Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 7. (14.2.1884)
- Date
- 1884-02-14
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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WrwTW r £ pp יייייו^ :— 27 - ten 7-ahlAw u. 8. w.“ Das ist ganz im jüdisol an Sinne [ geredet, aber in Folge der .Unterschiebung der Urhe- |ber8chaft der flagitia — der grässliohsten f| Beschulj digungen — musste das Judenthum so bittedre Leiden und Qualen über sich ergehen lassen in späterer Zeit, i im finsteren Mittelalter, wo jedes aus alter Zeit stam- ' mende Wort, zumal es sich um Juden handelte, als unnmstössliche Autorität angesehen wurde. Wenn selbst eine kritisch urtheitende Zeit gedankenlos verfährt, wie kann solche Denkweise bei dem blinden Geist des Mittelalters Wunder nehmen? Allein zum Tröste des Judenthums sei es gesagt, dass (Jas Mittel der Unterschiebung, welches bei der christlichen Apoilogetik sich eingestellt, sich nicht blos auf die Juden (erstreckte. Fielen auf die Juden die Schatten, um so [heller liess man die Gestalten früherer Imjperatoren I erglänzen, deren Nachfolgern zum Vorbild, j dass sie gleich jenen in milder Gesinnung den Hart bedrängten sich zuweuden mögen. So entstanden Toleifanzedicte und Rescripte verstorbener Kaiser, von Jenen die römischen Kaiserarchive so wenig eine Ahnung hatten, wie von den sogenannten Pilatus-Acten (S. 5), in welche Justin, der Märtyrer, Einsicht genommen zu haben vorgiebt. Ueberhaupt verlieh man dem geschichtlichen Bilde des ersten Jahrhunderts — die Jud« n ausgel nommen — viel freundlichere Farben, als eie Wirklichkeit vermöge der Logik der Thatsachen sie {aufweisen f konnte. Fehlt es doch nicht an Versuchen, gelbst für 1 Nero ein günstiges Wort fallen zu lassen, — so gewaltig argumentirt das Drängen der Verhältnisse. Und wie verhielt sich seinerzeit das Jjidenthum gegenüber den Belastungen, die ihm von Christlichapologetischer Seite zu Theil geworden? (Hat man | sich Alles ohne Widerrede gefallen lassen?!Hat man sich in keine Widerlegung eingelassen? Djie Kräftigung im Innern, die Erforschung der L^hre und des Gesetzes bildeten die einzige Sorge der massgebenden jüdischen Kreise; der Erhaltung dieses Eiementes des Judenthums war alles Denken, allje geistige Kraft gewidmet, den Dingen, die in der grossen Welt geschahen, schenkte man die allergeringste Beachtung, selbst wenn das Judenthum in dieselben ejnbezogen war. Man war froh mit der Erhaltung des! äusseren und inneren Lebens und ging jeder Polemik, jeder 1 literarischen Fehde, aus dem Wege. So konnten die [Angriffe erfolgen, ohne dass sie eine Zurückweisung (erfahren hätten. Mit dieser Abschliessung steht im Zusammenhang die Thatsache, das die talmudischen Quellenschriften über die ersten Zeiten des Christenthums ke!ne Nachrichten enthalten. ־Pie Orientirtheit auf Geschieht- Hohem Gebiet gehört überhaupt nicht zu d«p starken Seiten der Talmudlehrer, und die Erklärung dieser Erscheinung hat ein grosser Talmudlehrer selbst einmal gegeben in dem Ausspruch: »Wenn wir au schreiben wollten, wir vermöchten es nicht“. An den Mangel fenauer Geschichtekunde bei den Talmudlehr sm, trägt ie Hauptschuld das Geschick des jüdischen Volkes. Aber trotz dieses unleugbaren Thatbestandes: st die Behauptung Joel’s (55) ״dass die wenigen Notizen, auf die wir bei ihnen stossen, nur eine Spiegelung c iristlicher und heidnischer Legenden sind, daäs sie lach den Eindrücken des zweiten Jahrhunderts, wie sie sich ihnqn aufdrängen und nicht nach gescl ichtlicher Tradition zeichnen“ nur dann annehmbar, venn un- *bweisbare, zwingende Gründe dafür zu erbri igen sind. Denn das Judentham müsste doch den all!!,grössten Verdacht, das allergrösste Misstrauen hegnn gegen Mittheilungen über die geschichtlichen Vorgänge des Christenthums, dip aus christlicher Sphäre stammen. Sind nun Gründe von solchem Gewicht für eine Entkbaung, selbst für eine unbewusste, vor; gebracht? .;■st;'.- Die Sache ist wichtig genug, um selbst im engen Rahmen einer Recension näher erörtert zu werden. $ (Fortsetzung folgt.) 1. אחלי שם von Jos. Kohn - Zedek, 8' XVI und 112 S. London. N. P. Vallentin 1883. 2. מים זכים von J. J. Weinkoop. 8° 13 S. Amsterdam, Ess und Joachimsthal 1883. Der Antisemitismus zeitigt mitunter ganz sonderbare Blüthen. Das sub 1 genannt^ Buch verdankt ihm sein Entstehen. Der Verfasset, ein geschickter Maggid, gewaüdter Hebraist, sehr bßlesen in Talmud und Midraschim, hat nichts Geringeres vor, als zur Bekämpfung des Antisemitismus eine Apologie des traditionellen, mosaisch-talmudisch-rabbinischen Judenthums zu schreiben. Den äusseren! Anlass dazu gab ihm der sensationelle Blutprocess in Tisza-Esslar. Nach seiner. Fiction hat der Angeklagte Jakob ben Jizchak in Madrid vor dem Bluttribunale des Grossinquisitors Thomas von Torquewada sich über die Blutbeschuldigung zu rechtfertigen. _ Es wird ihm zur Last gelegt, ein Christenkind gemordet zu haben, um dessen Blut zu rituellen Zwecken zu gebrauchen. Der Delinquent vertheidigt sich und sein Judenthum und führt etwas langathmig und weitschweifig den Gedanken aus: Hass, Neid und Missgunst gegen Israel seien seine steten Begleiter auf seinem Gange durch die Weltgeschichte, vom Abraham bis ^üf diese Zeit. Die famose Blutbeschuldigung sei ״ein Kind des Hasses, ein Kindeskind des Neides*. Ausserdem werden 46 positive Argumente dem Inculpaten in den Mund gelegt behufs Rechtfertigung unserer auf Humanität und Menschenliebe sich gründenden schriftlichen und mündhohen Lehre. Dass ,viele dieser Argumente 400 Jahre jünger sind, als der von der Inquisition angeblich Angeklagte, soll dem'Verfasser durchaus nicht zum Vorwurf angerechnet werden. Er verweist selbst darauf im Vorworte und nennt als seine Hilfsquellen die Schriften שבט אלוה u.תשועת ישראל, עטרת צבי. אפם דמים. - Wesentlich Neues von Belang haben wir in diesem־־ Buche nicht zu finden vermocht. Uebrigens bekennen wir gern, dass es dem Verfasser trefflich gelungen, viele Beschuldigungen und namentlich die Blutbeschuldiguug abzuweisen. In Bezug auf letztere wird, mit Recht betont, wie gerade der mosaisch-talmudische Ritualcodex das Princip der Humanität bei צער בעלי חיים und bei פקוח נפש in consequentester und hochherzigster Weise durchfuhrt. Wenn der Verfasser <׳ gegen Rodkinson, der vor Jahren als Redacteur des הקול in Königsberg vegetirte und einst ein enmgirter Chassidimjünger, jetzt im Dienste der Judenmission steht, scharf zü Felde zieht, so erweist er dieser verlotterten, catilinarischen Existenz wahrlich viel zu viel Ehre. 2. Ungleich interessanter und von höchster principieller und praktischer Wichtigkeit ist das Gutachten, welches sich מים זכים betitelt. Es handelt sich wesentlieh um die Beantwortung der Frage: Ist es vom halachischen Standpunkte aus unbedenklich zulässig, in Amsterdam vom sogenannten Dünewater, welches die Bewohner der Stadt trinken, ein rituelles Tauchbad herzustellen? Die atmosphärischen Niederschläge, wie Nebel, Regen, Schnee, theilen sich dort zunächst den Dünen mit. Um das Wasser nicht nutzlos im- Sande verlaufen zu lassen, sind unterirdisch viele Gräben und Kanäle angelegt, so dass das unterirdisch rinnende Wasser steten Abzug und Abfluss hat. Da dieses Wasser anch getrunken wird, filtrirt man es vorher und fangt es in einem Wasser hebewerk auf. Zu diesem Behufs geht das Wasser in der Leitung über Steine, Geröll und Sand. Das ungeniessbare Wasser bleibt ־. ־W.ata.^w-Q > v,