den getauften Juden in den ihre früheren Glaubensgenossen betreffendem' Angelegenheiten nicht ohne weiteres Glauben schenken dürfet; denn es giebt keine neidischeren und auf den hässlichsten Gewinn erpichteren Menschen als jene Täuflinge. Ich wage zu schwören, dass jene beiden ■Männer, die Ihr, wie ich höre, als Richter über Gott weiss welche Bücher eingesetzt habet, nicht blos von ׳ der einen Seite, sondern von beiden Seiten für ihre lügenhaften Aussagen bestochen wurden. Die beiden Buchhändler sind gleichsam zwei Ochsen, von denen der Eine ihnen auf der Zunge sitzt, der Andere den oben sitzenden zu verdrängen sucht. Ich habev zu Rom die Fähigkeit dieser Männer kennen gelernt, ich habe den Talmud wenn nicht ganz so doch zum grossen Theile gelesen, ich habe in demselben unzählige Belege gegen das Judenthum aber nichts von Belang gegen das Christenthum gefunden. Die talmudischen 1Fabeln über Jesus beziehen sich nicht auf den Stifter des Christenthums, unter den Minim sind nicht die Christen sondern Häretiker gemeint. Ich hatte begonnen Materialien za einem Buche, durch welches die Juden für das Christenthum gewonnen werden sollten, zusammenzutragen. Vor Entrüstung über euer Verfahren habe ich das Gesammmelte in’s Feuer geworfen. Za obigem Zwecke verschaffte ich mir bei Bömberg in Venedig mit grossen •Kosten deu Talmud. Ich werde sehr erfreut sein, wenn es Deinem Einflüsse gelingt, mir mein Exemplar zu retten; wenn nicht, 80 werde ich es so gut es geht zu ertragen suchen. Ich bin von Deiner Klugheit überzeugt, dass Du und Marcellus (der spätere Papst) gegen diese voreilige Sentenz gestimmt hast, während die anderen Mitglieder des Collegiums den getauften Juden zu viel Vertrauen sohenken und weil selber Mönche die von dem Mönobe Pfefferkorn gegen Reuohlin geschlenderten Verleumdungen alß haare Münze annehmen.“ (Schloss folgt) ־־—־־ ^wiu־ niTiir-^wiinfli i -tfjfi

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