Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 9. (28.2.1884)
- Date
- 1884-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 9♦ SSE-....JP1JPPI üdisehes Jahrg. XUI Littorat 11 r-Blatt. Ear Beleucht■■« «Iler Judenthn» ■■d Jade■ betreffende■ Iltter»rl*chen Kreehei■■■«■■ nf de» Heblet« der Philetophle, eeechlrlite, Eth»o«r»phle, The«- lo«le, Orle■ teile, Kx«««ee, Homiletik. Litarglk, Pede«o«lk. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9Klag328. Wiuat 1884. Bicher der eineehli«i«e■ Lltteretu,welche der Redartlon!■«eeendt werde■, «■de■ 1■ diene» Blatte eln«eheade Beeprech■■«• Bei Elneead■■« ron ewel Beeeule■•- Exemplare■ erfolft eln»all«e kam 0 retl■ - Ineertio n. Das ״Jfldlsche Lltterstnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich hei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. ס■(* Buchhändler, welche direct oder durch! Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 ji Rabatt. VI Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Juden ia Bosnien. — Eine curiose Behauptung. Litteraturberichte: Joel, Rabb. Dr. M., Blicke in die Religionsgeschichte. 2. Abth. Breslau, Leipzig, S. Schottländer. (Fortsetzung). — Lic. Dr. Aug. Wünsche. Bibliotheca rabbinica u. 8. w. Wajikra Rabba u. s. w. — Blumenstein, Dr. S., Rabbiner in Luxemburg. Die verschiedenen Eidesarten nach mosaisch -talmudischem Rechte und die Fälle ihrer Anwendung. Notizen. Die Juden in Bosnien. Dem Buohe des Dr. Ad. Strauss über ״Bosnien und seine Bewohner“ entlehnen wir Folgendes über die sephardischen Juden daselbst, welche Im 16. Jahrhundert über Konstantinopel oder aus Süditalien dorthin gekommen sind. Bald hatten sie Fass gefasst und Handelsverbindungen angeknüpft, 80 dass Viele vermögend wurden. Die Mohamedaner waren ihnen bis zum heutigen Tage wohlgesinnt und lebten mit ihnen in bester Eintracht, denn nicht allein, dass die Glaubensformen einander ähnlich sind, halfen die Juden ihnen stets bereitwilligst durch Geldhilfe bei den fortdauernden Kämpfen. Freilich sind die Juden gezwungen, Tribut zu zahlen, doch niemals lastete er 80 schwer auf ihnen, wie auf den Christen, da sie willig die aufgelegten Lasten trugen. In Kleidung, Haltung und Lebensweise gleichen sie den Mohamedanern, und nur äusserst Wenige kleiden sich europäisch. Diese tragen den Fez, während die Uebrigen einen farbigen Turban aufsetzen und um die Hüften eine leinenen oder seidenen Gürtel von 6 bis 8 Ellen Länge schlingen. Von europäischer Bildung ahnen sie nichts. Ihre Kinder lernen nur hebräisch lesen und schreiben. Zudem giebts in der ganzen Provinz nur 2 oder 3 Schulen. Der Chacham ist meistens auch Lehrer. Zugleich ist er Ortsrabbiner, Schächter, Vorbeter und Synagogendiener. Gewöhnlich werden zu diesem Amte Greise befördert, von deneri man nicht viel verlangen kann und die ausserdem des Tages ihrem Handel obliegen. Beim Chaoham Wissen suchen, wäre verkehrt. Einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel, dass der Chacham um nichts kenhtnissreicher ist, als alle anderen Gemeindemitglieder. Sie erhalten •uoh ausser dem Oberrabbiner in Ser^jewo. keine Besoldung. Ihre Sprache ist espagnolisch. Viele,־ deren Eltern und Voreltern im Lande geboren sind! verstehen keine andere Sprache, als die ans Spanien mitgebrachte. Einzelne zeichnen sich durch reiche Sprachkenntnisse aus — diese haben sie jedoch nur praktisch und nicht durch Studien erlangt. Sie sind thätig und die Haupthandelsleute des Landes. Um Politik kümmern sie sich nicht. Auch Vermögen anzusammeln, sind sie nicht allzusehr bedacht. Ihre Häuser snohen sie geräumig mit Schornsteinen —' etwas Seltenen in diesem Lande — zu erbauen. Arme und Reiche leben in brüderlicher Eintracht. Alltäglich bei Morgengrauen versammelt Alt und Jung sich im Hanse des Vorstehers zum Morgengebete; am Sabbath beten sie dreimal Während des Gebetes und am Sabbathe sind ihre Läden streng geschlossen. Gesetzestreu beachten sie alle Vorschriften bis aufs Kleinste. Am Sabbath nach j dem Gebete bleiben׳ die Aelteren zurück, berathen die ^Gemeindeangeleggnheiten und schlichten die Streitigkeiten und Rechtsfragen, die im Laufe der Woche entstanden sind. Nie bringen sie einen Process, in welchem beide Parteien Juden sind, vor den staatlichen Richter; der Vorsteher ist ihr Richter und in schwierigen Fällen zieht er die Aeltesten hinzu. Ihre Ehrlichkeit und ihr verständiges Wesen wird gerühmt; die Familienliebe ist hoch entwickelt. Von den mohamedanischen Geschäften unterscheiden _ßich die ihrigen durch die schmucklose Ausstattung und die geringe Menge der aufgestapelten Waaren. Zwischen mohamedanischen nnd jüdischen Frauen giebt es viele innige Freundschaften, was bei den Männern weniger vorkommt. Schön und stattlich wie Spanierinnen, träge wie eine Türkin, das tritt zu den jüdischen Eigentümlichkeiten bei diesen Frauen hinzu. Sie haben zuerst nur das Lesen der Gebete gelernt. Der älteste Bruder ist der Lehrer der Schwestern, denn Mädchenschulen giebt’s im ganzen Lande nicht. Die Frauen helfen nicht im Geschäft und die Reichen thun auch nichts im Hause. Ihr Haus ist ihre Welt und ihr Mann und ihre Kinder ihr Alles im Leben. So sitzen sie den ganzen Tag an ihrer Stelle, während die Männer im Geschäfte arbeiten, ohne Trieb, etwas zu thun oder zu sprechen; ihre grossen, schönen Angen