Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 34. (21.8.1884)
- Date
- 1884-08-21
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
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-dii) Wahl statt, bei welcher 63 Wähler mitwirkten (die Vorsteher, 15 Mitglieder und 32 Wahlherren nebst .Zugezogenen). Gegenkandidat war d er Pinsker Rabbiner, R. Raphael ber Jekutiel Süsskind, der damals -den חורח יקותיאל auf den־T' in Berlin drucken Hess and später Hamburger Rabbiner wurde. Ob das mit!das unglückselige Verfahren des Saal, Sohnes von R. Hirschei, veranlasst hat? Der gewählte Rabbiner ״war sehr gebildet, wie seine Bücher znigen, von denen jedooh nur Weniges gedruckt ist. Er war der erste Rabbiner, der Mendelssohns Bibel׳ibersetzung als nothwendig anerkannt und mit einer Haskama (1783) versah. Ueberhaupt zählte er zu des Berliner Philo- «ophen Freunden uud arbeitete einträchtig mit ihm an : der Hebung der preussischen Juden. Als Friedrich H die Grundzüge des gültigen, jüdische 1 Civilrechtes in deutscher Sprache verlangte, arbeitete Mendelssohn die ״Ritualgesetze der Juden“ (Februar 1783) auf Bitten und unter Aufsicht des R JIwi aus. Schon -in Halberstadt hatte dieser M.’s Schriften gelesen. Einen Beweis der Freundschaft, welche beide Männer verband, liefert es, dass der Rabbi dem Philosophen als Purim-Schlachmonaus eine hebräische Uebersetzung •einer aristotelischen Schrift schickt. 1 Landshuth hält R. Hirschei für den bedeutendsten Rabbiner Berlins. Der Kampf gegen M.’s Bibelübersetzung war das Vorspiel zu den Wirren, welche das Leben R. Hirschel’s trüben und beunruhigen sollten. Von den polnischen (Rabbinern dazu gedrängt, erhob er!!ich 1782 gegen Wesselns ״Friedens-und Wabrheitsbricf.“ Er warum so heftiger erregt, weil die Aufklärung immer mehr au Nichtbeachtung der Religionsgesetze führte. Wessely aber hielt er — mit Unrecht — für einen Genossen 1•der seichten Aufklärer. Mendelssohn schrieb am 17. April an Friedlaender, dieser solle beim Vorstande sich für Wessely verwenden. Das wirkte. Und als Wessely sodann die anderen 3 Briefe (1782—84) zu seiner Rechtfertigung schrieb, herrschte wieder vollständige Eintracht. Wie sehr aber die Furcht vor den Neuerern RlHirschel ergriffen hatte, zeigt, dass er gegen R. Jecheskel Landau schrieb, als dieser das Bartscheren am Choel hamoed gestatten vtollte, wenn der Barbier sonst kein Brod hat (Binjan Ariel II 30a). Am schmerzlichsten wurde R Zwi von den Streitigkeiten getroffen, ja sein Leben wurde verbittert durch •die Bücherfälschungen, deren sein Sohn Saul, Rabbiner in Frankfurt a. O., sich schuldig gemacht hatte! In der Druckerei der Freischale, welche von David Friedender und Itzig Jaffe geleitet wurde erschien, 1789 *מצפה יקותי eine pseudonyme grobe Schmähschrift (von Graetz ebenso wie von Landhuth charakterisirt, -XI 166) gegen den Hamburger Rabbiner, den Verfa8ser von Torath Jekuthiel. Die Dajanim von Altona und Wandsbeck legten den Verfasser am 26. März 1789 in den Bann. Der Berliner Rabbiner wol Ite ein Gleiches /thun, aber der Rab-Awbethdin R. k’eier bar Weil 'machte ihm erst deutlich, wen der Bann getroffep hat, indem er ihm antwortete: (nach II. B. Koenige 5,50 [»Ach mein Herr — und es ist Saul (geliehen!)“ —!Diesen Sohn hielt er, wohl mit Recht, für verrückt. 1 Dafür spricht die Scheidung von seiner Frau, und die!Anordnung, man solle ihn im Walde begraben. Ge- :fälschte Flugblätter, die in seinem Namen gegen die [Druckerei der Freischule aufriefen, zwangen R. Hirschei, ch in den Streit zu mischen, in dein er das Vorhen-seines Sohnes missbilligte, den Cherem aber ungerecht erklärte. Darin stimmte ihm selbst IR. J. Landau bei. Landshuth bezeichnet u. charak- (ferisirt eingehend die Litteratur, welche der Streit ervorgerufen hatte. Auch die Fälschung des בשמים nimmt er als erwiesen an, dooi sucht er R rsahel als unbetheiligt darzustellen, abschon dieser für die Echtheit in furchtbarer Erregung eingetreten w war. Aach mit Sauls 1794 (16. Novemb.) in London erfolgtem Tode kehrte dem alten Manne nicht die Rahe wieder. Viele vergruben Saals beide Sohriften im Hofe der Heidenreutersynagoge. Die Stimmung war so erregt, dass R Hirschei Berlin verlies« und in einem Schreiben, nachdem er auch mündlioh schon vergebens darum gebeten hatte, um seine Entlassung nachsachte. Eine Antwort ist nicht za finden. Vielleicht hat der Vorstand eine Deputation an den Rabbiner geschickt, die ihn zurückbrachte. Noch 1796 (12. Dez.) heirathete R. Hirschei, der seit1 ־. Mai 1794 , verwittwet war, die Sprinze bas Abraham, die später die dritte Frau des R. Sawel Eger in Braunsohwei wurde. Am 4. Ellul (26. Aug.) 1800 starb er an wurde in ehrenvollster Weise betrauert. Ein TheQ der ihm gehaltenen Trauerreden ist im למאד IT1W (vom Woideslower Maggid) gedruckt. Mit Berichten über seine Nachkommen schlieest das inhaltreiche Bach,, ן das allen Litterarhistorikern zu empfehlen ist. L e w i n. Replik. Herr Rabb. Dr. Gebhardt kann nicht zagebea, dass ״שרי״ im Midrasch Rabba (zu IV. M. Kap. 7r * Vers 3) cap. 12, von "׳שרא" lösen, befreien“ abgeleitet, ״frei von Abgaben“ bedeute, wie ich es 1n\ Littbl. No. 26 erklärt hatte, weil diese Bedeutung im Rabba zuEsth. Kap 1, 2, wo die sechs Himmel mit den sechs Stufen des Salomonischen Thrones verglichen werden, keinen Sinn hätte.*) Das Letztere gebe ich gern za, habe es auch Die behaupten wollen. Das thut aber meiner Erklärung zur fraglichen Stelle Midrasch Rabba zu IV. M. cap. 12, bezw. Pesikta di R.Kahana ed. Baber 7b und Rabba z. Hohelied 6, 4, wo die sechs Himmel mit den sechs Wagen der Fürsten (IV. M. 7, 3) verglichenwerden, nicht den mindesten Abbruch. Denn im Rabba zu Esther, welcher offenbar die fragliohe I Stelle der Pesikta di R. Kahana oder die des Rabba ( zu Hohelied 6, 4 benutzt**( und zur Deutung.auf den Thron Salomos umformt, ist die Frage ' nach der Bedeutung des siebenten Himmels, und die daraufbezügliche Antwort R. Abin’s , ein hierher nicht passendes, blos durch Unachtsamkeit des Redactors einge- - schlichenes Ueberbleibse 1 der benutzten Originaldeutang***) oder ab,er ein in den . Text gerathene Glosse eines gedankenlosen Glossators, welcher den Rabba zu Esther 1,2,׳ wo von dem Salomonischen Throne die Rede ist, nach den Midraschim zu IV. M• 7,3 wo von den sechs Wagen, welche die Fürsten dem Heiligthume gegeben, die Rede, zu ergänzen glaubte. Denn wenn die sechs Stufen des Salomonischen Thrones Nachbildungen der sechs Himmel sein sollten, . so ist der Sitzf) des Salomonischen Thrones ein *) I.itteraturblatt. No. 27, S. 10vb. **> Der Rabba zu Numeri ist möglicherweise noch jünger als der zu Esther. ***) Solche unaufgelöste L'eberbleibsel vorgenomraenar Transformationen linden sich auch sonst in den Midraschim und sind die besten Fingerzeigeauf die etwa benutzte n Originaldeutungen. . t) In der Pesikta di R. KahSna wird, unmittelbar vor der besprochenen Stelle, der Sitz des SalomonisohenThrones als: מעלה שבילית bezeichnet, gegen Buber 1. 1. Anm. 131. Die Kühnheit solcher Vergleiche, wird weniger überraschen, wenn man sich daran erinnert, dass nach dem Talmud Bereich. 58a die Majestät des irdischen Königs, ohne Unterschied, ob er Jude oder Nichtjude, ein Abbild der Majestät Glottes ist. Gelegentlich erlaube ich mir zu bemerken, dass die Mittheilung, welche .j angst die Runde durch alle Blätter gemacht batte( dass der mehr denn 80 Jahre alte streng orthodoxe Ober-Rabbiner von Deutsch-Kreutz, der Präses sämmtlicher Verrsami der orthodoxen Rabbiner Ungam’s, Katt, der