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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-01-31 · No. 5. (31.1.1884) · p. Seite 19

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 5. (31.1.1884)
Date
1884-01-31
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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als zweites (passives) Paöl-Partioip, der Niphalform נאמנה (religiös-sittlich gefestigt, treubeu •ährt) ent- 3!rechend, zu fassen ist, in welchem Palle Jerusalem s die sonst wohlerzogene, wohlunterrichtete Stadt in der Pesikta bezeichnet würde, lei activer Auffassung des מרביתא wäre der Sinn der Pesiktastelle: ״Wie ist zur Buhlerin d. h. Abtrünnigen geworden die sonst vorzüglichste, ihrejBewohner zur Gotteserkenntniss und Frömmigkeit erziehende Stadt!“ Bestätigen die angezogenen Beispiele 8ch0n wesentlieh die Bichtigkeit unserer Emendation, jso heben auch den geringsten Zweifel an derselbeji die auf קרתא מרביתא folgenden Pesiktaworte: ר׳ פנחס בש״ר אושעיא אמוך ארבע מאות ושמונים בתי כנסיות היי כירושלים וכל אחד ואחד יש בה בית ספר ובית תלמוד, בית ספר למקרא׳ ובית תלמוזן למשנה. Nachbemerkung. Vorstehende Artikel!hatten wir alsbald nach Empfang der No. 47 d. Bl. niedergeschrieben und — wie wir es mit unseren litterarischeü Beiträgen gewöhnlich thun — für einige Zeit zurückgelegt. Darauf erschien in No. 48 ein die Ansichten Spinner’s anfechtender, in mancher Hinsicht sehr interessanter Artikel des Herrn Dr. Fürst. Derselbe betont mit Recht, dass Stadt der Freude קרתא דחדותא heissen müsste, wozu ■wir allerdings noch bemerken möchten, dass das ר zur Bezeichnung des Geniti?Verhältnisses öfter vermisst wird, z. B. Targ. Jon. zu Esther 1,9: משתא נשיא; im• Uebiägen aber geht auch Herr Dr. Fürst fehl, wenn er מברכתא liest und Jes. 1,21 auf Sichern anwendet. DaVon würde derselbe gewiss schon־Abstand genommen haben, wenn er auch nur die obgedachten Worte des R. Pinchas in Betracht gezogen hätte. Litteraturbericht, Recensionen. D. 0. Straschnn. Der Tractat Taanit des Baby- Ionischen Talmud zum ersten Male in’s Deutsche übertragen. Mit steter Rücksichtnahme auf Talmud Jeru- Bchalmi, Midrasch Rabbot, Tanchuma, Pesikta de Rab Kahana, Midrasch Thillim, Abot de R. Nathan, Pirke de R. Elieser, Scheiltos de Rab Achai Gaon, Sifra, Sifii und Mecbilta. Mit einem Vorwort von lic. Dr. August Wünsche. Halle, Max Nienjieyer. 1883. Es beginnt zu tagen! Mit diesem Worte könnte man die Thatsache begrüssen, dass eih deutscher christlicher Theologe in Verbindung mit einejm jüdischen Gelehrten Uebersetzungen des Talmuds ן bearbeiten und veröffentlichen. Wenn in dieser Weise fortgefahren wird, so ist zu hoffen, dass in den Gelehrtenkreisen christlicher Theologen die Ansicht über den. Inhalt des Talmud von selbst sich corrigiren wird. Und hat die Wahrheit erst in diesen!^reisen sich Geltung verschafft, dann wird der Wahh im Volke, das doch nur von der Speise der Gelehrten sich nährt, von selbst mit der Zeit schwänden. Von!diesem Gesiohtspunkte aus gratuliren wir beiden (gelehrten zu diesen) edlen Arbeitsbunde. Möge der Allgütige ihnen die Kraft geben, das Werk fortzusetzejn. Freilich gilt es hier eine grosse Aufgabe, und wäre es sehn wünschenswert!!, wenn sich eine Reihe von Männern, Juden und Christen, vereinigen möchten, um den ganzen Talmud 80 in’s Deutsche zu übertragen. Das wäre die beste und beiden Theilen wohl anständigste Art, den Antisemitismus, soweit er aus!Wissenschaftliohen Vorurtheilen über die Religion des t almudischen Judenthums besteht, •־gründlich zu bekämpfen. Ja, noch mehr wäre zu erwarten. Mit einer Uebersetzung des Talmud wäre seine Verbreitung unter den Juden selbst gefordert. Also frisch an’s Werk and Gott sei mit den Arbeitern. Wenn wir so der vorliegenden Arbeit 1m Ganzen freudig zürnten, so haben wir nicht minder Ursache, die Arbeit selbst in ihren Anlagen zu loben. Der Uebersetzer hat zunächst die philologischen Pflichten streng genommen. Seine Textvergleichung ist ein wissenschaftlicher Fortschritt und ist mehr werth als vielfacher Pilpul; seine Uebersetzung ist fliessend, klar und sinngemäss, ohne freier zu sein, als der Text vertragen kann; seine Anmerkungen sind mehr kritischer und philologischer Natur und darum für den, welcher den Urtext selbst lesen will, eine wesentliche Erleiehterung. Die in der Einleitung über Mischnah und Talmud gemachten Prolegomena sind als kurzer Wegweiser in derselben Weise zweckmässig. Einzelnes dürfte sich bei weiteren Uebersetzungen bessern lassen. Zunächst ist der.Titel des Buches fast eine ganze Einleitung. Es ist doch besser, Solches im Buche zu sagen, denn es musste doch noch manches andere Quellenbuch genannt werden. Das ist aber ein Aeusseres. Die Einleitung anlangend hätte sich selbst bei dieser Kürze die Methodologie und Terminologie des Talmuds reichhaltiger, genauer und geordneter geben lassen. Die Uebersetzung selbst zeigt noch nicht feste Regeln, deren Anwendung die talmudische Art zu citären und zu argumentiren präcis wiedergibt. Verfasser gibt an einzelnen Stellen, z. B. S. 95 in der Uebersetzung des Wortes Rabbi’s שתקנתו קלקלתו fol. 17a eine ganz neue Erklärung. Es wäre aber zu wünschen, dass solche Erklärungen begründet würden. Denn man sieht nicht ein, was Ver£ zu seiner Uebersetzung, ,eine solche Feststellung wäre ja ein Verderben“, für Grund gehabt hat, noch weniger, was mit ihr klarer werden soll. Rabbi sagt, er würde eigentlich das Weintrinken für verboten bei allen Kohanim halten müssen, (da ja keiner bestimmt wisse, ob nicht bei Wiedererrichtung des Tempels sein sofortiger Dienst nöthig werde), — aber ״ seine Thekana' ist sein Verderben“ d. h. wie Raschi sowohl in TaaniB als in Synhedrin 22b erklärt : Seine Thekana, d. h. die Erleichterung für die Priester, ist aber die Folge seines Unglücks. Da der Tempel so viele Jahre schon zerstört ist, so folgt daraus,, dass die Annahme unbegründet ist, dass der Tempel 80 schnell erbaut würde. Deshalb brauche auch der Priester das Wein- - trinken nicht zu scheuen. Nach Ansicht des Ueher- $ setzers wäre aber der Sinn ein ganz anderer: dann betrachtete Rabbi in einem Weinverbot ein Verderben. Und das ist schwer zu verstehen. Solche Einzelheiten beeinträchtigen den Werth des Ganzen durchaus nicht. Darum sei zum Schluss der Gedanke so gemeinsamer Uebersetzung noch einmal auf das Wärmste empfohlen. Erfurt. < K r o n e r. Essai, de restitution de' l’ancienne redaction de Massechet Kippourim par Joseph Derenböurg. Paris 1883. (Schluss.) , Die Note 1 ״über einzelne in diesem Tractate ebwähnten Theile des Tempels“ erklärt Lischcha als ein Zimmer, Beth als einen grösseren Complex oder ein , Gebäude im Tempelraame. Die ״Beth Haparwah“ (der Namen erinnert an 1 פרוריםL Könige 23,11, — die Abstossung des EQd^ ist öfters' zu bemerken) heisst ' auch Bouleutie, d. h. Sitzungshalle des Stadtrathee. Dieses ist identisch mit Parhedrin (upoeSpoc), wobei ich nicht mit dem Verfasser an Titelsucht denken

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