Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 19. (8.5.1884)
- Date
- 1884-05-08
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
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Wesen dem nnkeascheti Wüstling zu entreisseh, im »ussersten Nothfalle durch das Tödten dieses Menschen! Drittens: Den wie Simri*) Handelnden darf man in der Weise bestrafen, wie es Pinehas gethan hatj! Also d. h : Um Keuschheit und Leben zu regten, darf man Leben vernichten! Das ist ein Rechtsgrundgatz, dessen sich kein Gesetz zu schämen hat, den kein Gesetz entbehren kann. Doch nun kommt das dick Gedruckte: Kampfgesetze gegen di4 Abtrünnigen aus Israels Mitte, welche zu Delatoren wurden und den heidnischen Machthabern zeigten, wo die Juden am sichersten und schmerzlichsten getroffen werden konnten. Diese ״ Epikorssim “ , (Epikuraeer) und Gottesleugner, von welchen uns der Talmud in Elisa ben Abuja ein Exemplar schildert, suchte man fortzuschaffen. Er hat hundertfach den Tod verdient, so wird es stets wieder in kampfeiTegten Zeiten von dem Verräther heissen. Das ist im Mittelalter noch hie und da bei den Juden laut gewjorden. Doch nur sehr, sehr selten hat es praktische Bethätigung gefunden. Aber einen Akum**) — hier wagt Justus selbst nicht, das übliche ״Christen“ zur Erläuterung hinzuzustellen denn der Talmud***) spricht nur von solchen, welche die sieben noachidjischen Gebote nicht erfüllen! — hat der Jude nic^t die Pflicht, zu tödten, aber ״es ist ihm nicht erlaubt, ihn vom Tode zu erretten“. Nun heisst es nicht) ״mit dem er friedlich zusammen lebt“, sondern ״zwischen denen und zwischen uns kein Krieg ist“. — Däss die israelitische n Kleinviehhirten ihnen gleichgestellt sind, zeigt doch alldeutlich, wie hier nur die Ansicht ausgesprochen wird, dass die fortgesetzte Verletzung der sittlichen Grundsätze jenen Völkern oder Einzelnen die Menschenrechte nimmt! Es sind .Kampfesrufe, wahrlich nicht schlimmerer Art, als wir sie zwischen Deutschen und Franzosen, zwischen Rulturkäfnpfem und Ultramontanen in unserer Zeit gehört {haben. Denn nicht der Meinungen blinder Hass allein, sondern sittliche Niedrigkeit auf der gegnerischen Seite begründete die Lockerung und Lösung der Pflichten der Menschlichkeit! : Für das praktische Leben der Juden, seljbst im Mittelalter, ganz gleich, ob sie bedrückt oder n enschlieh behandelt wurden, haben diese Kampfesgesetze keine Bedeutung gehabt. Für die Gegenwart s nd sie erst recht Mumien, von deren Vorhandensein üur die Gelehrten Kenntniss haben! Vergesse man ja) nicht, dass der Satz: 1 Wer den Dichter will versteh’n, Muss in Dichters Lande geh’n hier befolgt werden muss. Wer es verstehep will, wie man trotz der humanen biblischen, ja trdtz der humanen talmudischen Moral zu solchen Verordnungen gekommen ist, der muss die Lage und die Behandlung der Juden kennen lernen. Es dürfte vielleicht genügen, wenn wir anführen, dass Isserlesf) im Namen ,älterer Decisoren es verbietet, sich von einem Akum,1 selbst hn Beisein vieler Menschen rasiren zu lassen,1 wenn man nicht dabei selbst in den Spiegel sieht — weil — 80 ein Bischen Judenmord ein nicht ungewöhnliches Vergnügen war? (Fortsetzung folgt,) Zur Erklärung biblischer Eigenname^. Mit dem Einsender von ״Eine curiose Behauptung“ üi No. 9 des ״Jüd. Litteraturbl. “, dass die Erklärung des Herrn Professor Sayce über die Namen der drei *) Cfr. 4. 13. M. 25, 6, 7. **) Im Gesetz 81, wo er dasselbe zum zweiten Mule nach Jore Deah 158 auftischt, hat er die Frechheit, es zu th: ***) Awoda Sara 26a. t) Jore Deah 156.1. ersten jüdischen Könige kaum allgemeine Anerkennung und viele Anhänger finden wird, kann ich mich nidht einverstanden erklären. Im Gegentheil findet dessen Ansicht eine feste Stütze bei den Talmudisten. Die Namen der beiden israelitischen Hebammen, Sehifra und Pua, H. B. M. 1, 15 sind nach Trakt Sota fol. 11 S. 2 Beinamen) mit welchen das Volk Jochebed und Miljam resp. Eliseba wegen deren Behandlung der neugeborenen. Kinder belegte. Wepn Synhedrin fol. 101 S. 2 Jerobeam als Revolutionär und ״Aufwiegeler des Volkes“ (ירב עם) erklärt wird, sjo kann das doch nur auf den ihm beigelegten, keineswegs aber auf seinen Eigennamen bezogen werdet, denn dass die Eltern bei der Geburt des Kindes dip späteren Thaten desselben prophetisch verkündet habet sollen, ist wohl nicht anzunehmen. Vielmehr wurde ihm dieser Name im Reiche Juda beigelegt, während das Zehnstämmereich sich revanchirte und den König von Juda mit dem Spitznamen ״ רחב עםRe ha beamt belegte, d. h. der sich dem Volke gegenüber breit machte oder (mit Anklang von ח und ה) stolz zeij_ (רהב), mit Bezug auf seine Worte: Mein Vater züchtif Euch mit Ruthen etc. Ein ganz deutliches Zec dass der Talmud die biblischen Namen nicht imme als Eigennamen, sondern nur als eine Bezeichnung! von der Thätigkeit und den Eigenschaften der bej treffenden Personen ansieht, findet sich Sota fol. 34! S. 2, wo R. Jizchak lehrt, es ist eine uns von unseren Voreltern überkommene Tradition, dass die TV. B. M. 13,4 und folg, angeführten Namen der Kundschfter sich nur auf ihre Handlungsweise beziehen, also nicht die wirklichen Eigennamen derselben waren. Desgleichen B.^Batra fol. 91 S. 2, woselbst die Chronik 4,22 genannten Familien auf bekannte biblische Personen bezüglich deren Thätigkeit zurückgefuhrt werden. Ich für meine Person halte auch den Namen des an drei verschiedenen Stellen der Bücher Samuel und Könige genannten, unter drei Königen als Steuererheber fungirenden Adoniram nur für die Bezeichnung einer Würde oder des Titels, womit der jedesmalige Inhaber! des Amtes als ״Herr Erheber“ bezeichnet und angeredet wurde. Die Identificirung Davids mit Elchanan, welche Herr Prof. Sacey annimmt, scheint mir nicht oorreot. Die kurze Notiz 2. Sam. 21, 19 spricht von einem Kriege, welcher, wie aus den vorhergehenden Versen ersichtlich, in den späteren Regierungsjahren und zwar zu Nob stattfand; derjenige aber, in welchem David als Jüngling den Goliat besiegte, in Sam. 17,1, im i Judagebiet zwischen den Plätzen Soche und Efesdamim stattfand. Möglich, dass der von Elchanan besiegte Goliat ein Namensvetter oder Nachkomme des von David erlegten war und Blutrache ausüben wollte. - M. S. Rens. Litteraturbericht. Recensionen. Dr. Siegmund Maybaum. Die Entwickelung des israelitischen Prophetenthums, Berlin. (Schluss.) v Wir wollen dabei dieStellen, in welchen die Propheten vonjden Erzvätern und ihrer Geschichte sprechen, nioht in Betracht ziehen (Jesajah 47,8; 51,1—2; Jes. 54,9; Jeremias 33, 26 -und Hoseah Kap. 12). Das Leiden in Egypten und der Auszug äus diesem Lande unter! der Führung von Mose, A-hron und Miijam wird inj allerbestimmtester Form in Hosea 11,11; 12,10; 12,14;';