Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 15-16. (10.4.1884)
- Date
- 1884-04-10
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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״י׳ ־י• — 63 — י ad, die mit Pietät an das Uebereinkommen festkaltend mit Feuerzungen für die von Mose überlieferte: Lehre eintraten. Nun sagt die Kritik: Mose sei eine mythische Figur, die Propheten haben anfangs nur heidnisch gelebt, erst später wurden sie Eeformer. Merkwürdig. Samuel kämpft gegen Mantik, aber Eiiah und Elisa wieder gegen das, was einem Samuel heilig war,j Hosea und Arnos bekämpften wieder ihre Vorgänger und erklären die, welche jenen anhängen, als falsche Propheten. Diese Auffassung trägt ihre Tendenz an der Stirn. Der christliche Theologe will damit das Christenthum als neue Phase stützen, der jüdische Reformtheologe die rücksichtslose Reform innerhalb des Judenthums. Folgerichtig müsste jetzt ein neuer Gottesbegriff wieder gefunden werden und damit eine Reform moderner Art zu inauguriren. Prüfen wir nun einmal die Hypothesen des Verfassers, die wir vorläufig als die seinigen ansehen Wollen. (Fortsetzung!folgt.) Notiz. 1• ״ כנעניHändler “. Diese Bedeutung soll dem Worte nicht abgesprochen werden, denn die Kanaaniter, gleichbedeutend mit Phöniziern, waren das berufene Handelsvolk der Vorzeit. Inäess scheint das Wort diese Bedeutung nicht an Zaifh. 14,21 zu haben, wo der Prophet nach der gewöhnlichen Uebersetzung weissagt, dass in Zukunft, wo Alles heilig sein werde, kein ״ כנעניHändler“ mehr i m Tempel sein werde. Bekanntlich waren solche Händler, Vieh-, Frucht-, Geldhändler (Wechsler) für die Bedürfnisse der Pilger und Opfernden in der Nähe des Tempels. nicht im Tempel, wie in der Umgebung i unserer Kirchen ja auch Kaufläden und Schenkbuden sich apsiedeln. Solche Händler waren ein Bedürfniss für den Tempel und konnten nicht entbehrt werden. Der Bericht im N.T. (Matih.21,12) dass Jesus die Händler aus dem Tempel gejagt habe, j ist deshalb sicher nicht geschichtlich und wahrheitsgetreu. Dünn erstlieh waren sie nicht im Tempel, sondern ausserhalb desselben und zweitens war ihre Anwesenheit hier ein Bedürfniss. כנעני heisst hier wohl ״Heide“, ״Ungläubiger1‘, gleichbedeutjend mit נכרי, ערל. Die Kanaaniter besonders, als Urbewohner des heiligen Landes, gelten als Urtypus der Heiden; sie!wohnten auch unter den Israeliten und waren die Verführer zum) Götzendienst« וגליל הנרםו; von den Phöniziern (Kanaaniter) kam der unsittliche Baal- und Astartendienst wieder unter Israel auf. Der Prophet sagt also: In Zukunft, wo Alles heilig sein wird, 8011 kein Unheiliger, Ungläubiger mehr im Tempel seiji. Dr. Rothschild, )Alzey. 2. Apokryphen. Das Wort ApokryphenJ hat noqh keine Bicbere Erklärung gefunden, wie überhaupt in Betreff der apokryphischen Bücher noch manches dunkel ist. Die gewöhnliche Deutung ist, wie in dem entsprechenden □TUL ״verborgen gehalten“ d. h. aus dem öffentlichen Gebrauch zurückgezogene oder ausgeschlossene Bücher. Indessen passt dies nicht auf alle Bücher, wie z. B. das Buch Sira, welches sogar im: Talmud oft erwähnt und angeführt wird. Auch liegen nicht immer die Gründe für die Ausschliessung der apokryphischen Bücher 80 offen, wie bei den □'UJ2'D ünd den ל!פרים חיצונים. Aber obwohl darunter mehr die gnostischen und Christolbgischen Schriften verstanden wurden, so waren doch auch‘schon in der frühesten Zeit die griechisch-philosophischen Schriftjen verdächtig. Daher erklärt sich auf die Discussion über שיר השירים, und קהלת die zwar Beziehungen zur hellenistischen Denk- und Lebensweise haben, deren Tendenz aber doch antihellenistisch ist. Zweifelsohne gab es also Bücher, welche aus dein öffentliehen Verkehr und Gebrauch zurückgezogen und demselben ▼orenthalten wurden. Diese Schriften nannte man apokyrphische. Aber der vollständige Begriff von ״apokryph“ scheint! hiermit noch nicht gedeckt zu sein. Man verstand auch solche Schritten darunter, welche man einem früheren Schriftsteller unterschob, um demselben durch den Namen, wie )durch das Alter eine grössere Autorität zu verleihen. Man sagte, sie seien verborgen gewesen und jetzt erst aufgefunden worden. Von dem! Verlust und dem Wiederautfinden der Schriften gibt uns selbst die Bibel ein Beispiel, sogar für die mosaischen Bücher (II Kon. 22(8). So sind auch שה״ש und קהלת im Kanon dem Salombn zugeschrieben worden, wie das Buöb der ״Weisheit“ unter den Apokryphen, und auch dieser Umstand lässt erkennen, daös diese kanonischen Bücher ursprünglich auf dem Index der Apokrypen gestanden haben oder darauf gestellt werden sollten, bevor sie mit Mühe für den Kanon gerettet worden sind. Aehnlich verhält es sich auch mit den Schriften der Alexandriner, welche, um den jüdischen Ideen Eingang bei den Griechen zu verschaffen und den Angriffen, welche diese dort erfuhren, zu begegnen, alten Namen, wie dem Orpheus und den Sybillen in den Mona gelegt worden sind. So erklärt sich auch die Bedeutung des Worts ״apokryphisch“ als: unächt, interpolirt, untergeschoben. 3. In No. 9 des Litteraturblattes geschieht der kuriosen Behauptung des Professors Sayce Erwähnung, nach welcher die 3 Namen: ״Saul“, ״David“ und ״Salomo“ keine Eigennamen, sondern blos Zunamen sind, die das jüdische Volk diesen Regenten beigelegt hätte. Diese Hypothese kann wohl kaum ernst gemeint sein. In Bezug auf Saul ist eine Widerlegung kaum nöthig, da ein bloser Hinweis auf Sam. I. 9,2 genügen dürfte. Was David anbelangt, so ist Elchanan nach der Ansicht R. David Kimchi’s mit demselben gar nicht identisch, vielmehr ein anderer Held, der den Bruder des Goliath erschlug. (Vergleiche hierüber Chron. I. 20,5.) Was endlich Salomo betrifft, so ist für ihn dieser Name im Hinblick auf die Friedens-Aera, welche dereinst unter dessen Regierung dem Volke Israel verheissen wurde, schon vor der Geburt bestimmt gewesen. (Siehe Chron I. 22,9.) Jedidjah dagegen ist nur der Zuname, den ihm der Prophet Nathan im göttlichen Aufträge beilegte. Derselbe bedeutet so viel als ״Liebling Gottes“. Dieses Epitheton bezeichnet jedoch Dur die Beziehungen des Königs zu Gott, nicht aber auch diejenigen zum Volke Israel. Dr. H. Tietz. (Eine hierüber uns zugegangene grössere Notiz bringen wir in einer späteren No. Red.) 4. Die massoretischen Bemerkungen von Straschun im Litteraturblati No 13. XIII haben mich, wie ich glaube, auf die richtige Erklärung des schon vielbesprochenen המפרש DÜ gebracht. Die Massora nennt das' Tetragrammaton וודאי, offenbar aus demselben Grunde, wesshalb sie das Pronomen mit ה paragogicum 'וודא nennt Dieses, weil durch das ה jeder Zweifel, ob ך mit Kainez oder. Schwa, entfernt wird und jenes, weil die andern Gottesnamen אל, אלהים u. s. w. auch Götzen und andere Wesen bezeichnen können, über jeden Zweifel erhebt. Dem וודאי der Massora entspricht das מפרש Nehem. 8,4 ״genau, verständlich angegeben“; שי המי heisst demnach: Der genau, verständlich angegebene Goitesname, bei dessen Nennung kein Zweifel statt haben kann. 5. Sollte das Wort ,.Marannen'1 zur Bezeichnung der Scheinchristen nicht von מלאה עין (Jesaj XI 3) berkommen? Dieses entspricht der Bedeutung nach vollkommen und konntia viel eher in Marannon (Mar’ajiu) corrumpirt werden, als das immerhin noch problematische מהרמת (Graetz Gesch. V 80). Der Ausdruck kann von den Juden herstammen (s. Graetz daselbst). Les Juifs servaient entre eux de l’empression höbraique ״Marranos“ derivee par corraption, nicht wie der Autor meint des mots ״Maran-atha“, sondern מראד, עץ> oder es stammt von den Apostaten jener Zeit. (Unterstützt wird diese Vermuthung noch durch die spanische Aussprache des Wortes: ״Maranjen“, was stark an ״Mar’-ajin“ oder, das ,ע portugies. ausgesprochen, ״Mar-anjin“, anklingt Red.) Bromberg. Gebhardt. Das M&rzheft der Magyar-Zsido Szemle — Ungarisch- Jüdische Revue — herausg. von W. Bacher und J.Banoczi, enthält an wichtigeren Beiträgen folgende Artikel: M. Güdemann, Die Juden Italiens im 13. Jahrhundert (aus des Verfassers unter der Presse befindlichem Werke ,.Geschichte des Erziehungswesens - und der Cultur der italienischen Juden im Mittelalter‘); J Goldzieher, die biblische Wissenschaft ünd das moderne religiöse Leben (Schluss); E. Neumann, Dab jüdische Dogma; L. Paloczv, Der Zustand der Bildung Iin Ungarn, mit besonderer Rücksicht auf die Juden tdritter Artikel); JL Bloch bespricht das neueste Werk von Gregorovius über Kaiser Hadrian; Abr. Ibn Esra’s Klagelied um seinen abgjefallenen Sohn Isaak, metrisch übersetzt von B. Vajda. — Unter den mitgetheilten Documenten ist besonders interessaht ein Statthalterei-Erlass aus dem Jahre 18011, in welcher der damals noch zum Altofener Rabbinate gehörigen Pester israeL Gemeinde kundgegebeu wird, S. Majestät — Kaiser Franz — habe ihr Gesuch, einen besonderen Rabbiner anstellen zu dürfen, abschlägig beschieden. -—1- 1 Briefkasten der Redaction. Herrn S. in T. Ihre Bemerkungen zur Pessikta und zu Onkelos (Exod. 22,2;, würden wir, obwohl über letztere Stelle schon viel geschrieben ist, längst abgedruckt haben, wenn Sie das Hebräische, wie wiroft monirt,in Quadratschrift.geschrieben hätten.