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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-03 · No. 40-41. (3.10.1884) · p. Seite 159

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 40-41. (3.10.1884)
Date
1884-10-03
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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die «tote mit ihnen verkehrten, all!in Glauben seifer ׳ verlor“.*) Aber wenn das Papstthun die Juden von der Gesellschaft absonderte, 80 war damit nioht gemeint, dass sie anoh von der Mensohliohkeit ausgeschlossen seien: seine Ehre sowohl als seine Lehre verbot ihm dies. Hatte nioht Christnc seinen Aposteln anfgetragen, zn den verirrten Schafen des Hauses Israel za gehen, and ist die Freade mit den v iedergefandenen Schafen nicht grösser, als mit der Monge der andern, die gar nicht verloren waren? De Jaden, diese Brttder Jesn’s in Hinsicht des Blute 3, als Bekenner des wahren Glaabens, anch gegen ihrea Willen, welche Ehre für die Kirche and welches Eeugniss für das Chri8tentham! Gregor L der Grosse, war allem Anschein nach derjenige, welcher in Hinsicht der Jaden die Initiative za einer Politik der Milde und der Ueberredung griff- In dem Augenblicke, in dem die Concile im südlichen Frankreich und in Spanien die Jude i ausserhalb des gemeinen Hechts zwischen Taufe and Ans Wanderung setzten, intervenirte der grosse Papst zu ihren Gansten; man durfte sie nur darch Liebe zun Christenthpme bekehren In derselben Epoche setsiten der heilige Isidor von Sevilla und eine grosse A izahl Päpste der folgenden Jahrhunderte die toleranten Traditionen hinsichtlich der Juden fort. Man sucite sie nur durch friedliche Mittel zu bekehren! Colloquien fanden statt zwischen den Gelehrten der beiden Gälte; das waren die rechten Kampfeswaffen; die Chriiiten oitirten den Talmud, die Juden das Neue Testament. Selbstverstündlich liess man nur ״die tüchtigsten Kleriker zur Dis- }»utation gegen die Juden" zu, und fast immer war es ein rüherer Glaubensgenosse, ein bekehrter Rabbiner, den man damit betraute, durch sein Boi spiel und seine Argumente dieselben zu überführen. Diese Colloquien sah man über alle Maassen sich in c ie Länge ziehen, z. B. das von 1314 in Tortosa in Spanien vor dem Gegenpapst Benedict XUL, welches 13 Monate dauerte und bei welchem die weiten Rath schlage Gregors, des• Grossen, zum Theil vergessen winden. Zuweilen wurden auch die Juden, ohne dass sie recht im Stande waren, die e Höflicb keit abzulehnen, eingeladen, dem glänzenden Pomp der Kirche beizuwohnen und ihre Prediger zu hören; mitunter endlich verschmähte man es nicht, wie beim Berge Mahomets, zu ihnen zu kommen, und &0 waren »8 ihre ärmlichen Synagogen, woselbst die christlichen Pr ediger ihre Reden ' vernehmen Hessen. Der Uebertritt der Juden zur grossen katholischen Einheit war von so grossem Werthe, dass man, um denselben zu erlangen, nicht anstand ihnen die glänsendeten Entschädigungen und erh uchtigsten Yerbindnngen zuzugestehen; keinerlei 1Verfnhrungsmittel wurde bei ihnen geschont. Eine )emerkenswerthe Bede, die offenbar authentisoh ist, von einem alten jüdischen Schriftwerke den christlichen Predigern in den Mund gelegt, sei hier angeführt: ״Warum nun, tagen sie zu den Juden, lasst ihr euch fiir euren Gott umbringen? Seht nur, wie viele Züchtigungen, wie viele Plünderungen sie gegen euch verordnen: kommt doch lieber zu uns! Wir werden aus euch Fürsten, Gouverneure, Generäle machen (Eparoh ai stratelatai)“.**) Die westgothische Gesetzgebung in Spanien im VIII. Jahrhundert, derselben Epoche näml oh, aus der das ritirte Werk ungefähr stammt, war sehr hart für die Juden; man findet darin schon die ganze Inquisition im Keime; gleichwohl bietet sie ihnen Adelsbriefe fds Austausch für ihren religiöse 1 Glauben an. Zweifellos hat eine grosse Anzahl Juden, aus Zwang Revue T p. 116. Oittta, n*ch Peaäkta rabbati, Qeach d Jaden IV p. 333, ז; nif^wtaaiTyrti «,!ז X -! oder Ueberzeugung, den katholischen Glauben angenommen, und neue Erleuchtete ans Damaskus weihten sich der Bekehrung ihrer Brüder; aber im Verhältniss zur Masse der Gläubigen war es nur eine unbedeutende .Minorität, und bei der Anzahl, in der die Juden zur Messe geführt wurden, oder die Prediger sie in den Synagogen anfsnchten, war die Erfolglosigkeit der Kirche fast auf der ganzen Linie eine vollständige, während das Jadenthnm in seiner Lebenskraft nicht getroffen wurde. — / Was Wunder demnach, dass die Stiodmen, welche Milde empfohlen, da aufhörten gehört zn werden, and dass man in dieser Epoche, die noch so weit ab liegt von den Ideen der Brüderlichkeit and des Friedens, seine Zuflucht nahm zur Macht, dieser letzten Beweisführnng, selbst noch in unsera Tagen, für diejenigen, die' keine bessere haben? Auch hat es andererseits stets im Christenthame angesehene Autoritäten gegeben, kirchliche wie andere, wie z. B. der heilige Ludwig, welche es nicht begreifen konnten, dass man mit den Feinden Christi disoutirte, und die es einfaoher fanden, mit rasohern Mitteln der Sache ein Ende za machen. Man handelte ja in solcher Weise gegen alle Ketzerei; warum demnach mit dem Judenthume zaudern, das ebenso gefährlich and viel beleidigender war? Im IV., V. und VI. Jahrhundert, in Italien, Egypten und im südlichen Frankreich, führten auch Bischöfe das Volk zum Angriff gegen die Synagogen und jüdischen Gemeinden nnd verwandelten mit einem Schlage jene in Kapellen nnd diese in Christen. — Dieser Recnrs auf das Volk in diesem Kampfe für das religiöse Leben führte einen neuen Kämpfer auf die Rennbahn, mit dem von nun ab gerechnet werden musste. Das Volk war im Mittelalter - anglücklich und unwissend; Adel und Priester, die sich mit seinem Schweisse mästeten, Krieger, .die es in der Arbeit störten und ihm sein Brod nahmen, Epidemien nnd Pestausbriiche, die es periodisch decimirten, alles trag hei, es zn quälen nnd zn schrecken. Dein gegenüber hatte es keinen andern Trost, als seinen Cnltus; sein glühender Glaube hielt es aaireoht in seinem Unglücke and bewahrte es vor Verzweiflung. Die einzigen Stunden der Rahe, des Vergessens, wenn nicht« des Glückes, gab ihm nur die Kirche. In den armseligsten Kapellen, wie in den majestätischen Basiliken, die übergossen waren von süssen Strahlen and erfüllt von Ebenmass, von Liedern nnd Wohlgeröchen, waren seine Sinne, wie sein Verstand wie bezaubert, und schienen ihm zngleioh alle Jahrhunderte der Vergangenheit nnd alle Ewigkeiten der Zukunft zn leben. In der That war es die Vergangenheit nnd die Zukunft, wohin es der Kirche, mit einer wahren Messkunst der intellectuellen und moralischen Bedürfnisse der Menschheit, daroh ihre Lehren das Volk zn tragen gefiel. Diese Vergangenheit nnd diese Zukunft, welche die Kirche demselben *nach den von ihr bewahrten Traditionen zeigte, das waren ihre Leiden für sich und ihre endlichen Triumphe, zugleich Triumphe für alle, die ihr ihren Glauben schenkten. Für dieses Volk, das nicht lesen konnte, las die Barche, predigte sie, ja dramatisirte sie das Evangelium, und zeigte ihm so, wie den höchsten Trost nnd die erhabenste Belehrung, einen Gott, der geboren wurde, der lebte, der litt nnd starb, gleich ihm. In dieser traurigen Tragödie der Leiden and der Todesstrafe Jesn’s מschien die Rolle.der Jaden in den düstersten Farben; jüdische Priester sind es, die den Untergang des Gerechten anzetteln; Judas Isoharioth ist es, der ihn für Gold verkauft and ihn nur umarmt, am ihn desto mehrzn verrathen; endlich ist es der jüdische Pöbel, — in nr ־■■ infrriiääa' ■Heil

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