Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 6. (7.2.1884)
- Date
- 1884-02-07
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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Gottes geheiligt, er hat das Judenthum m Ehren gebracht, denn, um mit. dem trefflichen "V Torte des amerikanischen Staatsmannes za sahliessen, ״pr gehörte .zu den Edlen, welche das auserwählte Volk Gattes sind“. Kompert’s gesammelte Schriften. Besprochen von Dr. L. Treitel, Rabbiner in priesen. (Schluss.) Mit der feinsten Seelenmalerei schildert er den ganzen Gährungsprocess einer vor unserem! geistigen Auge sich auf bauenden neuen, oder vielmehr; Altes und (Neues in sich vereinigenden religiös-ethischen "Weltranschauung in dem jüdischen Fabrikherrn ״Jonathan“ [und dieBer katholischen Weberstochter ״Dorothea“, [Ausgangs- und Endpunkt ihres, Anfangs!nach den [ verschiedensten Richtungen auseinandefgehenden, Denkens und Empfindens, wie es sich allgeipach mehr und mehr berührt, wo ihre Ansichten abweichen, wo sie Zusammentreffen, bis zu dem geheimsten der Gedankensfaden, es wird uns Alles mit einejr Evidenz dargelegt, dass wir gestehen müssen, 80 habe es wirklieh geschehen können oder geschehen müssen. Selbst Bchriftstellen werden durch die neuen und eigenartigen 1 Beziehungen, in welche sie die Combinatiohsgabe des Dichters zu den handelnden Personen setzt, erst in das rechte Licht gesetzt. Eine, wie ungeahnte Fülle des Schönen und Erhabenen offenbart bei solcher Behandlung der h. Sehr. z. B. Ps. 8,3 in dpm Selbsterlebten des ״Landstreichers“ in ״Zwischep Ruinen“, Bd. 6, S. 272: ״Vor einem solchen Kindesptimmchen schweigt jeder Sturm, und wenn es weint j. . . wenn es jauchzend in seinem Bettchen zappelt, Jann zieht 1 sich alle Verruchtheit und Schlechtigkeit des Herzens in einen Winkel zurück, und man versteht j erst dann, was das heisst: ״Aus dem Munde der Säuglinge und Unmündigen hast du die Welt gegründet! “! Was geht da in Einem vor, Jonathan? Und erst, weon in dem Kopfe des Kindes der Funke menschliche[: Vernunft zu glimmen, wenn es zu sprechen anfängt 1 Gehen wir nach dem Gesagten noch zu einer kurzen Durchmusterung der Inhalten von Bd. 7, ״Verstreute Geschichten“ überschrieben über. Derselbe bringt eine neue Serie von Erzählungen aus dPr ״ Gasse “. |Da ist die ״Schwärmerin“, die Geschichte eines! schwärmerisch liebenden Mutterherzens, wie es sich so oft fand im Volk der ״Gasse“. Man wird sagen, ein vielbesprochener Vorwurf der Dichter!! Auch das wird man eben nicht neu finden,־dass inj die Abgeschiedenheit eines in altpatriarchalischen!Sitten sich bewegenden Lebens, wie sie Seide Bamberger vertritt, ein herber ״Conflict“ fallt, ihr Kind folgt einem Manne des ״neuen Glaubens“ in’s Haus. Das aber ist der hochpoetische Zug in dieser Erzählung,! durch den Bekanntes in neue Beleuchtung gerückt;wird, dass dieser Gegensatz zweier Weltanschauungen bei Seide Bamberger wie überbrückt erscheint von dpr Liebe zu dem einzigen Kinde. Wir werden nicht! Alles vertheidigen mögen, aber wir werden es verstehen lernen. Was patriotischer Drang, die Liebe und Anhänglichkeit gegen das geliebt angestammte Herrscherhaus aus jüdischen Herzen zu machen vermag, was sie thatsächlich aus ihnen bei unserem erstep Eintreten in’s allgemeine Culturleben gemacht hat), lehrt die kleine frisch anmuthende Erzählung ״Korporal Spitz“. Was uns daran am meisten interessirt, ist djer Korporal selber, eine frische, altjüdische Frömmigkeit mit militänseber Bravour verbindende Soldatennjatur. Was »romantischer Tic“ in der Seele des gelehrten, talmudbeflissenen Rabbiners, was Achtung vor dem Wissen bei dem ärmsten Gemeindemitgliede in der ״Gasse“ ist, wie um dieser allein Willen einst Ehen [geschlossen worden, das erfahren wir aus der nachfolgenden Erzählung ״Von meinem Grossvater“, in welcher Verfasser mit der reizendsten Anmuth ein Stück seiner eigenen Famifiengesohiohte. zam Besten giebt,׳und hat. der Dichter nicht verfehlt, diese eigenartige Verbindung von romantischem Wesen und alt jüdischem Gelehrtenthum in gehöriges Licht zu rücken, wodurch das Interesse an letzterem neue Impulse erhält. Das Ghetto in Rom, seine Gegenwart und Vergangenheit, geschildert mit den glühendsten Farben von einem, jungen, deutschen Priester, der — Ironie des Schicksals! — von einem der nach Deutschland geflüchteten Bewohner dieses Ghetto abstammt, wird auf die nachfolgende in Form von Selbsterlebtem ausgefuhrte Erzählung. ״Auf dem Monte Pincio“ als ein kleines CabinetstüoM dieses Erzählungsgenre’s erscheinen lassen. j Die Verlagsbuchhandlung* was zum Schlüsse nooh erwähnt werden mag, hat nicht unterlassen, deal ' Werke eine seinem inneren Gehalt entsprechende Aus4 stattung im Aeusseren zm geben. - Möge ihr Untart nehmen dazu beitragen, den Namen Kompert’s übe# den Kreis seiner bisherigen Leser hinaus bekannt zu machen, seine Erzählungen aber, die man längst za den Perlen der Weltlitteratur rechnet, mehr und mehr einheimisch zu machen bei dem deutschen Leserpublikum! Möge recht bald eine zweite und dritte Auflage nöthig werden und die Zeit nicht fern sein, wo die Anschaffung solchen Werkes auch dem Minderbegüterden von der Verlagsbuchhandlung ermöglicht wird, damitesebenso auf dem Tisch des in beschränkteren Verhältnissen Lebenden wie im Salon der Reichen angetroffen werde. (Wir würden einer billigen Volksausgabe sehr das Wort reden. Red.) Litte raturbericht,! Recensionen. j Joel, Rabb. Dr. M., Blicke in die Religion»• geschieht« zu Anfang des zweiten christlichen Jahrhunderts mit Berücksichtigung der angrenzenden Zeiten. 2. Abtheilung: Der Conflict des Heidenthums mit dem Christenthum in seinen Folgen für das Judeh^hum Breslau und Leipzig, S. Schottländer. 1883. Man kann auf Grund der genommenen Einsichten und der Erkenntnisse, welche die kritisch-theologische Wissenschaft durch grosse Arbeit sich errangen, den* Satz aufstellen, dass die Darstellung, geschichtlicher Vorgänge nirgendswo in solchem Maasse von der Herrschaft des Gedankens, der Idee, beeinflusst gewesen, wie auf dem Gebiete, das die Entstehungszeit des־ Christenhums und dessen erste Epochen umfasst. Es war kein Mangel an Traditionen, aber diese — wenigstens kein geringer Theil derselben — folgten dem Machtgebot der Idee und nahmen die Gestalt an, die ihnen die Idee auferlegte.. So durchläuft ein Theil des geschichtlichen Stoffes einen Gestaltungsprocess nach den Riohtungen, welche die Ideen hinschlagen. Die Erkenntniss des Idealen, das gleich dem Logos die Tradition formte und gestaltete, ist daher unerlässlich zur Erforschung der geschichtlichen Wahrheit. Zu der Macht der Ideen, die geradezu schöpferisch auf die Umbildung der Tradition eingewirkt, 'gesellt sich, freilich nicht in gleich bedeutender Weise, die Macht der Verhältnisse, die unerbittlich dem Christenthum entgegen trat, um (es seinen noch jungen Lebens wurzeln zu entreissen. Gegen Ende des ersten christlichen Jahrhunderts begann für das Christenthum der Kampf gegen das Heidenthum. Es war ״der Kampf um's Dasein“ im vollsten Wort verstände, Das Christenthum hatte aufgehört vor dem heidnischen Rom eine jüdisohe"