Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 30. (24.7.1884)
- Date
- 1884-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 50 J _ jt ■״• disehes Jahrg. ur- 1.1• Zwr BelMehtiig 111«r Jadntham aad Jade« betreffendem Mtter«riechen Er- •rhelmnmgen «uf dem Gebiete der Phileeophie, Geechlrhte» Ethnegrapbie, Theolegle» Orle&talU, Exegeee» Homiletik. Lltmrgilt, Pidmgoglk. Herausgegeben! von Rabbinejr Dr. Moritz Rahmer. 0Rag9< 24. &ui\ 1884. BiefcsrderelNsehligtgea Lftt«r.t.r, .er B^Urtlo. ■1f«u.t werde., 1. diesen Blatte el.9ehe.de Beapre^l Bel El.tend... ro. .wel B«e< Exe»plsren erfolgt ei.nallge I ßratli-l.aertlo..; reiche Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wö Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark, allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 Mark kostet] 25 Pf• tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 15 DV Buchhändler, welche direct oder durch Röbel hentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt■* gratis. — Inserat« werden mit dark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes za sende■• rt Friese in Leipzig Inserate emsenden, erhalten 25־ yt Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Ursprung Ursachen des ״Antisemitismus“. Von Astruc, Grand-Rabbin von Belgien. giiegel , beleuchtet von Dr. A. Lewin, erliner Rabbinen. Li tteratur bericht: Recensionen: Dr. Geschichte des Erziehangswesens etc. Julius Grill, Lic. de Theol.. Ephorus Seminar in Maalbronn. Notiz. — nnd geschii :1 M. E. Ar' — Ju8tU8! Coblenz. :htliche istide Juden- (Forts.) M. Güde (Schluss.) am Evang. mann. — Dr. , theol. Ursprung und geschichtliche Ursachen jdes ״Antisemitismus“.*) Von M. E. Aristide Astruc, Grand-Rabbin von Belgien. Meine Damen nnd meine Herren! loh danke dem berühmten Herrn״, Professoi unserer Versammlung hier präsidirt, für die Er! gang, die er die Güte hatte, mir za erweise! Haben ihn soeben, ׳ in einigen höchst geistr e Aperpus, den Civilstand des Wortes ״Antisemit!s Sehen hören;**) ich habe die Absicht, den Civil er Sache selbst vor ihnen zu untersuchen; ab! ]die Elemente meiner Untersuchung betrifft, es die Arbeiten unseres Präsidenten, sowie Munk, Havet, R4nan, Graetz, sowie die der der hmthi- Sie reichen u sc di ג gel0 p-, En! auf Ine sich *) Vortrag gehalten am 26. Januar a. c. in Paris in der des Etudes jaives. (Aas dem Annuaire der Sociöte übersetzt von Dr. Goldschmidt-Weilburg.) **) Professor Derenbourg hatte nämlich als Präsi der Einleitnngsrede gesagt: ״Das Wort ״Antisemitism eben so.barbarisch, als die von ihm hervorgerufenen , thätigen Thaten. Das Wort ist in den finstern nnd nebq Regionen des Nordens erfanden, es stammt ans einer naa um die Grenze zu passiren, brauchte es blos die zu verändern: ans Antisemitismus wurde Antisdmitisme der letzte Sprössling einer Wörterfamilie, die auch andern Seite des Rhein neu ist. Ein berühmter Göttinge: iessor, J. G. Eichhorn, unternahm es im Beginne dieses ,hunderte die Idiome unseres Globus unter die drei Söl Noa: Sem, Ham nnd Japhet, zu vertheüen. Indem er das 10. Cap. der Genesis stützte, schrieb er dem Sem .8prache der Hebräer, der Araber, Phönizier, Aramäer ^andern Völker, deren Sprache das Gepräge des Heb: (;trägt. Diese Sprachen nannte er die semitischen. O die Wissenschaft den Ausdruck nicht exact gefunden, ■e ihn bei, weil er bequem ist. In Frankreich verdat Wort die Ehre, in das Dictionaire der französischen Al aufgenommen zn werden, der Autorität Renan's, der 8׳ : Wundernswerthe ״Allgemeine Geschiohte d. semitischen Sp: geschrieben. Man begnügte sich mit diesem Ausdruck 'können hoffen, dass es aabei bleibt und dass zur Zei:;neuen Ausgabe des Lexicous der Akademie das Wort , ■aemitimne“, wie die Sache selbst, aus der Gesellschaft vers :1!;d£n sein wird. Der Antisemitismus wird nur eine kur״ ל ■feurige Episode der langen, schmerzlichen Geschichte re. ״Verfolgungen za bezeichnen gedient haben“. — 1i! lent J :mus stand r was sind von hrten Societe ■o 1884 m 13“ ist rewalt- (haften ,cristei, idsilbe es ist der r Pro- Jahrdes auf tu: die der ichen bgleich behielt kt das tnd irlis! kidi ׳e .n emie e befachen“ Wir einer ״Antiihwune and!ligiöaer Mitarbeiter unserer Revue, denen ich sie entnehmen werde. Ich werde demnach nur das sein, was man im Style der Journalisten einen einfachen Reporter nennt. Bei uns' ist es, wie in der Politik: die |linen. machen die Geschichte; die Andern beschränken sich darauf sie zu erzählen. — Obgleich •der Antisemitismus leider eine,- zfitgenössische Thatsache ist, wird unsere Studie doch rein historisch sein. Doch da sie 14 bis 16 Jahrhunderte umfasst, wird sie nothgedrungen flüchtig und bberflächlicL sein. Es wird sieh damit verhalten, wie mit den Aussichten, die man wahmimmt, wenn man durch ein Land in einem Zuge von grosser Geschwindigkeit fährt: nur die Hauptlinien erscheinen, die־ Einzelheiten sieht man nicht. Doch hat eine solche Skizz6 bei ihren Mängeln auch ihre Vortheile. Indem man so aus der Höhe und Feme urtheilt, gewinnt man an Unparteilichkeit. Man fühlt mehr die Wahrheit, und indem man seine Doctrin zu Ehren bringt, lässt man doch auch derjenigen, die mau bekämpft, nicht weniger Gerechtigkeit widerfahren. Es wird also hier nichts vorgebracht werden, was gegen das Christenthum, diesen ältesten Sohn der Synagoge, der — nach Mohtesquieu — oft seine Mutter geschlagen hat, einen Angriff enthält. Eine Mutter ist reich an Nachsicht und stets bereit, zu verzeihen. L Um den entferntesten Ursprung dieser Erscheinung, die 80 ungenau Antisemitismus genannt wird —. ungenau, denn er ist nicht gegen die ganze semitische Race, sondern nur gegen die Hebräer allein gerichtet — zu finden, müssen wir bis .auf2 ׳ Jahrhunderte vor der gewöhnlichen Zeitrechnung zurücksteigen. — Die Nachfolger Alexanders des Grossen, in dem Wunsche, die durch den macedonischen Eroberer und sie selbst gegründeten Städte zu bevölkern, hatten den Juden, die sich darin niederzulassen beabsichtigten, dieselben Rechte als den Griechen eingeranmt. Bald wurde auch ihr Hof von distinguirten Juden bevölkert und die neuen Städte rasch von Ansammlungen mächtiger Juden erfüllt. Eine ganze Welt von jüdischen Priestem, Finanz-Einnehmern und Feldherm, ganz besonders mit Politik und Hofintriguen sich befassend, floss dort zusammen, nicht minder auch ein ganzes Volk Kaufleute, Rheder, und thätiger Handwerker, die fleissig, unermüdlich, sehr geschickt in ihrem Fache waren. In dieser vollständig griechischen Umgebung wurde alles, Hofleute wie Arbeiter, rapide hellenisirt. Aber während die Einen, selbst die Priester, alle Concessionen machen und jeden Verrath an der Religion begehen, sieht man auf der andern Seite die