Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 5. (31.1.1884)
- Date
- 1884-01-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zar Belaaektaag allar Jadaatkam and Jadea betreffende» llttarartirken Kraebdiaiiea laf de■ Gebiete der Phile• eophie,j Geeebiehte, Ethaofraphie, Theolegte, Orientalin, Exegeee, Homiletik. Lltargtk, Pädagogik. Heransgegeben Ton Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 31. etanuaz 1884. Bicher der etuehfiflfe■ Lltt^nUar,welche der Red actio■ sageaaadt werde■, *■de■ * 1■ dleee« Blatte elageheade Beeprechng. Bef EliieidiBf tor awef leeeuie■!* Kxemplare■ erfolgt efaaialige karae GratU-Usertlefie Das »JfldHche Lltteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Rark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“fliie vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-BIatt“ gratis. — läse rate werden mit* 2( Pf, für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mijt 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden.^ Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig, Inserate einsenden, erhalten 25^ Rabatt. I.n halt: Wissenschaftliche Aufsätze: Kompert’s j gesammelte Schriften. Besprochen von Dr. L. Treitel, Rabbiner in Briesen. — Collectanea. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. Havel. XIV. L itteraturberichte: D. O. Strachun. Von Dr. Kroner in Erfurt. — Essai de restitution de anciennsl redaction de Massechfet Kippourim par Joseph Derenbourg. Paris 1883. — Das Gibraltar des Ostens. — Inserat. Nachdruck nur mit Tr-oller Quellenangabe gestattet. Kompert’s gesammelte Schriften. Besprochen von Dr. L. Treitel , Rabbiner inj Briesen. Was jüdische Lehre ist, in den Büchern altisraelitischer Propheten ist es zu lesen, was jüdisches Gesetz, das Schriftthum jüdischer Weisen offenbart es, doch, was die Eigenart jüdischer Herzen;ist, das zu schildern, reizvoll mit der Kraft, allem Zauber der poetischen Sprache, ist einem neueren Dichter derselben Abstammung, einem Leopold Kompiert, vorbehalten geblieben. Wie es fluthet und1 ebbet im ,Menschengemjith, das innerste Leben und Weben einer Volksseele', der Leute in der ״ Gasse■*, wie man in Böhmen das Judenviertel lange genannt hat, noch Keiner hat es so feinfühlig belauscht, noch Keiner so lebenswahr und in so lichten Farben, in!80 warmen Tönen dargestellt, wie Kompert. Eng uüd klein ist der Schauplatz seiner Erzählungen, aber alle Weiten des menschlichen Empfindens, die ganze gewaltige Gedankenarbeit unserer Zeit in den ethischen u. socialreligiösen Fragen scheinen in dem Rahmen derselben eingespannt./ Dabei ist der Stil klar und dürohsichtig, frei von jedem gelehrten Zierrath, doch wie sich fast von selbst versteht, von einer Kraft und Schönheit, wie sie nur dem echten Dichter eigen, die charadteristischen Redewendungen, wie er sie dem Volke izi der Gasse abgelauscht, hat Kompert passend in die Erzählungen selbst ־miteingeflochten, er lässt die Helden und Heldinnen derselben durchaus ihre eigene Sprache reden, und ist es auch eine Sprache, die flicht durch kunstvollen Periodenbau geschmückt ist —I so ist doch eine Kraft in dieser Sprache, wie sie nur da anzu- -treffen, wo starke Herzen, Gedanken und Empfindungen, die sie bewegen, in Wort und Laut Kund thun. Darum treten auch seine Gestalten so klar, so lebendig, so voll Deutlichkeit, mit einem Worte plastisoh vor uns auf. ErzähltB. Auerbach״indenDorfgeschichten“v den Gebildeten vom Dichten und Trachten des Volkes in der ״Bauemhütte“, so entrollt L. Kompert allen ohne Unterschied in seinen Geschichten ״aus dem > Ghetto“ Bilder vom altjüdischen bis an die Grenzscheide unseres Jahrhunderts vorkommenden, zum Theil noch in dasselbe hinüberrägenden Leben, welche dem nichtjüdischen Leser eine völlig neue Welt erschliessen, den jüdischen Leser aber, auch den in den Sitten und Bräuchen seiner Väter erzogenen, erst recht mit der Summe jüdischer Denk- und Lebens- ״ weise bekannt machen müssen. Das ist eben der geheimnisvolle Zauber, des diesen Erzählungen innewohnt: sie scheinen in ihrer Anspruchslosigkeit nichts weiter als von bekannten Zeiten, von altbekannten! Gestalten jüdischen Volkslebens erzählen zu wollen, und doch führen sie uns erst 80 recht den Kern der jüdischen Volksseele vor das geistige Auge. Es hat erst der liebevollen, verständnissinnigen Auffassung des Dichters bedurft, die er .von der dort geschilderten Welt äusserer und innerer Vorgänge des jüdischen Lebens hat, der frischen, tiefgemüthliohen Wiedergabe seiner Beobachtungen and Anschauungen hat es bedurft, um uns das Eigene recht klar erkennen, za lassen. Ja, das Eigene wird uns durch seine Erzählungen, seine Schilderungen, wenn man so sagen darf, erst recht znm ״Eigensten“ gemacht. Es ist ein glück-, licher Gedanke der Gerschel’schen Verlagsbuchhandlung gewesen, gerade in der Jetztzeit, in einer politisch, religiös y und social so tief aufgeregten Zeit, in der die wahren Volskscharactere vielfach getrübt u. wie in einer ״camera obscura“ erscheinen, die Schriften L. Kompert’s, ״des berufenen Dichters des Ghetto“ zum ersten Mal in einer auch äusserlich würdig ausgestatteten Ges&mmt- Ansgabe dem deutschen Leserpublikum zu übergeben, durch welche dasselbe in den Stand gesetzt wird, sicravon Neuem in jene wohlbekaflnten, durch manches Neue vermehrten Bilder jüdischer Lehre za versenken, wie sie rein und blank aus der Dichterhand eines' Kompert hervorgegangen. Acht stattliche Bände soloher Romane und Erzählungen liegen uns in dieser