Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 5. (31.1.1884)
- Date
- 1884-01-31
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492408-6488249-8756111--0317-4855691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
neuen Gesammtausgabe vor, welche auch die anderwütigen Erzählungen dee Verfassers vereinigt. Es kann nicht meine Aufgabe sein, in diesem Blatte eine erschöpfende ästhetische Kritik der Kompert’schen Romane zu liefern; denn was dichterische Gestaltangskraft, die die Gestalten des Dichters plastisch vor unser geistiges Auge stehende Charakterschilderung, was Seelenmalerei, was Kraft der Sprache und Schönheit der Bilder in diesen Romanen geleistet, es ist vielleicht 'auch der berufensten Feder nicht leicht es zu sagen. Uns interesairt an dieser Stelle in erster Reihe ein Anderes, es ist die neue, eigenartige Beleuchtung, in welche Altbekanntes aus dem Bereiche jüdischen Lebens und jüdischer Lehre durch Kompert’s Romane gerückt wird. Was heule in Kanzelvorträgen und gelehrten Abhandlungen, in der Presse, in Versammlungen, über—die brennende Zeitfrage, die socialpolitischen und religiösen Probleme, oft in der stürmischsten Weise, immer aber nur in Worten verhandelt wird, hier bei Kompert wird es Handlung, wird es That, und ist darum von 80 überzeugender Kraft. Weit entfernt von gewöhnlicher Tendenz- macherei, tragen seine Schilderungen von den Seelen- Conflicten und deren endlicher Lösung bei den Helden umL Heldinnen seiner Erzählungen durchaus den ־Charakter des Natürlichen, des von innen mit selbsteigener Kraft Kommenden, es ist psychologisch wahr, was und wie er seine Gestalten empfinden, urtheilen lässt. Man möchte behaupten, es stecke einfach in ^vjhnen ein Stück ״Cultuigeschichte“; denn fast mit geschichtlicher Treue schildert der Verfasser in ihnen, wie bei der Berührung zweier Zeitalter in der umgrunzten realen Welt, die er zu schildern hat, das Neue steigt, das Alte, wenn auch nicht fällt, doch mit jenem eigenthümliche Verbindungen eingehen muss, wie -wenn er uns in dem grösseren Roman ,zwischen Ruinen" von der katholischen Weberstochter ,Dorothea“ erzählt, dass sie das Bild des heiligen Johannes von Nepomuk bekränze und mit ,ebenso andächtiger Hand am nächsten Freitag Abend das weisseste Linnen über den Tisch ihres jüdischen Herrn, mit welchem sie mehr und mehr die zärtlichsten Bande verknüpfen, breite. (Schluss folgt.) Collectanea. Von Dr. Kroner, Babb. in Brandenburg a. d. H. XIV. Zur Pecikta des R. Habana, Editio Buber, 8.121 b ־bietet Herr Spinner in No. 47, v. Jahrg., Rand- Bemerkungen dar, die uns völlig unzutreffend erscheinen. Zu נאמנה rtnp, Je8. 1,21 bemerkt die Pesikta nach obiger Ausgabe: מו־בבתא Wl*p KTTTt KJVp. Herr Sp. liest מברכחא und erklärt: Wie ward die treue Stadt ein Ort der Freude, eine unzuchttreibende Stadt! Da ist aber übersehen, dass im Text nicht חדו תא- Freude steht, sondern KTTin, das nie Freude heisst, sowie, dass die Bemerkung der Pesikta sich nicht auf לזונה, sondern — auch nach Buberis»Worten: דורש על קריה נאמה p — auf ק״נ bezieht und letzteres doch schon an und für sicn unmöglich als unzuchttreibende Stadt zu deuten ist. Aber ebenso wenig im Zusammenhänge; der Satz :איכההיחה לד קרתא 0מבדכחא <יך — Wie ward zur Buhlerin die unzuchttreibende Stadt! wäre ein Nonsens. Dass dies Alles Herrn Spinneris geübtem Blick entgehen konnte, überraschte uns ebenso, wie er es merkwürdig findet, dass das prüfende Auge Buberis die angebliche anagrammatische Fehlschrift übersehen und dieser deswegen die qu. Pesiktastelle nicht deuten konnte. Versuchen wir nun unsererseits eine Erklärung derselben! קריה נאמנה ist der Pesikta ק~תא חדתא die einzige, erste, vorzüglichste Stadt, die Stadt xari i^oxfjv. חדתא ist der stat. emph. fern, von TI, das gleich dem hebräischen אחד einzig, erster, vorzüglichster heissen kann und auch determinirt vorkommt Vergl. hinsichtlich der Determination קו־תא רבתא Onk. zu 1 M. 10,12 und hinsichtlich der Bedeutung לחדא sehr, eig. einzig, vorzüglich in seiner Art, Onk. zu l M. 1,31 und oft, ferner Önk. undRaschi zu 1 אחד העם M. 26,10: בעמא TTtn bezv* .המיוחד בעם, וה המלך Die Auffassung des חדתא als stat. emph. von חדש חדת «= neu, neubegründet, neuemporblühend sagt uns weniger zu; denn wenn auch Jerusalem zu jener Zeit des Jesaja, welche die zweite Blüthezeit des Reichs heissen konnte, als eine neu und fest begründete Stadt erschien und קרתא חדתא dem קריה נאמנה im Sinne einer festbegründeten Stadt sich ohne Bedenken parallel setzen lässt — cfr. das bibl. מקום נאמן Jes. 22,23. 25 bezw. das targumische קתיז pTTH zu Jes. 61,4: so widerstreitet doch die Auffassung des yp als materiell fest resp. neu begründete, neu emporblühende Stadt dem sonstigen, lediglich et hisehen Inhalte des betreffenden Jesaja-Verses (מלאחי משמט וכי). Schon aus diesem Grunde würde uns auch die Auffassung des קרתא חדתא als gleichsam zweites Karthago widerstreben. Wir nehmen also קרתא חדתא besser als vorzüglichste Stadt Als solche erwies sich Jerusalem nach der Pesikta dadurch, dass es als מרבי תא — wie wir einfach emendiren — als Erzieherin zur G0tte8erkenntniss und Frömmigkeit hervorragte. מרביתא ist uns der sat. emph. des ersten (activen) Particips der Paelform von רבי, das in derselben erziehen heisst. Wir weisen daneben auf Kl. 2,22 hin, wo wir das hebräische Piel רבה in derselben Bedeutung und auch in Beziehung auf Jerusalem finden. Wie wir im Litteratur-Blatt No.-16—17, S. 67 v. J. an mehreren frappanten Beispielen veranschaulicht, benutzt das agadische Schriftthum oft die Gleichheit oder Aehnlichkeit von Wörtern zu der ihm eigenen Exegese. Nun ist aber נאמץ stammverwandt und lautähnlich den Ausdrücken א1מן und אמון, und diese letzteren sind in der targumischen bezw. agadischen Litteratur durch Ausdrücke, die entschieden Erzieher bedeuten, erklärt. So ist כאשר ישא האומן את היונק 4. Mos. 11,12 von Onkelos paraphrasirt: כמא דמסובר תורבינא ית ינקא; die anderen Targumim geben dieses א1מן durch פדגוגא i. e. סץ(0ץ*>$«:ד{ wieder. Genesis r. Auf wird das hebräische אמ1ן in Spr. 8,30 ebenfalls durch פדנוג erklärt (= die Weisheit war die Erzieherin neben Gott). Vergl. noch die targumische Paraphrase durch תורבינא pi. תורביניא und fem. תורבינתא Esth. 2,7; 2. K. 10,5; Jes. 49,23; Ruth. 4,16; 2. Sam. 4,4; ferner die targumischen Formen מרבינא oder מלביתא zu Spr. 2,17; endlich מרבנייתא oder מךבייתא zu 1 M. 35,8. Und wie א1מן und אמוץ wird auch נאמנה als Erziehe rin gedeutet. Möglich aber auch, dass מרביתא