Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-08-21 · No. 34. (21.8.1884) · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 34. (21.8.1884)
Date
1884-08-21
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492408-6488249-8756142--0461-4855807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

r; יי.'■•׳1— - 134 von den Jaden herrühren, vreil diede ja selber nagerechter Weise das Gewicht derselben tragen and diese Anklage ebenso gegen das Passah-Mahl gerichtet war, welches ihnen ebenso heilig wie den Christen war. Die ernstesten Yennalhangen führen za der Annahme, dass diese Verleumdungen in Born, welches allen religiösen Neuerungen systematisch feindlich war, die Börner zu Urhebern hatte, und in Alexandrien die den Jaden missgünstigen Juden*) Nichts war übrigens natürlicher, als diese Steige, rung der Lügen and Verfolgungen gegen Ende des IL Jahrhunderte. Die Propaganda der Christen war viel heftiger, als die der Jaden and auch viel glücklicher. Die Israelitischen־ Lehrer, strenger als je vorher, verhiessen das Heil nar durch das Gesetz and in ihren ernsten Ahnungen der bevorstehenden Kämpfe umgaben sie dasselbe noch mit ״Wällen and Ver« theidigungswerken“. Man trat ins Jadentham nicht ein, man verblieb nicht darin, ohne ״die schwere Last der Ceremonien“ za tragen. Gaaz entgegengesetzt öffneten die .christlichen Apostel, die Schüler Paalus’, 'ohne Reeerve ihre Gemeinden and, da wo die Frauen allein Jüdinnen geworden waren, stellten sie die Familien - Einheit wieder her. Alle Hindernisse, und vor allem die Beschneidung, aulhebend, bekehrten sie Väter und Söhne durch das ״einfache und bequeme“ Dogma des Heils durch den Glauben. Die Edeln traten daher in Menge zum ’ Christenthume über, welches für den Staat gar jäh -zum Träger schwerer Beunruhigungen geworden. Die. Christen führten gegen die officielle Religion in derThat einen offenen Kampf; sie widersetzten sich der Anwerbung, und unter den Waffen den Bildnissen der Kaiser zu huidigen. Wegen. Bebellion verfolgt, feierten sie ihren Cultus nur im Geheimen. Sie sind daher Gegenstand stete sich vergrössemder Vorurtheile und gar;bald der ausnahmsweisen Strenge Nero machte den Anfang, indem er ihnen die Verantwortung für die Brände in Born aufladen liess und sie den grausamsten Strafen überlieferte. Er war ohne Zweifel ein Ungeheuer; ^aber auch Weise, wie Trojan und Marc Aurel, verordneten oder gestatteten, sie zu verfolgen. Als unter dem letztem eine Pest ausbrach, sind es die Christen, denen die Menge das öffentliche Unglück zuschreibt; sie sollten Aesculap durch ihre Gottlosigkeit aufgebracht haben. Auch später, unter Diocletian, sind sie es noch, die die kaiserlichen Paläste angezündet haben, sind es ihre Frevel, die die Epidemien erregt haben, .und der Kaiser selbst, diese Leidenschaffen unterstützend, verschliesst ihnen den Eintritt ins Heer and in die Aemter, zerstört ihre Kirchen und heiligen Bücher und lässt ihren Clerus ins Gefangniss werfen.**) Wir sind am Anfänge des IV. Jahrhunderts. Ganz plötzlich vollzieht sich eines jener Ereignisse, welche der Weltgeschichte eine neue Bichtung geben: J- ׳ "י,'•׳ *) Bemerkt sei, dass Tertallian den Anklägern der Christen dieselbe Worte in den Mund legt, deren sichoeneca gegen die Jnden bedient: Dietmar ״sceleratizsimi“ etc: **) Acadtaue des Inscriptions et Belles-Lettres, 19. August 1881, MMwilnng von ,Daruy. Constantia, Kaiser geworden, hatte jenes berühmte 1 Edict von Mailand erlassen, welches, würdig der! modernen Zeit, die vollkommenste religiöse Freiheit! proolamirte. Alle Calte worden anerkannt und ihre Priester mit öffentlichen Ehren bekleidet; der Kaiser •| war gleichsam ihr oberster Chef. Constantin, ein ’ Mann von wenig Gläubigkeit, aber grosser Staatsklagkeit, begriff in einem Augenblick, dass die römische 1 Beligion verloren and von den 2 biblischen Cnlten!| diejenige des Galiläers die den Massen am meisten zugängliche sei. Das Christenthum wird Staatsreligion. und gleich darauf, 315, 3 Jahre nach dem Mailänder ] Edikt, bleibt der Proselytismns, den Heiden unter den strengsten Strafen verboten, ein ausschliessliches Privilegium der Kirche'. Das Mittelalter hat begönnen. (Fortsetzung tolgt.) Berliner Rabbinen. (Schluss.) Hirschei Leviu entstammte einer hochberühmten Familie, welche den Maharam Padua, Maharschal and Bemo ihre Ahnen nennt. Geboren ist er wahrschein- J lieh in Bischa (Polen) 1721. Als Babbiner fungirte J er (nachdem er in Glogau als Privatmann gelebt hatte) jf in London, Halberstadt, Mannheim und Berlin. 1753 ] richtete er an seinen Bruder, der Babbiner in Dubno war, ein Schreiben, in welchem er ihn aaffordert, die '1 polnischen Babbiner dem Jabez gegen Eibeschütz za Hilfe za führen. Zwischen den beiden, zusehends ge- | hässiger werdenden, Parteien suchte eine Mittelpartei unter Führung des Jampolaer Rabbiners, 1 R. Jecheskel Landau, zu vermitteln. Dem Glogauer Rabbinate wurde von diesem der Vorschlag unter- . י breitet: B. Jonathan solle sich verpflichten, fortan nie mehr ein Amalett (Kamea) zu schreiben und die ' | vorhandenen za verbrennen und den Jabez nicht mehr zu schädigen. B. Hirsch übermittelt das seinem Vater nach Amsterdam and befürwortet die Annahme. Aber der Jabez verwirft ihn entrüstet (Schreiben vom 1. März 1753). 1757 trat B. Hirschei das Londonei* Babbinat an. Dieses vermochte jedoch nur den Körper za vergnügen und liess den Geist ohne Brod — es brachte wohl bedeutende Einnahmen, doch keine geistige AnregaDg. Deshalb folgte er schon im Siwan 1764 >■' dem im Herbst des vergangenen Jahres an ihn ergangenem Rufe nach Halberstadt, wo er 1770 amtirte. J Nach kaum 2jährigem Wirken daselbst traf ihn die 7״ Berliner Wahl rrnd in ehrenvollster Weise. Er wurde •j Aw bethdin, soll am Bethkamidrasch lehren, Bichter in religiösen wie civilrechtlichen Fragen sein (2 Dajanim ernennt die Gemeinde), jährlich am Sabbath vor Pessach und vor Jomkippur öffentliche Vorträge i halten, Tal, Geschem und Neila vorbeten. Dafür er- ' hält er jeden Sabbath Schlischi (= Er wird als Dritter zur Thora gerufen), einen Ehrensitz in der Synagoge für sich, wie für seine Frau, an Gehalt 50 Gulden monatlich, aasser dem von der Provinz Gezahlten 1׳ und dem Nebeneinkommen von Verlobungen (Tnoim) Trauungen und für Ertheijung der Titel Chower und Morena — wie Gerichtskosten. Dazu Amtswohnung und Lehrhaus! Der Wahlmodus war folgender ge- . wesen. Die Gemeinde beschloss am 23. Dez. 1771, dass' diä 32 Wahlherren binnen 14 Tagen sich ver- J sammeln und eine Auswahl unter den Babbinera treffen sollten. Diese Candidatenliste sollte einer in Monatsfriat za berufenden Gemeindeversammlang zur' Aas- J wähl unterbreitet werden. Nachdem die Gemeinde ־] das Gehalt bestimmt hatte, fand am 29. März 1772 ׳]

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.