Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 3. (17.1.1884)
- Date
- 1884-01-17
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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!-..™ך* •יי״ויימי) T. angehäuft, naher, dem Wortlaute nach f&r die Dauer an bewahren. Ja, gerade dieser conservative Sinn, der Sinn, die mündliche Ueberliefernng vor Verlust, vor Vergessenheit za schätzen and sie in Sicherheit za bringen, er masste dahin drängen, dieselbe niederzuschreiben. Und dies hat, wie ,Rabbi“ so aach ß. Aschi gethan, and darauf weist anter Anderem namentlich ein Citat aas den Halachoth Gedolothhin, welches sich im Mordechai(Pe8achim Ü, 503) findet. — Diese Blamenlese genäge, am aach den dritten Theil des Werkes ״Dor Dor Wedorschow“ allen Sachkündigen za empfehlen. Aber aach denen, welche nichts weiter erfahren wollen, als die Glaubensand Hör allehre der Jaden, wie sie aas dem Talmnd resaltirt, sei er empfohlen, da der Verfasser diesem Thema zwei besondere Capitel (S. 297—319) widmet. Möge es dem arbeitsamen, greisen Verfasser vergönnt sein, sein geistvolles Werk ungetrübt and ohne jedweden Kammer, in Frische des Geistes and des Körpers, weiter fortzaführen and zur Vollendung za bringen! Lablinitz. Dr. Friedmann. 1. Der Antisemitismus. Von Julius Lippert. (Sammlung gemeinnütziger Vorträge. Heraasgegeben vom deutschen Verein zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse) in Prag. No. 88. 2. Die Teufelskralle. Fine düstere Erzählung von Früher für Jetzt. Zur Geschichte der ,Blutopfer“. Preis 50 Pfg. Leipzig. Verlag der Kössling'schen Bachhandlang 1884. Der Herr Verfasser der erstgenannten Broschüre feisselt die antisemitische Bewegung, aber nicht mit er Consequenz, wie es im Interresse wahrer Volksbildang wünschenswerth erscheint. Er verabscheut and kommt dann mit dein Pferdefass der VerkTaasalirang. ״ Man kann sich nicht darüber täuschen, sagt Herr Lippert, dass die Bewegung in letzter ■ Reihe auf einem realen Grand socialer Verhältnisse ruht, die eine Erbschaft der Vergangenheit and ihrer Sünden sind. Darum hat sich auch fast allenthalben ein Anhang der Agitation gefunden.“ Wenn wir an die Analyse dieser Gedanken gehen, so finden wir, dass Herr L. doch nicht auf dem Boden der Vorurtheilsloeigkeit. sich befindet. So sagt er ferner: ״Wenn es eine Jadenfrage giebt, wenn ein Theil dieses Stammes — immer nur mit dieser Einschränkung reden wir von Juden — durch wessen Sohuld immer ־in einer Lage sich befindet, dass sein Erwerbsleben and die Art des Betriebes desselben die gemeine Wohlfahrt an irgend einem Theile gefährdet in einer Weise,' dass diese Gefährdung nicht durch das Gesetz alleirr abgewandt werden kann — dann wären die vom ״Antisemitismus* vorgeschlagenen, sowie die unter verkappter Leitung von Pöbelrotten in Ungarn angewandten Mittel die alleruntauglichsten“. Wir müssen offen bekennen, dass ans dergleichen conditionelle Rede- Wendungen ebenso verkappt erscheinen. Rücksichtslose Aeasserangen tragen eher zur Klärung bei, als solche anter dem erwähnten Gesichtspunkte, wie ihn? der Verfasser beliebt. Jedes Individuum ist Schwächen und Irrthümem unterworfen, die es lediglich allein za hassen and zu verantworten hat; diese auf das Conto einer Gemeinschaft schreiben, heisst die Begriffe Objectivität, Humanität nicht erfasst haben. Und weist man ans auf eine ethnographische Wissenschaft hin, so zeigen wir auf Hellwald and Consorten. Die Kampfesweise unserer Gegner wurzelt eben in dem durch nichts za begründenden Generalisiren. Wir würden selbst die Idee als hirnverbrannt bezeichnen, wollten wir von ״christlichen“ Raubmördern sprechen and nun gar diese dem Christentham an die Rockschösse hängen. Wir wissen, man redet von übergrosser Empfindlich- keit, die die Juden hegen und davon, dass sie ihre eigenen Fehler nicht einsähen. Dialektische Spitzfindigkeit! Wer sich rein weiss von jeglichem Betrug, vom Wucher und anderen unsittlichen Manipulationen, der hat das Recht und die Pflicht, gegen die erwähnte Kampfesweise ein entschiedenes Veto zu erhebeD. Auch der Verfasser der zweiten Broschüre, ein anonymer Katholik, steht auf ähnlichem Standpunkt. So sagt er u. A.: ״Die Verderbtheit in Gesinnung und Wandel, deren man heute das Judenthum (!!) anklagt, ist zum grossen Theil die Frucht der Intoleranz und Engherzigkeit der Christen “. Wir sehen hier eine Prämisse, der jeder thatsächliche Boden fehlt und dann ״die Intoleranz und Engherzigkeit der Christen“ als das Ganze entschuldigend binzugefiigt. Und hierauf folgt eine Verherrlichung der Religion des Judenthums, deren Idealismus und sittliche Reinheit vom Antisemitismus in Zweifel gezogen wird“. Auf sein eigentliches Thema übergehend, betont der Herr Anonymus, ״die gewissenhafteste Wissenschaft- Hohe Forschung habe ergeben, dass dem Judenvolke der Genuss des Blutes, als Symbol des Lebens und der Seele“ verboten sei und dass weder in der Litteratur, die vom bürgerlichen und religiösen Leben der Israeliten erzählt, noch in deren Ritual werken eine Satzung entdeckt werden kann, durch welche der Gebrauch des Christenblutes zu rituellen Zwecken gestattet ist. — Auf die bejahende Beantwortung der Frage: ״Ist das Opfer von Menschenblut, dessen das Volk dfer Juden beschuldigt wird, nicht auch (8011 wohl heissen: vielmehr Red.) von Christen verübt worden?“ wollen wir hier nicht ausführlich eingehen, sondern nur berühren, dass eine christliche Religionssecte in Ober-Oesterreich, die sog. betenden Brüder, vom religiösen Wahnsinn befallen, u. a. in der Nacht des 30. März 1817, drei Tage vor dem Osterfeste, aifcf einem Mädchen von 20 ־.ahren, als ״Osterlamm“ auserwählt, buchstäblich die Kreuzigung vollzöge!*. Auch wir schliessen mit den beherzigenswerthen Schlussworten der genannten Schrift des katholischen Verfassers S. 36: ״Welcher Katholik oder evangelische Christ wird es wagen, für die ״Christus-Mörder“ in Ampfelwang, in Ober-Oesterreich, und diö Kreuzigung in Wildensspruch, in der Schweiz, die katholische Kirche und ihre 212 Millionen Gläubigen, oder die evangelische Lehre und deren 127 Millionen Bekenner verantwortlich zu machen? Keiner, wenn er rechtgläubig ist and seinen Verstand besitzt. Und ebenso wenig darf ein Kulturvolk sich anmassen, die sieben Millionen Juden, die in der Welt zerstreut leben, deshalb in den Bann der Verfolgung u. 8. w. zu thun, weil in vergangenen Jahrhunderten gegen einzelne Stammesgenossen derselben die Anklage wegen ״Blutopfer“ erhoben worden ist und später ׳ vielleicht noch erhoben wird. ״Hass und Verachtung,“ sagt Dr. Döllinger, der erleuchtetste Theologe unseres Jahrhunderts, in seiner akademischen Rede: ״Die Juden in Europa,“ — ״sind ein ,Gefühl, traurig und unerquicklich für den, der es hegt; peinigend und erbitternd für den davon Betroffenen!“ — M, Sp. Briefkasten der Ftedaction. .. Herrn Dr. 8. in W. Die eingesandte Recension ist zwar etwas sehr gross, aber da der Gegenstand einer ausführlichen Besprechung nicht nur werth, sondern bedürftig ist, so werden wir dieselbe ungekürzt aufoehmen. — Die angebotenen Artikel über die ״Beerdigung»trage“ werden uns willkommen sein. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Bthmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Bobert Friese, Leipzig. .V i