Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 3. (17.1.1884)
- Date
- 1884-01-17
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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% iWJipyjwjp 1p1״n»1p PP9PP ww 'ZfZ1r In der HpnKitfa». «u Perikope 130, VffBSflCiWhi Pischna, Par. 1 lesen wir: ״obgleich (Gott) ■ich den Propheten ausserhalb י des heiligen Landes im Verdienste der Erzväter geoffenbaret hat, so geschah es nur an einem reinen Ort beim "Wasser, vergl. Dajn. VLU, 2, das. X, 4, Ezech. I, 3. — 2. Im Midrasch jKohelet r. zu ITT, 11 heisst es: ״Man darf den Gotte anamen nur an einem reinen Ort und beim Wasser üjbeiliefern“. S. 21 Z. 7. v. u. wäre besser zu lesen1: ״weshalb sie ihre Kleider aufhob, um durch das!Wasser zu waten, wobei Salomo bemerkte, dass ihr Fuss mit Haaren bedecKt war“. Im Text des Targuni Scheni ist statt וחליזת zu lesen: וחלינת vom Sr xaAcvi«,; aufzäumen. S 26 Z. 16 v. o. wäre passender zu Ijesen: ״Die Spinne, die du mit den Händen greifen Rannst, sie hält 8ioh aber in königlichen Palästen auf*f So nach Eicheis Biur zu Prov XXX, 28. S. 32 Z. u. 11 v. o. Mein Onkel bemerkt, dass statt ״bar Elasar“ zu lesen sei: ״bar Elasts“ Einem solchen Eigennamen begegnen wir Jer! XXIX, 3; Esra X, 22; I. Chron II, 39. 40; das.! Viil, 73; das. IX, 43. - Ibidem Das Räthsel des Bar Kappara habe ich bei Gelegenheit im Jahre 1879 erklärt,! fand aber nachher in ״Palästina und Babylon“ von Ehrmann (Wien 18.10) dieselbe Erklärung ausführlicher!, darum will ich sie hier kurz wiedergeben: Die Ehe des unwissenden geistlosen, wenn auch reichen Mannes mit der Tochter berühmten und angesehensten Lehrers seiner Zeit, war nach damaliger Anschauung feine ausgesprochene Mesalliance. (Vergl. den Ausspruch Pesachim 49 b: Wer seine Tochter an einen ungebildeten Mann verheirathet, ist, als ob er״ sie gebunden und den Löwen vorgeworfen hätte*.) Des!Reichthums wegen hatte sich der selbst so reiche Rabbi den, wie es scheint, auch nicht mehr jungen Schwiegersohn ׳ •gewiss nicht herausgesucht. Die Tochter mochte nach ihren inneren und äusseren Eigenschaften nicht so leicht an den Mann zu bringen gewesen sein, sie war vielleicht nicht mehr in der ersten Jfegendblüthe, konnte schwer zu einer Parthie kom rufen und der Vater musste, wie so viele Väter, bei der Wahl des Schwigersohnes ein Auge zudrücken. Bar Kappara, der kecke Witzling, der bei aller Anhänglichkeit an den grossen Meister seinen Witz nicht unterdrücken konnte, legte nun mit Bezug auf das leidige Familienverhältniss, das dem Rabbi manche trübe Stunde machte, dem beschränkten Schwiegersohki Worte in den Mund, die dem Fragesteller selbst unverständlich waren, den grossen Rabbi aber um. so mehr verletzen mussten, als sie eine schmerzliche Seite seines Gemüths berührten. So erhält das Räthsel seine Losung: ״Vom Himmel schaute sie herab, die jetzt herumstreicht als reiche Hausbesitzerin, eine wahre Vogelscheuche. Es war des Mannes Schicksal, nicht seine! Wahl, denn Ehen werden im Himmel geschlossen.!Junge Leute versteckten sich bei ihrem Anblicke, Greise blieben stehen, es kam ein schon ziemlich bejahrter Bewerber. Wer glücklich entkam, mag jubeln, Wer gefangen wurde, muss wohl ein grosser Sünder gfewesen sein, dass ihn eine solche Strafe traf. (Schluss folgt.) Litteraturberieht. Recensionen. Weiss, J. H. דור דור ודורשיו. Zur Geschichte der jüdischen Tradition. 1LL Theil. Wien!883. gr. 8*. 327 S. 6^ Mk. (Schluss.) Wie kam es, dass von den beiden Talmuden, dem jerusalemischen und babylonischen, letzterer die überwiegende Anerkennung und Werthschäteung gefunden? 1 Ist doch gerade Jerusalem die Quelle, aus welcher das labende Gewässer auch der mündlichen Lehre geflossen! Wissen wir doch, dass gar viele hervorragende Lehrer Babyloniens, das heilige Land aufgesucht haben, am dort ihr Wissen zu fördern und zu bereichern! Wissen wir doch, dass gar häufig von Babylonien nach Erez Jisroel Anfragen gerichtet, und die von dort erhaltenen Bescheide für maassgebend und bindend gehalten wurden! Warum nun ist der jerusalemische Talmud im Ansehen hinter den.babylonischen zurückgetreten? Hierfür giebt es vor Allem eiüen historischen Grund. Wie gar .oft im Leben der Völker, so hat auch hier das Geschick auf das Schriftthum einen hervorragenden Einfluss geübt. Die äussere Lage der palästinensischen Juden ward ausserordentlich drückend in den Tagen des •Kaisers Constantin, da das Christenthum, neu gestärkt, mit Macht aufgetreten ist und wie im Allgemeinen, so besonders unter den’ Juden Propaganda zu machen suchte. Und wenn schon diese Lage an sich wenig dazu angethan war, den Geist in halachische Forschungen zu vertiefen, so drängte der Eifer, mit welchem das Christenthum für seine Echtheit und Wahrheit, Beweise ans der heiligen Schrift zu erbringen sich bemühte, in Sonderheit auf das Gebiet der Agadah, um für sich selbst Trost und Vertrauen zu schöpfen und andererseits jenen anti-jüdischen Angriffen entgegen zu treten. Dazu kam, dass die palästinensischen Lehrer in der הוראה allzu ängstlich, sich wenig erkühnten, mit Rücksicht auf veränderteZeitverhältnisse, -Umstände und-Erfordernisse von hergebrachten Bestimmungen und Halachoth abzuweichen. — Ganz anders in Babylonien. Hier erfreuten sich die Juden einer treundlichen^und wohlwollenden Behandlung seitens der Herrscher, hier konnte man frisch und froh, ungestört, und unbeirrt die ganze Geisteskraft auf die Halacha concentriren; hier scheute man sieh nicht, den Zeiten Rechnung za tragen und diesbezügliche, von früher in Geltung gewesenen, abweichende Bestimmu .gen und Anördnungen zu treffen. So ward Babylonien im Laufe der Zeit angesehen und anerkannt bezüglich der Halacha, in Palästina dagegen kam zur Blüthe und ward fruohtbar das Feld der Agada. " Wurde der Talmud von seinen Ordnern und Bearbeitern (der babylonische von R. Aschi und R^bina, der jerusalemische von R. Jose und seinem Schüler R, Jose bar liun) schriftlich oder nur mündlieh verfasst? Welcher Grund sollte sie denn abgehalten haben, seinen Inhalt auch wirklich niederenschreiben? Wohl hat es ein Verbot gegeben, das die schriftliche Abfassung von Halachoth, sowie das Vortragen mündlicher Lehren aus einem Buohe heraus untersagte. Aber hat nicht schon ״Rabbi“ selbst dieses Verbot dadurch wirkungslosgemacht, dass er — wie ja Scherira Gaon und Andere ausdrücklich melden — seine Mischna schriftlich verfasste? Hat nicht auch R. Chija die Boräithos aufgeschrieben? Und bietet nicht der Talmud selbst viele Beweise dafür, dass in Wirklickeit. Halachoth zu den verschiedensten Zeiten in Schrift vorhanden gewesen? Raschi freilich und seine französischen Anhänger sind gegen die Annahme einer schriftlichen Abfassung der Mischna und der Talmuds, sie meinten wohl, Rabbi, R. Aschi' und R. Jose konnten doch nicht"1 gegen jenes Verbot verstossen haben, und sie übersahen darüber die ungeheure Schwierigkeit, welche ihre nur mündliche Ueberlieferung rein zur Illusion machen. Denn wer da weiss, wie gar häufig und leicht sich das Gedächtniss des Menschen trügerisch erweist, der kann ihm nicht znmnthen, den geaammten halachischen Stoff, wie er sich bis zum Abschluss des