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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-10-03 · No. 40-41. (3.10.1884) · p. Seite 158

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 40-41. (3.10.1884)
Date
1884-10-03
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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als die• nach Göthei im ״Manfred״ geschehen. Es ergiebt sich wohl aas dem Gesagten, dass dieses Weih, das ich mir Ihnen vorzüf&hren erlauben will, unser Interesse in hohem Grade in Anspruch nehmen darf. Lord Byron, der bekanntlich noch nicht das Alter unseres Schiller erreichte — er ist geboren zu London am 22. Januar 1788 Und gestorben am 19. April 1824 an Missolunghi — hat sich als lyrischer, epischer und dramatischer Dichter einen geachteten Namen erworben. Den ״Cain״ schiieb er (1821) in Italien, als er wegen seiner zerrütteten Familien Verhältnisse sein Vaterland zum zweiten Male und zwar für immer verlassen hatte. Er bezeichnet dieses .Werk als ein ״Mysterium“, weil es einen ähnlichen Gegenstand behandelt, wie die mittelalterlichen Mysterien oder Moralitäten, welche ja last in allen Ländern der abendländischen Christenheit gedichtet wurden and zur Aufführung kamen In Wahrheit darf es wohl nur insofern auf diesen Namen Ansprach machen, als die sich eng an die Bibel anschliessende Handlung eine höchst einfache ist, während der eigentliche Inhalt wohl weit ab liegen durfte von demjenigen jener erbaulichen Volksstücke. Das Drama zählt drei Akte. Ich will nun 80 kurz, «18 es sich bei dem eigenartigen Werke fchun lässt, die Handlang skizziren. I. Akt. In der ersten Soene tritt die Familie Adams in allen ihren Gliedern auf. Es gehören ausser den Jn der Bibel genannten Personen noch zwei Töchter zu derselben, Adah und Zillah. Diese Namen sind von den ersten in der Bibel genannten Frauen, denen Lamechs, entlehnt. Erstere ist das Weib Cains, letztere das ihres Bruders Abel. Sämmtliohe Glieder der Familie sind um die Zeit des Sonnenaufgangs vereinigt, um dem Herrn ein Dankopfer darzubringen and ihn unter Hinweis auf die grossartigen Wunder der Schöpfung zu preisen. Nur Cain hält sich von dem Opfer tern, wie er auch die .Seinigen, trotz liebreicher Aufforderung, nach demselben allein zur Arbeit gehen lässt, da er im Herzen krank sei und sich iär einige Zeit der Einsamkeit zu überlasten wünsche. Nachdem sich alle entfernt haben, bricht Cain in laute Klage aus, dass er, weil seine Eltern sich das Paradiee nicht zu erhalten gewusst hätten, ohne sein Verschulden zu arbeiten gezwungen sein soll, und äussert seinen Zweifel an der Gerechtigkeit und Güte Gottes. Während er solche Blasphemie aasstösst, sieht er ein Wesen nahen, an . Wuchs und Antlitz ähnlich den ־Engeln, welche mit ihren feuiigen Schwertern das Paradies bewachen, nur noch ernster und gewaltiger, durch schweren Kummer eines Theils seiner einstigen Schönheit beraubt — es ist La cif er. Er führt sich als den ״Herta der Geister“ ein; er cei gekommen" aas Mitleid mit Cain, de-.sen Gedanken er kenne, und dessen Schicksal er theile. Aach er habe sich gegen den allmächtigen Tyrannen empört und sei mit seinen Brüdern gestürzt worden. Aber wie traurig *aäch ihr Schicksal, sie seien dennoch glücklicher als ihr Ueberwinder, der kein gleichgestimmtes Herz neben sich habe, während ihnen ihre schwere Last durch die Sympathie so Vieler leichter werde. Auf das Geständnis Cains, dass ähnliohe Gedanken ihn oft bewegt, dass er aber bei den Seinigen kein Veratä&dniss für dieselben gefunden, erklärt der Geist, dass er auch nur deswegen sich ihm in seiner wahren Qostalt nahe; er sei es, der den Menschen zur Er-j] kenntniss ▼erhoffen habe. Da aber Cain dieselbe «!84 ganz unzulänglich bezeichnet, und seinen brennenden: Durst nach wahrer Erkenntniss bekundet, so fragt ihn Lucifer, ob er denn Math habe, dem Tode ins Auge za schauen, worauf ihm jener seine Faroht vor diesem ihm unbekannten Etwas, das über ihn, den Schuldlosen, kommen 8011, za erkennen giebt. Nachdem ihm aber der böse Geist eröffnet, dass der Tod nichts anderes als die Rückkehr zum Staube bedeute, und ihn belehrt hat, dass der mit echter Erkenntniss Begabte niohts fürchte, bittet ihn Cain, ihm zu soloher Erkenntniss zu verhelfen. Jener ist dazu bereit, wenn er vor ihm niederfallen und ihn als seinen Herrn verehren wolle. Allein Cain hat sich noch nicht einmal vor seines Vaters Gotte gebeugt und will sich auch vor ihm nicht beugen. Mit dieser Erklärung giebt sich der Verführer zufrieden, denn wer sich vor dem Herrn nicht beuge, gehöre ihm; er verbeisst Cain, ihn za wahrer Erkenntniss zu führen, wenn er ihm folgen wolle. Cain erklärt sich nach einigem Zögern dazu bereit. In diesem Augenblicke aber naht Adah, die zärtlich geliebte Gattin Cains. Sie ist gekommen, den Brnder zur Erholungsstände nach gethaner Arbeit einzuladen und fordert auch Lucifer zpi Thei lnahme auf; aber dieser will vielmehr Cain als seinen Gast mit sich führen. Der Wunsch Adah’s, ihren Gatten zu begleiten, findet nicht die Billigung Lucifers. Auf ihre Frage, wer denn eigentlich der sei, welcher sich zwischen Herz und Herz dränge, sagt Cain, dass er wie ein Gott rede. So habe die Schlange auch gesprochen, meinte. Adah, und doch sei aus ihren Worten den Ihrigen; nur Unheil erwachsen. Dennoch habe sie nur die Wahrheit geredet, erwidert der böse Geist, denn der Baum, dessen Frucht za gemessen sie Adam und Eva überredet, sei der Baum der Erkenntüiss gewesen Doch Adah will nicht, dass Cain mit diesem Engel gehe, dessen Worte den Allgütigen schmähen. Aber Luc'fer erklärt Cain, er müsse wählen zwischen Liebe und Erkenntniss. Dieser gesteht, dass er Niemand liebe ausser Adah, selbst nicht die Eltern; denn die hätten ja durch ihre Sünde nur Unglück gebracht über ihre Kinder und über die Millionen, die, diesen entstammt, einst die Erde erfüllen würden. Da nun Adah behauptet, nicht unglücklich zn sein, so lange sie Cain und all’ die Ihrigen besitze, zeigt ihr Lucifer, wie doch ־ alle, er selbst nicht ausgenommen, durch den Schöpfer zum Unglücke hervorgebracht seien; ja, dieser selbst, der eben nur allein sei, könne weder glücklich noch gütig sein. Doch Adah findet, dass Gott in den Engeln, in allen seinen Geschöpfen sympathische Wesen genug habe, und dass er, überall Glück, verbreitend, auch glücklich sein müsse. AbeC Lucifer flösst ihr durch seine Reden immer mehr und mehr Furcht ein, so dass sie ihn, dessen Worte ihr nur Flüche zu sein scheinen, zuletzt bittet, sie und die Ihrigen nioht unglücklich zu machen. Cain jedooh ist bereit, dem zu folgen, der ihm Erkenntniss verheisst. (Fortsetzung folgt). Ursprung und geschichtliche Ursachen des Antisemitismus. VL Nicht das Papstthum war es, man muss es sagen, j welches in diese albernen Grausamkeiten verfiel; obo• ■j Zweifel wollte es zwar nicht, dass ״verdammliche B**d Ziehungen zwischen Juden und Christen stattfände•(] weil aus diesem Umgang mit den Söhnen Belials viel Skandal entstand . . . und der grösste Theil der•?]

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