Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 21. (22.5.1844)
- Date
- 1844-05-22
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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— 83 — Zü8atz ,aber ohne dass es ihm etwas kostet“. Das ist ebenso wahr, wie geistreich. Gesetz 63. Dass es den Juden erlaubt ist, zu Kirohenkollekten beizusteuem, zeigt die Praxis auch da, wo der Staat nicht die Verwaltung hat. Gesetz 64. Grossgedruckt. Also sicher eine Gemeinheit, von der man sich eine bedeutende Ein- Wirkung verspricht. 146,*) 14. 15 heisst es: Es ist eine religiöse Pflicht, für jeden, der Götzenbilder (Elilim) findet, dass er sie fortscbaät und vernichtet, und zwar, indem er sie zerstückelt und in alle Winde oder in’8 Meer wirft.**) (Und das findet Anwendung auf alles dazu Gehörige und dafür Gemachte, weil es in der Bibel***) heisst: Ihr sollt vernichten alle Orte). Die Götzen 8011 man gründlich ausrotten, und innen schändende Namen beilegen.•}־) — Für diese Bestimmungen ist die heilige Schrift verantwortlich zu machen. Ausdrücklich brauchen Talmud und Schulchan Aruch die b i b 1. Bezeichnungen: Aschera, Misbeach (Altar) und spreohen von einer aus einem Stück Felsen bestehenden Opferstelle (Bomos). Das ist für Justus ״christliche Kirche“, die der Jude nebst allem Zubehör ״verbrennen, zu Grunde richten, auszuijotten und ihr einen Schimpfnamen zu gebeh“ verpflichtet sei!“ (Fortsetzung!folgt.) Die Synagogen der Talmudzeit. (Fortsetzung.) Eine Agada, deren Sinn, 80 viel ich weissj bisher darum noch nicht genau erfasst worden, vfeil den Auslegern entgangen war, dass sie von dem Uiüstande ausgegangen, dass die Synagogen auf dem freien Felde sich befanden, bietet Jer. Sukka 4,3 folio 541,c. Es werden daselbst die Aussprüche mehrerer Agadisten angeführt, welche sämmtlich dem einen '^danken Ausdruck geben, dass die Offenbarung des Walters der göttlichen Vorsehung und Herrlichkeit rriifc den Geschicken Israels, des Trägers der Lehre des allwaltenden Gottes eng verknüpft sei; wenn Israel bedrängt werde, so sei dies gleichsam eine Beschränkung der sichtbaren Einwirkung Gottes auf die Wtelt der Erscheinung, wo immerhin Israel weile, da wähle sich die Gottheit die Stätte ihrer Heilsoffenbarung. Jeder einzelne Agadist knüpft diesen einen Gedanken an einen andern Schriftvers an, und O. Sik^i oder B. Sibaifff) geht von dem Ausspruche des Propheten Micha 4,10 aus, indem er in homiletisch-freier Weise ושבנת in ושכינתי umdeutet: כי אתה תצאי מקדיר, ושכבת ״ .בשדה ושכינתי בשדהWenn Du, Tochter Zions (Gemeinde *) Nicht 149. | **) Wie Moses es mit dem goldenen Kalbe gethian hat. ***) cfr. V. B. Mos. 7,5 12, 2, 3. T t) H. B. M. 23, 24. V. B. M. 7,24. ff) Der Talmud Awoda Sarah p. 45 b und 46 a kennt als Beispiel: Statt ״Königsantlitz“ ״Hundeantlitz“. Die biblischen Namen ״Jschboscheth“ (Mann der Schande) statt Jichbaal“. ״Mephiboseheth“ statt ״Mephibaal“ zeigen, wie dieses Gebot aufgefasst worden ist tft) Die Krotoschiner Ausgabe liest: 'ר' ז*כי:' dieselbe Leseart hat auch das Compendium der Agadoth aus dem jerus. Talmud von N. Ch. Lewin: בנין ירושלום ed Warschau 5624— 1364. Dagegen liest man im יפה מראה ed. Amsterdam 5437= 1727 : ר, דביי ebenso מנחת שי zu Micha 1. c. ed. Warsc lau 1876. lh den Nomenclaturen Heüprin’s und Saccuto’s wird we der זיכ*י noch ויביי aufgeführt, ebensowenig wird weder das £ me noch das Andere bei Frankel Einleit in aen jerus. Talmud a!geführt Meines Erachtens dürfte die Leseart: יכיי) die richtigere sein. זכאי .=־ (כיי ויכ*י B• Sakkai war Schüler des R. Simon b. Jochai und Genosse von R. Eleasar b. Simon und Ratb. Simon b. Gamliel, des Vaters des Patriarchen Juda I (Vgl. Heilprin bed. Had. s. v.) lebte also um die Mitte des!weiten Jahrhundert@ ü. Z., um welche Zeit den Jut en bei lodesatrafe verboten war, Jerusalem zu betreten. V"1 Grat« XSf i Note 17, S, 462 fL Israels) auch aus der Stadt, wo der Gottestempel gestanden hatte, herausgehen musstest und nun aie Stätten Deiner Andacht auf freiem Felde errichtest; so weilt in letzteren ebenso die Herrlichkeit (Schechina) Gottes, wie sie ehedem im Moriatempel geweilt hatte“. Der Agadist scheint in einer Zeit gelebt zn haben, in welcher den Juden das Betreten der Gottesstadt verboten war und er tröstete seine Zuhörer, indem er ihnen zuruft: seid ihr auch aus der Gottes stadt verwiesen, so habt ihr doch euere Gottes Stätten, euere Synagogen, auf dem Felde, wo die Schechina gleichfalls weilet, und seid -daher nioht von Gott verlassen. Eine andere geographische und geschichtliche Umgebung, aber gleichfalls die auf dem. freien Felde befindlichen Synagogen setzt eine andere Agada voraus, der es um die Verherrlichung der babylonischen Hochschulen zu thun ist und welche gleichfalls den fraglichen Vers des Propheten Micha verwerthet mit dem einzigen Unterschiede, dass sie das fragliche Wort: 2 ושכנת. pers. fern, nicht in das Hauptwort שכינה, sondern blos in 1 ושכנתי. pers. c. umändert. Dieselbe ist im Midrasch Tanchuma, Abschn. Noah *) erhalten und hatte ursprünglich den Zweck, die Zuhörer zu veranlassen, dem 'Exilsfürsten ihre Huldigung darzubringen. Dieser Huldigungsakt des Besch Galutha fand alljährlich am 3. Sabbath nach dem Sukkothfeste, am Sabbath Parschath לך ל זי statt, und es ist darum höchst wahrscheinlich, dass am voraufgehenden Sabbathe, Parschath נה, in allen babylonischen Synagogen in den gotteedienstlichen Vorträgen über die Bedeutung dieses Huldigungsaktes gesprochen war, um die Zuhörer zur möglichst zahlreichen BetheiHgung an diesem Hnldigungsakte zu veranlassen. Dass die Beziehung der besprochenen Agadoth zu den auf dem freien Felde gelegenen Synagogen nicht erkannt worden war, hat wohl der Umstand mit verursacht, dass von anderer Seite*) der fragliche Prophetenspruch in Verbindung gesetzt worden war mit einer' Agada, welche die bereits in Daniel 6, 11 angedeutete Sitte, ‘ das Gebet mit gegen Jerusalem gewendetem Angesichte zu verrichten, zur Voraussetzung hat. Eine andere Agada, welche gleichfalls auf dem Umstande beruht, dass die Synagogen in der talmudischen Zeit auf dem freien Felde gelegen hatten, bietet die Mechilta zu IL. M. 12.1 ed. Fried. S. 1 b. Aus den scheinbar**) überflüssigen zwei Worten: *) ed. Stottin S. 30—42; ed. Ven. folio 4d—5 b. Anstatt: שאדם נולה lese ich mit מנחת שי l l שאתה גוליה. **) Grätz IV 2 Seite 379; V2 Seite 128. Nur so dürfte es sich erklären lassen,' dass dieses Stück, welches mit dem Wochenabschnitte נח in gar keiner Verbindung steht, daselbst eingefügt worden. Ausser den Parallelen, die Zunz (Gottesd. Vorträge S. 225 Anm. 2. heranzieht) und Gittin 88 a. worauf SondlTl c. hinweist, sind noch besonders zu vergleichen: Kethubothfolio 111a: אמר אביי נקטינק בבל לא חזיאחבלי דמשיח und Megilla folio 29 a über das Weilen der Sohechina in den Synagogen Babylons. Anstatt: אמר אביי בבי כנישתא דהוצל ובבי כנישתא דשף דתיב בנהרדעא hat, was Rabbmovitz a. 1. entgangen, Abr. ben Jizchak im אשכול ed. B. H. Auerbach Th. 3. S. 133 die interessante Leseart: רב אמר בכנישתא,דהוצל ושמואל אמר בכנישתא דשף ויתיב בנהרדצא. ***) Medr. Tanchuma Abschn. רשלח ed. Stettin S. 112; ed.. Ven. folio 16 d; Medr. z. Psalm 11,4 ed. Warschau 1865 3-37a; .Talkut Schim. zu Micha L c- und Psalm 1. c. t) Chiskuni a. 1. macht die richtige Bemerkung ״im Lande Mizzaim“ sei hier hervorgehoben im Gegensätze ״zur Wüste Sinai“ und ״zu dem Stiftszelt“ wo die übrigen Ge- und Verbote ertheilt worden waren! . Derselbe giebt auch die richtigste Erklärung, warum Moses zu Pharao sagte: Nachdem ler, Moses, aus der Stadt auf das freie Feld hinaus gegangen shin werde, wolle er zn Gott beten. Weü er, Moses, (Vys 1») gedjjoht hatte: Allee, selbst Menschen, di« auf dem Felde, •ich befindet■. werden