Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-02-28 · No. 9. (28.2.1884) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 9. (28.2.1884)
Date
1884-02-28
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492408-6488249-8756116--0337-4855707
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

starren gedankenlos ins Leere, ihre Hände maohen jCigart£ten, *lie sie hinda^pfe^; sondern weichen Pfuhle schlafen 8i<• doifc iyahmdji 8iB־dfinXaffe., d«y fcropfen1! weise"' Taus /den *vri$ Eierscbaalen '/kleinen Tasgfen ^endmmen wäd. -׳Das ' vollzieht sich'alles mit grösserem , Phlegma, als man’s selbst in England finden kann. Sie besitzen^, and bekunden viel Grazie, obschon sie nie tanzen lernen nnd selten bei Familienfesten ein Tänzchen gewagt wird. Sie gehen wenig aus, da es ' angemein schändend ist, den Namen einer ״Viellaufenden“ zu haben. Sie halt6n viel auf ihre Ehre. Ihre Namen sind hebräische in espagnolischer Form, wie Esther=Istirita, Bivka Ravkeitja, Chana =־ Haniatra, Mirjam =־Mirusi»! Die -Juden wohnen meistens nur in den grossen Städten Bosniens. Wenige Ackerbauer, die Meisten sind Kaufleute äder Banquiers. Die Beichen bezahlen ,die Abgaben für die Armen. Im Sommer findet man Viele im Bade von Kiseliak. Im Alter fühlt der bosnische Jude, sobald er arbeitsunfähig geworden ist, sich getrieben, nach Palästina auszuwandem, um dort sein Glrab zu finden. Eine curiose Behauptung. Die hier erscheinende ,Modem Beview“ bringt * im laufenden Januarheft einen Aufsatz von Professor Sayce über die Namen der ersten drei jüdischen Könige, Saul, David und Salomon, der eine Behauptung hinsichtlich derselben enthält, die, obschon ziemlich originell, doch kaum auf eine allgemeine Anerkennung rechnen kann. Der Schreiber der fraglichen Abhandlung versucht darin nachzuweisen, dass die obigen Namen keine Eigennamen, sondern blos Zunamen waren, die das jüdische Volk diesen Begenten beilegte. So, meint der Verfasser, sei z. B. der Name Saul (שאול «der Begehrte“) dem ersten jüdischen Könige beigelegt worden, weil es zu jener Zeit die FinffUimng des Königthums besonders sehnlichst berbeigewünscht habe. Hinsichtlich David’s, welcher Name von "TiIr abgeleitet: ״der Geliebte“ bedeutet, so habe der Träger desselben ihn vom Volke aus dem 1 Grunde erhalten, weil er die besten und schönsten ‘ Eigenschaften besessen, die einen Mann seines Schlages zum ״Liebling“ des Volkes machen können. David’s eigentlicher Name aber sei (nach 2. Sam. c. 21, v. 19) El-Chanan gewesen, weil daselbst dieser Name mit der Erschlagung des Biesen Goliath in Verbindung gebracht wird. Was den Namen Salomon anlangt, so sei er ursprünglich der Name einer ״assyrischen Gottheit“ ■gewesen, der späterhin dem dritten und vorzüglichsten jüdischen Könige vom Volke beigelegt wurde, um dadurch dessen Verehrung ihm gegenüber zu offenbaren. Wie dessen Vater, so habe auch er ursprünglich einen anderen Namen gehabt, nämlich Jeaidjah, wie aus (2. Sam c. 12, v. 25) zu ersehen ist. — Da der AufsteUer dieser cariosen Theorie unter den englischen Gelehrten auf dem Gebiete der biblischen Kritik eine hervorragende Stellung einnimmt, so verdient sie jedensfalls hier erwähnt zu werden. Ob sie aber auch viele Anhänger finden wird, das ist wohl recht fraglich. Harrow- College. Ch. Litteraturbericht, ,(• .V־ >;■ .. .,־ . .... < ׳־־>, ׳. ׳■• ־< Recensionen. Joel, Babb. Dr. M., Blioke in die Beligionsgeschichte. 2. Abth. Breslau, Leipzig, S. Schottländer. (Fortsetzung). Nun ist der Passus: ותלאוהו בל" פ*) an der Beihe. Ob wir es hier nicht mit einer Tradition, und zwar mit der einzigen unter sämmtlichen Angaben, zu thun haben? Würde der Talmud neben den Steinigungstod, den et zuerst angiebt — Ben-Satda hat ja einen solchen erlitten — eine andere Todesart, noch dazu eine anjüdische gesetzt und sich dadurch in eine contradictio in adjecto begeben haben, ohne durch die Tradition dazu gezwungen zu sein? Wenn dem Talmud zur Ausgleichung des Widerspruchs die nach der Steinigung übliche Procedur, von welcher in der Mischnah (Synh. VI,4) die Bede ist, vorgeschwebt hat, 80 erwächst wieder eine andere halachische Schwierigkeit, indem jene Procedur nur bei Gotteslä8terung und Götzendienst in Anwendung kommt (ibid), und es müsste schliesslich Zuflucht genommen werden zu dem Satz, den die Mischnah (ibid) in Bezug auf die von Simon b. Schetach ausgegangene Justificirung in Askalon andeutungsw., SifriDeut.§ 221 in bestimmter Form, anfuhrt zu dem Satz: אלא שהשלה צריכה ללמד בה אחרים. Würde der Talmud einen solchen Weg durchlaufen, wenn es die Tradition nicht dringend forderte? Annahmen von Aussen her können dies kaum bewirkt haben, da wir gesehen, wie der Talmud in so wesentlichen Momenten von den Evangelien differirt. Nimmt man an, dass eine Traditon im Wege stand, so entschwindet jede Schwierigkeit. Der Steinigungstod stammt von Ben-Satda, die andere nichtjüdische Todesart — da die römische Obrigkeit sie verhängte — aus der Tradition. Liegt eine Tradition vor, so bildet das Datum בל״פ einen wesentlichen Bestandtheil derselben. Joel erblickt in diesem Datum nicht nur einen Beleg, dass ״ der Talmud seine Kund e über die Entstehungszeit des Christenthums nur bezieht aus dem Wenigen, was von evangelischer Tradition an ihn gelangt,“ sondern auch dafür, ״dass seine Angaben im Laufe der Jahre mit der veränderten christlichen Tradition sich gleichfalls ändere“ (S. 58). Die Begründung ist folgende: In der Tosephta (Synh. XI,7; zvgl. die Mischnah XX,4) wird ausführlich referirt, dass B. Akiba für den Mesith und andere Sünder auf das Schriftwort sich stützend die Meinung vertritt: משמרין אותן עד הרנל וממיתק אותן ברגל und K. Jehuda ihm entgegenhält : א״ל . . . ולמה מלנין דעו של וה אלא ממיתין אותו מיד. Wie kommt B. Akiba zu dieser Ansicht, die im Widerspruch steht mit dem unbestrittenen Vortrag der Mischnah (Synh. IV, 1) לפיכך אק דנק לא בל״ש ולא בל־ ידט B. Akiba habe — wie dies bei nicht wenigen Halacha’s der Fall ist — seine Meinung aus einem Factum geschöpft und die Schriftdeutung nur angewendet zur Bestätigung der Gesetzlichkeit des Factums; er hatte nämlich in Bezug auf den Tod Jesu die durch die Synoptiker verbreitete Meinung, dass derselbe am Festtag selbst erfolgt sei und aus diesem Grunde statuirte er für den Mesith — auch andere Sünder — dass deren Justificirung am Festag (רנל) zu geschehen habe, die Mischnah (IV, 1) hingegen und der Talmud folgten ***) In den Worten des Sifri, Deut 221: 1 שהמלכות H'13 לושה liegt keine Indignation (8. 67), so in der Miscnnah (Synh. vn,3): מצות הנהרגים .... כדרך שהמלכות לושה•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.