Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-05-29 · No. 22. (29.5.1884) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 22. (29.5.1884)
Date
1884-05-29
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492408-6488249-8756129--0402-4855760
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

,ui’ww'sy ׳ ■y j wiuiw» w. 1.4 ji jiff-11! 4 י — 87 — angeführt, wie es geschehen kann, ohne den Anbtand zu verletzen, fügt er, was Jnstns nicht mehr| an- •führt, hinzu: Einige erleichtern, weil es begannt ist, dass auch die Akum nicht dem Kreuze, sohdem dem Fürsten ihre Verehrung bezeugen. Dass die Christen dem Halbmonde, die Mohammedaner] und Juden dem Kreuze, alle Einheitsgläubigen den Symbolen heidnischer Gälte keine grosse Verehrung bezeugen und nicht sehr nach der Gelegenheit geizen, wo sie diesen Sinnbildern einer verschiedenen Auffassung der Gottheit ihre Reverenz machen djürfen, ist Thatsache. Mehr aber enthält diese Stelle des Isserles auch nicht. Gesetz 72. ״Es ist verboten, in einem von Juden bewohnten Stadtviertel Häuser an die Akum (Christen) zu vermiethen oder zu verkaufen “ u. s. w. Verordnungen über Vermiethen an Heiden, aus der Mischna*) übernommen, und vielleicht im Mittelalter, bei den knapp und eng zugewiesenen Wohnungen inUebung geblieben. Aber die talmudische Begründung wegen der Götterbilder war auf Christen doch nicht anwendbar.! Das beeilt sich Isserles zu sagen. Im Judenspiegel aber wird daraus der Unsinn: ״weil die Akum (Christen) darin ihre Götzen hätten, jetzt aber, wo dieses; nicht mehr der Fall sei“ u. s. w. Gesetz 73. 74. Einem Akum soll man Nichts schenken, ausser um Feindschaft zu vermeiden!; auch 8011 man sie nicht loben. — Es sind Kampfgejsetze, welche das biblische: Du sollst sie nicht begünstigen**) in mannigfacher Weise zur Grundlage nehmen, die aber nur im Kriegszustände gegen die heiuluiscue Welt — und auch damals wohl mehr in der Theorie, als in der Praxis — festgehalten worden sind. Ohne uns auf die Uebersetzung von Akum mit Christen!weiter einzulassen, haben wir hier nur zwei kleine Gemeinheiten zu verzeichnen: Es ist verboten dem ״unbekannten“ Akum ein Geschenk ohne jede Veranlassung zu machen (so lautet der, einer Boraita***) entlehnte Wortlaut} — das ״unbekannte“ und ״ohne jede Veranlassung“•)•) lässt der Judenspiegel fort, während er hinzusetzt: ״damit ״die Akum (Christen) glauben möchten, die ״Juden seien gute Freunde von ihneji, in- ״dem sie doch Theilnahme zeigten“.;Davon steht kein Buchstabe da, und 8011 es eine Umschreibung des ״wegen der Wege des Friedens “ff) sein, so hätte es doch als solche angedeutet sein müssen und wäre falsch, da das sicher nicht den herrlichen Sinn! dieses Grundsatzes wiedergiebt, dass das Zusammenleben von Angehörigen verschiedener Religionen und Völker ermöglicht und verschönt. Der Jude darf Gott loben ״wegen der Schönheit eines Thieres und auch eines Akums (Christen)“ heisst’s im JudenspiegeL Hier ist die Lüge schon durch die Umstellung gesagt, denn Orach Chajim 225,10 lautet es ״Wer gute Bäume und schöne Geschöpfe, sogar Akum oder Thiere, sieht, spricht den Segen u. s. £“ Das ist aus dem Talmudfff) hergenommen, heisst also in unsere Sprache übersetzt, sogar einen gehassten!,sind und Götzendiener oder ein Thier. Zudem stammt es aus einer Zeit, wo es noch nicht so schändend war, neben Thieren genannt zu werden, wie die Bibel an der bekannten Stelle sagt: ״dem Hunde sollt; ihr es hinwerfen oder dem Nochri verkaufen“. II. B. Mt 22,30. -- . i *) Awoda Sara 21 a. **) V. B. M. 7, 2. ***) L 1. 20 a.! t) Scheeno mackiro und chinnom. tf) Mipne Darke Scholom. ttf) Berachoth 56. Die hasserfüllte heilige Schrift wird doch Justus nicht der Verachtung preisgeben wollen?*) Gesetz 75. Das Verbot am Hochzeitsmahle eines Akum theilzunehmen, wird mit dem Schrift worte: ״Du sollst nicht von seinem Opfer ■essen“**) begründet. Damit ist die Ausdehnung auf die Volk et, welche keine Opfer bringen, als unberechtigt dargethan. _ (Fortsetzung folgt.) Recensionen. Brauchen die Juden ChristenMutt Ein offenes Wort an denkende Christen von Dr. Alois Müller, k. k. Universitäts-Bibliothekar in Graz — (ad perpetuam rei memoriam). Wien. Verlag von Oscar Frank (1884. 1 Bogen Lexf.) Es ist nicht angenehm für uns Juden, dass wohlmeinende Christen sich gedrungen fühlen, uns das Zeugniss auszustellen, dass wir keine Mörder und Kannibalen sind. Aber eine Schande ist es für unsere Zeit, dass dies nöthig ist! Ehre jedoch den gläubigen Christen, die der Wahrheit die Ehre geben, die es in der klaren und umfassenden Weise thun, wie das im vorliegenden Schriftchen der Fall ist. Gründlich, nicht mehr viel-, sondern schon fast allseitig ist die Frage motivirt und die Antwort ist — die Verurtheilung der Ankläger. Zuletzt constatirt Herr Dr. Müller die Autenticitaet des Veit’schen Schwures und weist aut das Zeugniss des getauften Alois v. Sonnenfels, des Sohnes des Berliner Rabbiners Rabbi Michel Chassid, hin. Bibel und Talmud, Sohar und mündliche Ueberlieferung sind entlastet. Die Unmöglichkeit, die grässliehe Anschuldigung zu beglaubigen, ist erwiesen. Wie solche Anklagen auftauchen, das wird an der gleichen Anschuldigung des Christenthums^ dargethan. Und doch — der Unsinn ist unsterblich! L. Zeitschrift für Keilschriftforschung und verwandte Gebiete unter Mitwirkung der Herren A. Amiand und E. Babeion in Paris, G. Lyon in Cambridge. Mass. und Theo. G. Pinches in London. Herausgegeben von Carl Bezold und Fritz Hommel, Privatdozenten an der Universität München. 1. Band. Januar 1884. 1. Heft. ' Der Inhalt der neu gegründeten Zeitschrift für Keilschriftforschung, deren Redaction von den ehrenvoll bekannten Forschern Bezold und Hommel geleitet wird, ist ein reichhaltiger und weist recht interessante Ergebnisse gründlicher Forschungen auf dem genannten Gebiete auf. Die Streitfrage über die Entstehung des persischen Keilschrift - Alphab e ts wird von Oppert und Sayce nach verschiedenen Gesichtspunkten hin beleuchtet und' sind die Gründe für die von ihnen ausgesprochenen Theorien beachtenswerth. Es scheint in der Oppert’schen Ansicht aber mehr Folgerichtiges zu liegen. Von ganz besonderer Bedeutung ist eine Kaufurkunde, welche Oppert bespricht und die durch den gelehrten und besonders in arithmetischen Verhältnissen scharfsinnigen Assyriologen beleuchtet wird. Schräder und B. Guyard be- *) In Rodkinsohn’s לבקר משפט ist mit Recht hervorgehoben, wie wenig anstössig es den Alten erschien, auch die Namen der Verehrtesten in eine Kategorie mit Thieren zu setzen, oder sie mit solchen zu vergleichen. Ausser den unzähligen Bibelstellen (z. B. die Segnungen Jacob’s und Mosis) möge dies die Talmudstelle Pessachim 113b. beweisen: Drei hassen sich: die Hunde, die Hähne, die Genossen .... und Einige sagen: auch die Gelehrten in Babylonien. **) fl. B. M. 34, 15,16.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.