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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-06-06 · No. 23. (6.6.1884) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 23. (6.6.1884)
Date
1884-06-06
Page
Seite 90 (sequence 4)
Language
German
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inniges, je mehr er sich der Gianzhöhe seines Bahmes nähert. Neben der begreiflichen Zersplitterung jedoch, die sein völliges Aufgehen in den Gesammtinteressen des Vaterlandes nothwendig bedingte, dürfte auch der Umstand beigetragen haben, sein tief eingewurzeltes Interesse für das Judenthum abzuschwächen oder doch abzukühlen, dass das Judenthum seiner nicht so sehr bedurfte, da die völlige Gleichstellung Jahrzehnte lang, zumal während Auerbachs Glanzperiode, weder angetastet, noch auch irgendwie in Frage gestellt wurde. Diese Thatsache wird um so klarer, je nachdrücklicher und glühender er im letzten Jahrzehnt für sein Judenthum zu einer Zeit eingetreten ist, da schnöde Scheelsucht und fanatischer Aberwitz seine angestammte Beligion verunglimpften und verleumdeten. Es empfiehlt sich daher, den zu behandelnden Stoff dergestalt zu gruppiren, dass wir zunächst die in Bezug auf das Judenthum beziehungsreichste Periode 1830—1849 behandeln, alsdann in knappen Umrissen die dichterisch bedeutsamste Zeit 1850—1870 betrachten und endlich den in seinen Ursachen unerquicklichen, aber in seinen Folgen erhebenden Umschwung zu Gunsten des Judenthums von 1870—1882 kennzeichnen. Als charakteristisches Merkmal für alle Perioden möchten wir indess als quinta essentia zusammenfassen und festhalten, dass der Grundzug seines Wesens und das Leitmotiv seines Handelns der Jude, in ihm war! Aus dem socialen Leben im jüdischen Alterthum. (Schluss.) Endlich sei noch des Zinsverbotes und der Schuldveijährung (Erlassjahr) erwähnt. Beide waren wirksame Mittel gegen die Schuldanhäufung und die damit verbundene Zerrüttung der Schuldner. Die ursprünglichen Formen des ökonomischen Lebens mussten im Verlaufe der Zeit in dem Masse Veränderungen erleiden, als die Israeliten. entgegen, der Grundidee, worauf die mosaische Schöpfung beruhte, mit den sie umgebenden Völkerschaften in nähere Beziehungen traten. Gleichwohl haben diese Veränderungen nur die äussere Verzweigung der Volkswirthschaft zu erfassen vermocht; denn die Wurzel derselben: das agriculturelle Lebensprincip des Staates, hielt während der ganzen Dauer seines Bestandes allen auswärtigen Einflüssen Stand, und der Ackerbau blieb dem jüdischen Volke Erwerbs- und Lebensquelle aach dann, als sie den heimathlichen Boden verlassen und in die Gefangenschaft ziehen mussten. Dies bezeugen mehrere Stellen im Jeremia. Die Vermuthung spricht dafür, dass unter der Begierung Salomo’8 auch die ״ Geld wirthschaft “ bei dem jüdischen Volke Eingang gefunden hat. Begünstigt und gefördert wurde dieselbe durch die Anknüpfungen von Handelsbeziehungen mit den benachbarten Völkern, besonders mit den Phöniziern. Diese Handelsbeziehungen hatten auch zur Folge, dass, namentlich die Hauptstadt, mit Edelmetallen förmlich überfluthet ward. (״Silber war־ für nichts geachtet in den Tagen Salomo’8, “ Kön. I, 10,2.) Es liegt leider in der Natur aller irdischen Dinge, dass der Gipfelpunkt des Aufsteigens auch der Anfangspunkt des Niederganges ist und dass auf die Küthe das Welken folgt. Unter Salomo erstieg das Reich den Zenith seines Glanzes und seiner Macht. Auch der Ackerbau florirte und der Wohlstand scheint ein allgemeiner gewesen zu sein (Das. 5,5). Von dem Aufblühen des Ackerbaues giebt der Umstand Zengniss, dass trotz der stark zugenommenen Bevölkerung (״Juda und Israel waren wie der Sand, der am Meere ist, an Menge“ (Das. 7,20) grosse Mengen an Bodenerzeugnissen an Ausländer abgegeben werden konnten. (״Und Salomo gab dem Hiram zwanzig Tausend Cor Weizen .... also gab Salomo dem Hiram Jahr für Jahr . . . .“ (Das. 5.25.), was einen grossen Ueberfluss voraussetzt. Dieser allgemeine Wohlstand aber scheint gegen Ende der salomonischen Regierung abgenommen zu haben. In der darauf folgenden Zeit dürfte sowohl ira Reiche Juda als auch im Reiche Israel sich allmälig ein Besitzadel herausgebildet haben.*) Unter Ahab sehen wir bereits förmliche Adelsprädicate auftauchen. Denn die Bezeichnung: חור״ם (Freiherrn, Edle; kommt zum erstenmal unter diesem Herrscher vor, während in der frühem Periode den Vornehmen des Volkes nur das patriarchalische Epitheton: זקנים (Aelteste) beigelegt zu werden pflegte. In ganz vorgerückter Zeit aber, nämlich knapp vor dem Untergang des Reiches begegnen wir der ungeschminkten Nennung eines Proletariats: 17דלת עם ד,או־" (Kön. II 24,14). Merkwürdig ist der Umstand auch, dass trotz des Eindringens der ״Geldwirthschaft“ in das Wirthschaftsleben des jüdischen Volkes die üblichen Consequenzen hievon, nämlich die Belebung und Ausbreituag des Handels ausblieben. Der Handel hat überhaupt bei diesem Volke nie festen Fuss fassen können. Der ganze Verkehr desselben beschränkte sich blos auf die Ausfuhr überflüssiger Bodenerzeugnisse (Ezech. 27,27). Der auf eigentlichen Gelderwerb gerichtete Handel aber, wie solcher von den Phöniziern cnltivirt wurde, war von demselben tief verabscheut (cfr. Jes. 23, 15—17, Hos. 12,8). Auch Israel hatte seine Gracchen, seine Lassalle’s, welche gegen die wirtschaftliche Corruption muthig ankämpften und der Sache der ״Enterbten“ das Wort redeten. Es möge uns gestattet sein, hier einige darauf bezügliche Stellen aus den Propheten zu citiren: ״Darum weil Ihr den Armen zertretet und ״Kornabgaben von ihm erpresset: Habt Ihr Häuser ״aus Quadern gebaut, sollt Ihr sie nicht bewohnen . ...“ (Amos 5.11). Besonders eifert der grosse, sprachgewaltige Jesaias gegen die Ausbeutung der ärmeren Klassen durch die Reichen und Vornehmen: ״Der ״Ewige geht ins Gericht mit den Aeltesten seines ״Volkes. Warum zermalmet Ihr mein Volk, zermahlet das Angesicht dar Armen“. Ferner gegen die Ausartung des Luxus und der Verfeinerung: ״Und ״der Ewige spricht, dieweil hoffärtig sind die Töchter Zions.An jenem Tage schafft der Herr hinweg; die Pracht der Fussspangen .... (Jes. 14, 15, 16, 18).**) j In noch beredter Weise tritt dieser Prophet gegen die Besitzer von Latifundien und grossen Häuser-Camplexen auf. ״Weh’ denen die reihen Haus an Haus, Feld an Feld fügen bis kein Raum mehr ist und Ihr Euch allein wohnend machet im Lande. (Das. 8,8). Während des babylonischen Exils scheinen die socialen Zustände der Israeliten , unter dem verderb- *) In dem Spr. Sal. finden sich Andeutungen, wie Reich] und Arm in grellen Contrast traten: ] ״Des Reichen Fülle ist seine feste Burg, j ״Der Dilrft’gen Schrecken ist ihre Armuth“ (Spr. 10,15.)] und wie sich das Geldprotzenthum breitmachte: | ״Flehend spricht der Arme, ] ״Der Reiche antwortet hart“. (Das. 18,23!)] **) Dass unter dem Ausdrucke כנות ציק nur die Töchter j der Adeligen gemeint sind, unterliegt keinem Zweifel, er iÄj der Phrase לני צי ק היקרים analog. ‘1

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