Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 30. (24.7.1884)
- Date
- 1884-07-24
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cicero 1× ep/1024888
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— 118 —• Andern: diejenigen, welche za den niedem Schichten der Gesellschaft -gehören, am Tage Kaufleute and Arbeiter, des Abends Schäler sind, sich in Corporationen organisiren, nm das Gesetz zu stadiren und zu üben. Sie vergessen zwar aach das Hebräischq, aber nicht das Jadentham; um ihrem religiösen Bedfirfni8se zu genügen, kommt ein grosses Werk, die Uebersetzung der Bibel in’s Griechische, zum Abschluss; im Schosse der heidnischen Massen, z. B. in Antiochien, ״wo eine grosse Anzahl ihrem Cultus zagefährt wurde und einen grossen Theil ihrer Gemeinde ausmachten “; in Alexandrien, wo ״die jüdische Kirche zum grossen Theile aus Nichtjuden bestand“; in Dama8kus, wo die Frauen ״plötzlich alle als Jüdinnen sich zeigten“ — waren sie es, durch die eine brennende religiöse Propaganda entstand.*) Nun, es ist gewiss nicht die Bekehrung der niedem Klassen der Heiden, auch sind es nicht die Wühlereien der israelitischen Priester, worin der erste Ursprung des den Juden geltenden Hasses sich findet; wahrscheinlich, auch nicht die thätige politische Bolle der höhero jüdischen Klassen und der Antheil, den sie an den Streitigkeiten zwischen den Lagiden und Seleuciden nahmen: das waren zu wenig wichtige und damals zu gewöhnliche Thatsachen; vielmehr ist es die zweifache Concurrenz: im Handel und in der Wissenschaft, welche die Juden von Alexandrien ihren Mitbürgern machten. Ganz im Delta angesiedelt, waren sie die Herren der Schifffahrt; der Export des Korns und anderer Nahrungs-Produkte, die Versorgang Borns und Italiens ist fase vollständig in ihren Händen; so zu grossem materiellem Wohlstand gelangt, wenden sie sich dem Wissen zu. Ist es ein Zug der Bace oder der Erziehung — sie empfinden einen Schauder vor der Unwissenheit. Bald zeichnen sie sich ans und oultiviren mit Erfolg alle Branchen der griechischen Litteratur. ״ Sie vereinigen mit ihrem Glauben die griechische Wissenschaft, und verbinden so zum Einfluss auf die Welt zwei bis dahin getrennte Mächte: die des Glaubens und der Doctrine.**) Bestrebt, die volle Uebereinstimmung ihrer Beligion mit der Philosophie zu beweisen, verfassen die Juden griechische Werke, sie schreiben Poesien unter dem Namen des Orpheus, Phocylides, Sophocles. Sie lassen die alten Sibyllen sprechen, diese Prophetinnen der heidnischen Welt, um die Einheit Gottes und den Triumph des Monotheismus zu verkünden. Sie produciren eine bedeutende Menge apokrypher Werke. Damals hatte man noch nicht unsere Anschauungen von litterarischem Anstand; Vorspiegelungen dieser Art waren damala^gehr häufig, und später sieht man die Christen in derselben Absicht einer frommen Propaganda dieses «,erfahren fortsetzen. £8 ist klar, dass eine solche Demonstration einen directen Schlag gegen die philosophischen Schulen führte; sie musste deren Einfluss schädigen; allem an die Spitze setzte sie Moses und Plato in einem System verbunden, sie demokratisirte zugleich die Beligion und die Philosophie , und strebte jener diese zu subordiniren. Es konnte nicht ausbleiben, dass der Zorn der Sophisten mächtig hervorbrach, besonders zur Zeit, da die Juden Männer wie Philo hatten, die durch Tugend und Charakter, wie durch Talent den höchsten Bang einnahmen. Man belegte sie daher mit dem Banne der Wissenschaft; das Museum, diese berühmte Academie Alexandriens, wo alle Gelehrten und Meinungen Zutritt hatten, ihnen wurde es unerbittlich verschlossen.' Als Bepressalie gegen ihre Pseudolitteratur, wurde eine ganze Pamphlet-Litteratur *) Renan .״Das Jadentham als Race and Religion“. **) Havet. Origines da christianisme. Le Judiiisme 8. 383—385. producirt, in welcher ihre Geschiohte, ihre Lehre, ihr Cultus in gehässiger Weise verleumdet wurde: Die Galle tritt auch in die Seele der Litteraten. Diesen gehässigen Kampf führten vor allen ein stoischer Philosoph, Posidonius, ungefähr 100 v. Ch., dann Apollonius Molo, der Lehrer und Freund Cicero’s; und endlich, im Beginne der christlichen Zeitrechnung, der Bedner A p i o n. (Forts, folgt.) Judenspiegel S. 91: ״N a r wenn die Frau ״G e 1 d hat and er sie des ״Geldes willen heirathen ״will, so ist es ihm er- ״laabt and das Bethdin ״(Rabbineramt) kann es ״ihm nicht verbieten, aacb ״eine solche zu heirathen, ״mit der er keine Bänder ״mehr bekommen kann“. Justus’ Judenspiegel, beleuchtet von Dr. A. L e w i n, Coblenz. י _ (Fortsetzung.) Gesetz 100. Der Judenspiegelmacher scheint seinem Auftraggeber über die jüdischen Ehegesetze horrende Dinge vorgeschwatzt nnd grossartige, das Judenthum erniedrigende und beschimpfende Enthüllungen verheissen zu haben. Die erregten Erwartungen hat er jedoch in keiner Weise befriedigt und so — ein Königreich für eine Bestimmung, die im Eherechte Gelegenheit zum Lästern giebt! — muss der erste Abschnitt des Eben haeser dazu herhalten, die Hundert-Zahl voll zu machen. Mit welchem Erfolge wird die Vergleichung lehren! Nicht ,jeder Jude“, wie Justus schreibt, sondern ,jeder Mensch“ ist (nach dem § 1,1.) verpflichtet, Gottes Ebenbilder auf Erden zu vervielfätigen. Der angezogene Eben haeser § 1 ״Hag» 3“. ״Und in dieser Zeit pflegt man in ״solchen Dingen“ (rechtzeitiges Hei- ״rathen) ״nicht Zwang auszuüben ״and ebenso wer noch keine Kinder ״hat and eine Frau heirathen will, ,.welche keine Kinder bekommen ״kann, wie eine Unfruchtbare, za ,.Alte oder za Junge, weil er ״Lust an' ihr hat, oder ihres '״Geldes wegen, obschon man nach ״dem Gesetze hätte wehren sollen, ״pflegt man doch schon seit ״vielen Geschlechtern nicht ״genau auf die Art der Verbin־ ״düngen zu achten“. . . . Der angezogene § 2 Haga 1: ״Wer eine ihm verbotene*) Frau ״Geldes wegen heirathet, wird uc- ״würdige Kinder haben; aber ohne ״dies, a. h. wenn sie nicht zu den ״verbotenen gehört, nur dass er sie ״Geldes wegen geheirathet hat, ist ״es erlaubt“. Es sind also nicht zusammengehörende Dinge untereinander gemischt worden, um das liebliche Dekokt herzustellen. Nur weil man sich in Privatangelegenheiten seit langer Zeit nicht mischt, übt man amtlich keine Einwirkung, wenn Jemand aus irgend welchem Grunde eine Frau heirathet, die kinderlos bleiben muss. Dass es ״erlaubt“ ist, des Geldes wegen zu heirathen, will nur die talmudisohe Sentenz:**) ״Wer eine Frau des Geldes wegen heirathet, wird seiner unwürdige Kinder haben“, auf den Fall einschränken, wenn die Frau nicht zu dem Manne passt. Jedenfalls aber was im Eben haeser steht, hat der Judenspiegel nicht gesagt und was der Juden- Spiegel erzählt, steht nicht im Eben haeser. Zum Schlüsse ist uns noch ein* Knalleffect zugedacht. Der Isserles hat die Ansicht ausgesprochen, dass wenn Jemand ein Kind hat, das ein Bastard, ein oder Blödsinniger u. dergl. ist, er die Pflioht, zur Vermehrung der Menschheit beizutragen, erfüllt hat. *) Im Talmud Kidduschin 70a heisst es dafür ״eine seiner unwürdige“. **) ibid.