Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 12. (20.3.1884)
- Date
- 1884-03-20
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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Untersuchungen gehöre, sei in diesem Büchel )nicht die geringste Spur zu erkennen; es fehle an aller und jeder Methode und ebensosehr an der empirischen Kenntniss des Stoffes, der nun so kritiklos als möglich behandelt werde." Ich protestire freilich gegen dieses Urtheil und halte jeden Satz desselben für beispiellos ungerecht; aber ich selbst weiss hier nichts weiter zu sagen oder zu thun. ־Wie sollte ich es anfangen, diese Behauptung zu widerlegen, da sie insgesammt, ohne Beibringung auch nur eines einzigen Beispiels oder Beweises dafür aus dem Buche, kahl hingestellt wurden? «6tö{ l<px. Sollte ich mir von Jemandem aufzählen lassen, was zu sprachwissenschaftlichen Untersuchungen gehöre und den Beweis antreten, dass ich in jeder der dazu gehörigen Disciplinen gut bewandert sei? Oder wie sollte ich es anfangen, einen der übrigen Kol benschläge zu pariren? Diese auszutheilen und durch kein einziges, Wort zu mötiviren, also nicht einmal die Möglichkeit der Abwehr mir zu lassen, ist keine loyale Kampfesweise, sondern eine, die in dem Glauben wurzelt, einem Juden gegenüber brauche man nicht sein Urtheil zu rechtfertigen, auch nicht das härteste, und je voller man gegen ihn den Mund nehme, desto besser. Jn einem einzigen Punkte indessen hat der Becensent denn doch Beispiele herangebracht; zum Erweise nämlich, dass ich ״Syrisch gar nicht verstände und Arabisch nicht viel mehr,“ zählt er 6 Wörter auf, die ich für echt syrische ausgegeben hätte, ohne zu merken, dass es Schreib- oder Druckfehler sind. Hierbei könnte zunächst auffallen, wie ein Delictum dieser Art, begangen im Syrisichen, auch meine Unkenntniss des Arabischen beweisen solle, aber — immer nur recht voll den Mund genommen! Sodann folgt daraus, dass man in einer Litteratur einige Schreibfehler nicht erkannt! habe, doch sicherlich noch nicht Unbekanntschaft mit ihr! sonst müsste man z. B. Gesenius absprechen, das Hebräische verstanden zu haben, weil er nicht Erkannt habe, dass (nach Luzzatto) Ez. 3,12 für baruch ״herum“ zu lesen ist, und dass noch so manch andere Schreibfehler in unserem Bibeltext Vorkommen. Die gerügten 6 Wörter schmelzen aber auch noch stark) zusammen. Ich gebe dem lieceusenten zu, dass für אלסדא zu lesen ist אלפרא (Schiffer); auch kann er Recht haben, dass?אור (verlobt) zu beanstanden sei, denn ich kann es ihm nicht verificiren, ich habe versäumt, imir zu notiren, wo ich es gefunden. Aber die 4 übrigten von ihm beanstandeten Wörter halte ich weiter für gute syrische Wörter, טליוב kleines Mädchen, חביב Wasserleitung, 1זר säen, קרח Kälte; was er an ihnen zu mäkeln habe, weiss ich nicht, bin aber 80 frei davon, mich ahnungslos von alten Slchreibfehlem gängeln zu lassen, dass ich selbst S. ^02 auf einen solchen aufmerksam machte. Bei dem erwähnten ilfodo sagte er, ich hätte ״möglicherweise nur schlecht hingesehen;“ und dass so Etwas auch anderen Menfichenkindem einmal passiren kann, kann er daraus ersehen, dass er in seiner Aufzählung meiner syrischen Sünden mp Kälte in Bälle verballhornt hat. Bekanntlich wird in den höheren wisserlsohaftliehen Berechnungen jedesmal für unvermeidliche »Fehler der Beobachtung“ ein Geringes mit in Ansatz gebracht und danach ist ein Buch noch nicht ״das elendeste Zeug“, wenn von etwa 170 syrischen Stämmen, welche darin zu Vergleichungen herangezogen wurden,■ einer oder zwei unberechtigt hierau sich erweisen. Die Sache liegt aber noch ganz anders. Gleich auf der ersten Seite meines Buches habe ioh erklärt, dass sein Hauptgegenstand das Hebräische sein solle, und ich andere semitische Dialecte nirgend 1hrer selbst wegen besprechen, sondern nur insoweit heranziehen würde, als es zur Aufklärung des Hebräisohen erforderlich erscheine. Demgemäss nehmen in ihm die Besprechungen hebräischer Stämme über ’/« seines ganzen Umfanges, und daa Chaldäisohe, Syrische, Samaritanische, Arabische ן zusammen kaum '/» ein, wonach nur etwa ‘/״ des ganzen Buches auf das Syrische entfällt. Ist es da nicht kolossal seltsam von dem Recensenten, dass er einzig und allein aus dem Syrischen gegen mich einen Angriff formirte, und das ungünstige Urtheil über mein Syrisch, welches er (ohne allen Grund, wie wir sahen) hieraus sich gebildet hat, ohne Weiteres auf die übrigen ’*/,» des Buches ausdehnte! Selbst mein Hebräisch fand keine Gnade vor ihm, er schloss es nicht aus von dem Vorwurf, dass es mir selbst an der empirischen Kenntniss des Stoffes fehle, obwohl ich schon zu vier Jahren das Hebräische zu erlern*! anfing und während meines langen Lebens (ich bin jetzt im 74.) sicherlich keinen einzigen Tag ohne hebräische Studien verbracht habe. Die Schamröthe steigt Einem ins Gesicht solcher unqualificirbaren Behandlung gegenüber, und ich breche ab, weil ich einsehe, dass trotz Allem wir Juden nicht in der Lage sind, mit den Antisemiten den Kampf aufzunehmen, sondern besser daran thun, in ihnen das allmälige Erwachen der Gerechtigkeit und der Humanität gedujfiig abzuwarten, unge'fahr wie ich dieses Bach der ״Einblicke“ mit den Worten geschlossen habe, ״dass es dem jüdischen Zweige 'der Semiten beschieden wurde, in den Zelten des Japhet zu wohnen, und dass ich diese Schicksalsfügung durchaus nicht beklage, wenn ich auch sehnlichst wünsche, dass Japhet gastlicher werde. Recensionen. Wolf, Gereon Dr. Die Juden. Mit einer Schlussbetrachtung von Dr. Wilh._ Goldbaum. Wien und Teschen. Prochaska 1883! (177 S. — 2 fl.) Die vorliegende Schrift erscheint als Theil eines Sammelwerkes, betitelt: ״Die Völker Oesterreich-Ungaras. Ethnographische und culturhistorische Schilderangen*. Von der ״Ethnographie“ dürfen wir uns nach den bisherigen Erfahrungen auf nichts Gutes gefasst machen, man weiss, dass hinter all den gelehrt thuenden Werken der Herren v. Hellwald, Andree nichts, als bewusster öder unbewusster Raceuhass sich verbirgt, dessen Nacktheit von dem wissenschaftlichen Mäntelchen kaum verhüllt wird. Von solchen Tendenzen sind nun wohl der Redacteur und Verleger des genannten Sammelwerkes durchaus entfernt, ob zwar die Bezeichnung ״ Semiten “ deren sich der Prospect bedient, heutzutage nicht gerade als Epitheton omas für uns gelten kann. ״Die Semiten, heisst es daselbst, welche mit besonderer Lebenskraft und vorragendem Geschäftstrieb ausgestattet, auch in der weit zerstreuten Eingliederung noch in einem geistigen Zusammenhänge stehen, der ihren Einfluss als Volksstamm sichert“. Auch die geistige Einheit und der Einfluss der Juden sind Schlagwörter der antiken und modernen Judenfeinde, die ־mit Behutsamkeit aufzunehmen sind, wenn sie aus verdächtigem Munde - kommen. Allein der Name des Gelehrten, dem die. Abfassung der Abhandlung über die Juden an vertraut wurde, musste von vornherein jeden Zweifel an der Gesinnungsrichtung der Redaction zerstreuen, die Wahl, die dieselbe in der Person des um die Geschichte der Juden in Oesterreich, sowie die österreichische Geschichtsforeohung überhaupt hochverdienten Herrn Dr. Gereon Wolf getroffen, bewies zur Genüge, dass dem Unternehmen nichts ferner lag, ׳ als die heute leider zur Mode gewordene afterwissenschaftliche Verechwärzung unseres Stammes, unserer Religion und Geschichte.