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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-07-31 · No. 31. (31.7.1884) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 31. (31.7.1884)
Date
1884-07-31
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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ימוווי - 122 — •ו Wahrheit hin zu untersuchen. Herr Ecker benotet die vierte Auflage dee Spiegels (ich habe nur die dritte). Gegen die perfide Biatbeeehaldigung hat er kein ־Wort — hat Jastus sie etwa in den späteren Auflagen fortgelawen? Ob Herr Ecker so uopartneiisoh, bo wahrheitsliebend und so kenntniss reich ist, als er flauben machen möchte, das wird unsere Prüfung öffentlich luoe clarius ergeben, und es wird sich *eigen, was dem Herrn ,wissenschaftliche Kritik* heisst. Auch Herr Ecker fühlte sich gemässigt, eine Art Geschichte des jüdischen Schriftthums, eine Aufsählung der Quellen des jüdischen Hechts zu geben. Hierin schon *eigt sich eine gehässige und zugleich wenig Wissen und Verstehen bekundende Weise. An die Kirchenväter und Scholastiker hätte Herr Ecker denken sollen, bevor er einige, ihm seltsam klingende Sitze des Talmud dem Lachen der urtheilslosen Menge preiagab. Uns ist die aus Erubin 21a angeführte Benehnung, wonach die Thorarolie 3200 mal so gross ist, als die ganze Welt, ein geistvolles Phantasiestück, welches die Herrschaft^des Geistes, des Gesetzes, Gottes über die Materie‘, über die Welt ausspricht. Uns sind all die Sätze, die ihm Ueberhebung der Babbinen erscheinen, Warnung vor dem Halbwissen, — vor der Keckheit, über Systeme mitsprechen, oder gar absprechen zu wollen, von denen man kaum oder allein die Grundlagen kennt. ,Die!Bibel gleicht dem Wasser.* Sie ist der Lebensslrom, der alle Mensohen trinkt. Die Mischnaal8 Wein, die Gemara als Gewürz wein sind ein Trank, der nur für Wenige, für die Gelehrten, bestimmt ist! Wenn Herr E. das nicht versteht, sich da nicht hineindenken kann — wenn er es nicht begreift, wie dem Beinen* Alles rein ist, wie die Bethär tigung der gesetzlichen Vorschriften, wie Keuschheit und Zucht auch allen natürlichen Verrichtungen das ״turpe“ nimmt, 80 haben wir dafür nur ein Achselzucken der Verwunderung- Lasse die Hand davon, wer in den Geist sich nicht hineindenken kann. Den Kundigen wird es Spass machen, zu erfahren, dass jetzt der Grund, der das Niedersohreiben der Gesetze verhindert hat, endlich entdeckt ist: ״D*88 nur wenig aufgesohrieben wurde.,- damit die übrigen Völker nicht viele Gesetze abeohreiben sollten, ist bemerkt in Tossephot zu Talmud Gittin 60b“. Es ist dies ein dem Sohemos Babba Abschnitt Ki sisso angehörender, sonst kaum bekannter Midrasch. Das ist die Tendenz: aus allen Winkeln müssen sie hergefegt werden, die entweder wirklich oder scheinbar angreifbaren Sentenzen und Worte — um ein ^Zerrbild des Judenthums zu liefern. Wir setzen dem verlorenen Midrasch die allbekannte Auslegung des Schriftverses entgegen: ״Welche der Mensch thnt und in ihnen lebt**): ״B. Meier (andere: B. Jeremias) sagt: ״Priester Leviten, Israeliten ist dabei nicht gesagt, sondern ״der Mensch*; daraus lernst Du, dass selbst der Nochri, der sich mit der Thora beschäftigt, ist, wie ein Hoherprie8ter“**) — ein Ausspruch, der nur dahin modificirt wird, dass von Anderen ihm nur der Lohn dessen zugestanden wird, der etwas thut, was ihm nicht befohlen ist, oder dass damit die sieben noachidiseben Gesetze gemeint seien. Das lehrt zugleich, wie falsch es ist, wenn Ecker mit Justus überall das ״Ihr werdet Odom genannt* anbringen will. — Der Schulchan Aruch ist ihm ein ״ Rechtscodex “***) und enthält die ״sämmtlichen noch geltenden Gesetze in übersichtlicher Darstellung*. Dass dies unrichtig ist, haben wir sattsam bewiesen. Herr E. führt die Vor- *) UL B. M. 18,5. **) Baba Kama 38a, Awoda Sara 3a, Synhedrin 59a. ***) Gildemeister: ״Der Schulehan Aruch and was daran hängt. Ein gerichtlich gefordertes Gutachten. Bonn, 1884“, nennt den Schulchan Aruch .das bindende Gesetzbuch für alle Juden“. Es ist Methode dann! rede des Josef Karo an and übersetzt sie, seiner•■ Ansicht zur Stütze. Dabei passirt es ihm, בלשון צח ובוד*ד* יפה KVL übersetzen mit ״in klarer Sprache, nur das Beste und Schönste zusammenfassend“, während es heisst ״in klarer und gut zusammenfasseuder Sprache!“ Denn der Inhalt des Schulehan Aruch ist deu Materien nach vollständig gleich dem des Tur and des Beth Joseph, nur dass die Diskussionen und die Begründungen fortgeblieben sind. Mit Unrecht wird das ה?**בה ד*ם5שה »das praktische Gesetz* so hervor gehoben. Aas dfem Jugendunterricht wird Theorie und Praxis gleich befruchtet werden. Wir halten es aufrecht:. Selbst die Verfasser des Schulchan Arnch haben nnr auch die religiösen Bechtsnormen aufnehmen gewollt, sind aber nie der Meinung gewesen, dass Alles, was sie aufgenommen haben, reohtsverbind lieh ist. Das bezeugt schon das häufige K1TM.TI,!״ בוסן הודUnd jetzt* im Gegensätze zu dem früher Gewohnten. Wir verwahren ans dagegen, dass Eiuzelmeinüngeu von ungarischen and polnischen Jaden neuesten Datums ungenirt neben talmudischen Aussprüchen, neben Sätzen anerkannter Gesetzeslehrer als massgebend für den Lehrinhalt des Judenthums hingestellt werden. Dass Goj, Nochri, Akam, Kathi Nichtjade bedeuten (von Obed—Elilim darf das nicht so ungenirt behauptet werden), dass sie auch Christen bezeichnen können, wird nicht bestritten! Dagegen ist behauptet, dass diese Ausdrücke, uad besonders Akam, in gesetzlieber Beziehung nur Heiden, und sogar nar lasterhafte, gegen Israel hasserfüllte Heiden treffen. Hiergegen beweist es niohts, dass ‘R □V Awoda Sara 7 b. Sonntag bedeutet. Es ist sogar nicht unmöglich, dass er8t später in den Manuscripten נוצרי*) ans נוכרי geworden ist. Die Lehransicht des Jadenthums wird von Babbenu Ascher (za Awoda Sara S. 5a). festgestellt, da er sagt: ״Unser Brauch ist auffallend, dass wir | ״uns nicht zurückhalten, mit ihnen am Tage ihres ״ Festes Geschäfte za machen u. s. f. Das erklärt' ״der Baschbam im Namen seines Grossvaters Raschi, ,dass die Noohrim, welche zwischen uns. sind, nicht Owde Awoda Sarah (Götzendiener) sind und nicht ״hingehen, (den Göttern) zu danken*. Dass Kreuze; and Bilder, überhaupt Alles, was göttlich verehrt wird, dem Juden, zumal nach biblischem Gesetze, des Götzendienstes verdächtig sein musste, habe ich an den einschlagenden Stellen gesagt and auf die j Verwirrung hingewiesen, in welche die Verehrung: des •inen Gottes in Verbindung mit dem Bilderdienste i die mittelalterlichen Juden stürzen musste! Das steht fest, die aus altheidnischer and besonders römischer ] Zeit stammenden Kampfgesetze haben gegen die an 1 den einen Gott Glaabenden keine Anwendung. Von des Jastus Gesetzen giebt Ecker preis (als ] erlogen, gefälscht, übertrieben und wie er sonst, stets< mit dem Mantel der Liebe es verhüllend, die Bezeichnanj gen wählt) 1, 2,**) 3***) (wo einCommentar שערי תשובה j *) Gildemeister sagt S. 10: ״Es wird gelehrt, eine Zeit I vor und nach dem Sonntag.“ — Der Mann hat die Stelle nicht I gesehen, er schreibt Anderen nach! Dort heisst es: ״Rabisj Tachlifah har Abdima im Namen Samuels sagt: ״Der erste (oder j ein) Tag (Jom echod) ist nach den Werten R. Jsmaels immec'j verboten!“ Da haben nun einige Mannscripte ״Jom Noehri*] das wäre ״der heidnische Festtag“. Andere Manuscripte lese•! ״Jom Nozri“ — der.Tag der Nazarenq:! Das^ist der ganz* j Beweis! So verfertigt man Gutachtern j **) Gildemeistor hat den Math zu sagen: ״Die böse Spitz• I die Impatation des Mordgedankens“ — als ob die Juden sich I ein Vergnügen daraus gemacht hätten, die Nicht)uden fälschlich! za beschuldigen, dass sie ihnen nach dem Laben stehen. Heitl Professor, fragen Sie doch Ihre Collegen, die Professoren ftrj Geschichte and Jurisprudenz, ob die Angst der Jaden so nnbe• 4 rechtigt war, ob der ״Mordgedanke“ nnr ״impatirt“ worden ist.׳] ***) Gildemeister thut, als oh Akum hier einen Mensches I and nioht ein Götzenbild bezeichnet«: oder? weiss der He«*I Professor es nicht besser?

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