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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-06-06 · No. 23. (6.6.1884) · p. Seite 91

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 23. (6.6.1884)
Date
1884-06-06
Page
Seite 91 (sequence 5)
Language
German
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liehen Einflüsse des herrschenden Volkes eine trostlose Gestalt angenommen zu haben. Nehemia, ein Mann voll Thatkrafö und Liebe zu seinem Volke, kämpft gegen dieselben mit einer gewissen Erbitterung und mit Einsetzung seines ganzen Ansehens an.;״Und mein Herz ward übermannt und ich schalt die Vornehmen und Vorsteher.Wucher treibt Ihr Einer mit dem Andern.“ (Neh. 5,|.) In grossmüthiger Weise ging er mit dem Beispiel des Schuldenerlasses voran, die andern Gläubiger zur Nachahmung ermahnend: ״.Erlassen wir ihneu doch dieses Darlehn! Gebet ihnen noch heute ihre Felder, ihre Weinberge.zurück“. (Das. 16—12.) In dem fragmentarischen Buche des ״Predigers“ begegnen wir drastischen Zeichnungen eines in sepnöden Egoismus ausgearteten Wirthschaftslebens. Mit beissender Ironie, hinter welcher sich tiefer Ernst desjWeltweisen und die ganze Wehmuth des Weltschmerzes bergen, schildert er das Treiben der Menschen,; ihren unstillbaren Wetteifer im Erwerben und Erhäschen von Glücksgütern (C. 41 V. 4). Wie die Weisheit nur zum Mittel herabgewürdigt wurde, um hierdurch Besitzthümer und Lebensunterhalt zu erlanget! (Das. 7,12), und wie das Geld in allen Lebensverhältnissen seine siegende Macht bewährt (Das. 10,17). j R. Justus’ Judenspiegel,! beleuchtet von Dr. A. Lewin, Coblenz.!!Fortsetzung.) j Gesetz 7(>. 78. 80. Dem Juden ist es verboten, •sein Kind,einer ״christlichen Lehranstalt“ oderj einem christlichen Meister“ anzuvertrauen u. s. f.; jer soll sich von einem Arzt oder Apotheker, der ״ein Akum (Christ) ist“, nicht unentgeltlich heilen und von ^einem Akum (Christ)“ sich nicht das Haar schneiden!lassen. Dies sind lauter Vorschriften, sich vor Lebensgefahr zu schützen, da vom Talmud angenommen wurde, djass die Heiden (Römer) den Juden naoh dem Leben tracjhteten, oder, unkeusch und lasterhaft, Körper und Seele des ihnen anvertrauten jugendlichen Menschen ruiniren würden. — Weder der Talmud, noch der Schulchan j Aruch ”hat die Keckheit, die ״Christen“ so mordsüchtig und so thierisch roh zu nennen. Dies Compliment danken sie ihrem neuen Glaubensgenossen. Wo aber die Zustände so sind, wie sie der Talmud malt, wo ״ kaum eine kriegsgefangene Frau ungesclhändet blieb“, wo der Jude befürchteh musste, dass sein Begleiter ihn hinterrücks in einen Abgrund Stürzen würde*) — und die Schüler der Rohling und Stoecker scheinen nicht nur in Russland und Rumänien diese Aera der Gesittung wieder herbeiführen zu wollen — da wird der Jude wieder auf diese alten Vofsichtsrufe hören! Denn der Gefahr aus dem Wege :gehen, -ist doch kein Verbrechen? Gesetz 77. Dass eine Jüdin ein heidnisches (denn ״christlich“ ist nur Justus’ unerwiesene Behauptung) Kind nicht säugen darf,**) ausser wenn die Fülle der Milch ihr Schmerzen bereitet, ist noch lange nicht so schlimm, wie die noch heute bestehenden Verbote christlicher Staaten und Religionsbekenntnisse, dass Christen nicht bei Juden im Dienste sein upd ihre Kinder nicht säugen dürfen, selbst in dem Falle nicht, Wo sie sich damit gut thun. I Dasselbe dürfte auch darüber zu sagen seip, dass der Jude den Akum kein Handwerk lehrep soll. Selbst, wenn es — was nicht klar ist — im;Mittelalter befolgt worden seir^ sollte, dann war es nur der *) Dies führt der ״Judenspiegel“ S. 78 selbst an. j **) Der Talmud sagt,) weil sie das Kind dem Glotzen- •dienst grosszieht! j Gegengruss dazu, dass keine Innung einen Judep aufnahm — der Jude durchaus nur ״Schacherer“ seih sollte! Damals hätte es ja geheissen, einen Selbst[• mord begehen, wenn der Jude das Gewerbe, welche• er allein verstand, einen Nichtjuden gelehrt hättet Denn dann wäre dem Juden die Ausübung diese• Gewerbes schleunigst verboten worden. Gesetz 79. Judenspiegel S. 79: ״unerlaubt bleibt es ״auch in diesem Falle, ״von etwas zu seiner Hei- ״ lung Gebrauch zu machen, ״welches dem (im Sinne ״der Juden! Alleranreln- ״steil, nämlich einer ״christlichen Kirche, an. ״gehört.“ Der angeführte § 155,Haga3i ״Es ist erlaubt, einen Warm odek ״etwas anderes Verbotenes (״o s s a r“i ״nicht ״tomeh“!) zu verbrennenuap ״es zar Heilung zu essen, selbst ״für einen nicht in Lebensgefahr] ״befindlichen Kranken, ausser Holz{ ״des Götzenbildes (Aze Akum) ן I)er Tur hat an derselben Stella:! ״ausser vom Holze des Elil1 ״(Götzen).“ Der Talmud, aus welchem beide Angaben herstammen, hat (Pessachim 25 a) ״Mit Allem heilt man, wo Gefahr ist, ausser mit dem Holze der Aschera!“ Christen, bedankt Euch bei Eurem frischgebaokenen Glaubensgenossen, dass er Eure Ifirchen und Heiligthümer in solch’ unsaubere Gesellschaft versetzt! Gesetz 81. Schrecklich dick gedruckt:• ״Der ״Jude ist nicht verpflichtet, einen Akum (Christen) ״mit dem er in Frieden lebt, direkt totzuschlagen, doch ist es ihm strenge verboten, selbst einen solchen ״Akum (Christen) vom Tode zu retten, z. B. wenn ״derselbe ins Wasser gefallen wäre, und wenn er ihm ״auch sein ganzes Vermögen für die Rettung verspräche.44 Puh — das gruselt! Leider stimmt’s nicht. Damit der vernünftige Leser nicht stutzig werde, hat der wahrheitsliebende Dr. Justus es weggelassen, dass die ״Akum, die mit uns keinen Krieg führen“ hierin gleichgestellt wurden ״mit den israelitischem Kleinviehhirten in Palästina z. Z. dass di® meisten Felderlsraelitengehörtenund ihresgle ich en.“ Also nicht von Christen, vielweniger von Christen, mit denen man in Frieden lebt, ist hier die Rede, sondern von schlechten, lasterhaften Subjekten, wie denn auch der Beth Jossef zum Tor*) und ebenso Sifre Kohen bemerkt, dass nur von den Heiden die Rede ist, welche .die 7 noachidischen Gebote verletzen und verleugnen. Daneben ist es nur eine kleine Lüge, wenn der Judenspiegel, ״auch wenn er ihm Lohn giebt* durch den Passus vom Vermögen übersetzt. Dass das Verbot, zu heilen, sich nicht auf gesetzlich lebende Heiden, und noch weniger auf Christen und Mohammedaner bezieht, dafür ist die überreiche Zahl jüdischer Aerzte, und zumal solcher, die zugleich Rabbiner waren, durch das ganze Mittelalter und ihre Beliebtheit bei Hoch und Niedrig der beste Belege Justus' S. 81: § 158, 1: ״Einem Juden ist es ferner erlaubt. Und ebenso ist es erlaubt, ״an einem Akum (Christen) zu ein Heilmittel an einem ״prüfen, ob ein Arzneimittel gesund- Akum zu versuchen, ob ״heitbringend oder tätlich sei.“ es nützt! Welche Gemeinheit, hier ״tödtlich“ einzaschmuggelnl Auch die ״Mumrim“, welche Bezeichnung Justus auf sich bezieht, obschon dabei die Erklärnng steht ״die sich selbst zuwenden dem Akum i. e. dem Götzen, darf man nicht ״todt s cblagen“, sondern man sucht, sie niedrig zu halten. Verachtung, Ekel und Abscheu ist eben zu-allen Zeiten der wohlverdiente Lohn gemeiner Ueberläufer! Wir heben noohmals hervor, dass das von Justus stets mit ״Christen“ übersetzte Akum in diesem Paragraphen mehrmals ״Götze und Götzenbild“ bedeutet. _ (Fortsetzung folgt.) *) An derselben Stelle .158.

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