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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-03 · No. 40-41. (3.10.1884) · p. Seite 160

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 40-41. (3.10.1884)
Date
1884-10-03
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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— 160 v■ welchem sich das Volk nicht wieder erkannte, weil in den. ganz ähnlichen Portraiten, die gar nicht geschmeichelt sind, sich nie . erkennt — der jftdiaohe Pöbel, welcher einen gemeinen Räuber er• rettet nnd denjenigen beschimpft and einem schmähliehen Tode übexgiebt, welchem es vor Karzern, mit Enthusiasmus folgte nnd ihn mit Blamen bedeckte. -Ferner waren es diese Jaden, die Feinde Christi, deren Nachkommen Lp. der Mitte der christlichen Ge• Seilschaft lebten. Dnrch irgend einen unbekannten Zanber geschätzt, fanden sie Mittel, den Leiden za entgehen, die die ganze Welt heimsachten, folglich war das Ungläok der Christen ihr Werk; sie waren es ohne Zweifel, welche sich das Brod der Kinder Christi aneigneten, sie ohne Zweifel, welche durch ihre Laster, durch ihren Band mit dem Satan alles Unglück der Christenheit verursachten. £8 hat sich also durch eine Art geheimnissvoller Entstehung langsam in den naiven und unwissenden Phantasien die schrecklicheLegende gebildet, entwickelt und entfaltet von dem gehässigen Juden, welcher gegen die Christen und die Kirche ohne Unterlass alle Verbrechen und Attentate anzettelt und verfolgt. Dasselbe hatte sich im römischen Reiche beim Auftreten des Christentums gegen die Jünger Christi gebildet. Wie die bösen Keime, die in der Luft, die wir athmen, heramschwimmen, und sich selbst in den heitern Strahlen der Sonne bewegen, an den Mauern unserer Wohnungen vertrocknet sich ansetzen, bis ihnen günstige Umstände das für einige Zeit unterbrouhene, todbringende Leben wiedergeben: so kamen die Irrthümer, Vorurteile, Verleumdungen der heidnischen Menge gegen die Christen der ersten Jahrhunderte wieder gegen die Juden zum Vorschein, fennm gemildert durch die neue Umgebung, in der ihr Erwachen sich vollzieht. Die Juden sind es demnach, denen man durch eine Erinnerung an Rom unter Nero und Diocletian die Feuerbrünste zuschreibt, welche Städte und ganze Provinzen zerstörten; die Jaden sind es, die Genossen des Aussatzes, welche die Quellen vergiften, die Epidemien und die Pest hervorrufen, die die Welt verheerten; die Juden sind es, gegen die man, mit einem höchst befremdenden Widerspruche, die Verleumdungen erhebt, die durch die Feier des Abendmahls gegen die Christen entstanden waren; die Juden sind es, die den Dolch zücken, welche heilige Hostien in kochendes Wasser tauchen, die Jaden, die zur Feier ihres Passah-Festes sich Menschenblutes bedienen, die Juden, die zur Bereitung ihres ungesäuerten Brodes kleine Kinder schröpfen und schlachten, die Juden, als Fortsetzer des Gottesmordes, welche immer und durchaus Christus verfolgen, in seinen Anhängern, in seiner Lehre, in seiner Person, seiner Gottheit. £18 giebt in der Geschichte oft ein unbegreifliches Zusammentreffen von Umständen, wie entgegengesetzte Winde, welche über die Mensehenkreise hinwehen und sie in ihren tiefen Schooss fortreissen; wie in der Atmosphäre sind im Augenblicke des tiefsten Niederdruckes die Stösse am schrecklichsten. So wurde im VHL und XIV. Jahrhundert die Christenheit fortwährend von Schrecken heimgesucht; bald ist es ihre Vernichtung durch den Islam, bald das Ende der ganzen Welt, was sie fürchtet; bald ist es die Entweihung des heiligen Grabes, was sie nach dem Bericht der Pilger glaubt: sie glaubt an eine allgemeine Verschwörung, deren Anzetteler die Jaden . sind; ,die Leidenschaften wütheten־ unwiderstehlich. Ein moralischer Schwindel ergriff die Volksmassen un^ riss mit sich fort oder zerstörte auf seinem Wege allez, was ihm als Feind Christi begegnet. Die Periode der Kreuszüge und der sohwarzen | Pest sind ganz besonders schrecklich für die Juden, fjj Nichts, weder die Protection der Fürsten, noch die ף Gastfreundschaft der Bischöfe, noch die feurigen; Ermahnungen des heiligen Bernhard, noch die förmlichen Befehle der Päpste, nnd endlich nioht einmal die Taufe, die eine gewisse Anzahl sich an zunehmen entsohloss, nichts vermochte sie vor dem Strome zu retten, der sie verschlang und zermalmte. Unglückliche Jaden! Sie gingen unter, indem sie den erhabenen Grundsatz ihres Glaubens: Gott ist einzig! ihren Henkern entgegenschleuderten! Unglückliche Christen! Von einer Art äknter dogmatischer Monomanie ergriffen, ertränken, hängen, enthaupten, erdrosseln, zwicken mit fearigen Zangen, verbrennen sie Männer, Weiber, Kinder und schreien mit voller Ueberzeugung ihrer Seele: Gott will es! Gott will es! Spamen ist das Land, wo die letzte, die schreokliebste der Krisen dieses religiösen Wahnsinus erfolgt, durch die Austreibung von 1200 000 Juden und Maselmänner anter Ferdinand und Isabella; es giebt nur eine einzige in der Geschichte, die mit dieser verglichen werden kann, d. i. der Widerruf des Edikts von Nantes, 2 Jahrhunderte später. Das Phänomen in Spanien ist aber vollkommener in seiner Art: vor allem, weil man da alle Ursachen und Vorwände religiöser Verfolgungen findet; ferner, weil es eine grössere Anzahl von Individaen nnd eine grössere Mannigfaljtigkeit religiöser Sekten betrifft; noch mehr, weil Dank den ungenirt barbarischen Sitten der Zeit es sich in seiner ganzen Schaaderhaftigkeit ohne Gleissnerei zeigen konnte; endlich weil die Nemesis der Vorsehung daraus alle Flüche und alle wohlthätigen Lehren hervorgehen liess, welche ein 80 grosses Verbrechen hervorbringen kann. Spanien hat sich davon nicht wieder erholt, und” wird sich nur schwer davon erholen. Dr. J. Goldschmidt. _ (Fortsetzung folgt.) ״Talmudische Weisheit“ von Dr. Justus. (Fortsetzung.) 5. ,Der Segen eines Rabbi ist keine Kleinigkeit. Selbst Gott der Herr ist einem Rabbi dankbar, wenn er ihn segnet. Rabbi Ismael erzählt: ״Ich ging einst in’s Allerheiligste und Gott sass da auf einem hohen Stuhle. Er bat mich: ״Segne mich, mein Sohn!“ Ich that’s. Er verbeugte sich, dankte und ging“. (7a.) So oitirt Justus. Das Original lautet: ״Es wurde gelehrt, Rabbi Ismael ben Elisa habe erzählt: ״Einst trat ich in das Allerheiligste ein, am das Räuchert werk zu räuchern, da sah ich Akatriel Jab, den Ewigen Zebaoth, sitzen aaf hohem and erhabenem Thron, und er sprach zu mir: ״Ismael mein Sohn, segne mich!* Ich sprach darauf: ״Möge der Wille sein von Dir,- dass Dein Erbarmen Deinen Zorn überwältige, da4 Dein - Erbarmen Deine Eigenschaften am wogen, dass Du an Deinen Kindern nach der Eigenschaft des Erbarmen8 handelst nnd nioht in die Linie des strenge!) Rechtes gegen sie eintretest!“ Darauf schüttelte er sein Haupt. — Damit will er uns belehren, das! aucn der Segen defe Geringsten nicht leicht sei in Deinen Augen“ Es ist hier also von keinem Rabbi, sondern von einem Hohenpriester die Rede, der am Verr söhnungstage in das Allerheiligste des Tempel! mit dem Räacherwerke eintrat and dort eine Axt prophetischer Vision hatte. Gott sprach: ״Segnfe mich, mein Sohn!“ und Israel — betet: Das Gebet] ist ein Segen Gottes! Der Segen 8011 aber niobfi die Grösse des Rabbi beweisen, sondern dsj|

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