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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-01-10 · No. 2. (10.1.1884) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 2. (10.1.1884)
Date
1884-01-10
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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Ela© immiitelbere Folg« der KeUeriachea-Bef leuch tu Dg dieser Schrift war die Entfernung derselben ' au■ dem Unterricht am Priestersemtnar dee Bisth. ' Basel Nunmehr wurde dort das Lehrbuch der Moraltheologie vom Erzbischof K6nriok eingeführt. Diee erfahren wir ans dejf Vorrede der Schrift ״Ein zweiter (Jury oder die Mora&hecdogie vön Kenrick als Ersatz Ihr diejenige des Jeshitenpaters Gury“. Aarau, Sauerlinder, 1870. In derselben Vorrede wird behauptet, dass von dem neuen Lehrbuch das alte an Schamloeigkeit weit übertroffen werde. S. 4. Der Inhalt der Eenrick’sohen Lehrsätze muss selbst das Schamgefühl eines Wollüstlings verletzen. S. 8. Es ergiebt sich, dass, was Gary lehrt, nicht neu und nicht von _ihm erfunden, sondern auch von Andern gelehrt worden und xauch in andern Moraltheologien zu finden sei. / S. 10/Am der Xehre vom Eid. (Kenrick, Band L S. 50—57) Ern offener geistiger Vorbehalt (restrictio late mentalis^ der aus den Umständen genügend zu \ erkennen ist, kann aus gewichtigen Gründen ohne ^־vSclyild beim Schwören angewendet werden. So darf der Priester schwören, er wisse ganz und garnicht, was er in der Beichte erfahren hat, denn es versteht sich von selbst, dateb nur von einem ausser der Beichte erlangten Wissen cle Bede 18t. S. 24. Wer ein an- ־ katholisches Mädchen durch das Versprechen der Ehe za einem Vergehen verleitet hat, scheint nicht verpflichtet zu sein, es zu heirathen (Kenr. Bd. L S. 357). Aus der Encyclica des Papstes Pius IX vom 8. December 1804 heben wir nur folgende ״Irrthümer“ hervor: Die an Wahnsinn grenzenda/Meinung, dass die Gewissens- und Caltasfreiheit eurjedem Menschen ’©igenthümliches Becht sei; die Unterordnung der Autorität des heil. Stuhls unter den Machtspruch der bürgerlichen Autorität; die Behauptung, dass die Deerete des heiligen Stuhls der Genehmigung der Staatsgewalt bedürfen; das Becht, dem römischen Stahl den Gehorsam zu versagen. All’ ״diese Irrlehren werden verworfen und verdammt“. Verwerfen heisst: für falsch und verderblich erklären; und verdämmen: die Bekenner der Irrlehren mit Strafen bedrohen, sie ihnen zaerkennen für diesseits und jenseits. Aus dem Syllabus desselben Papstes seien nur folgende ״verdammte Sätze“ erwähnt: Die Menschen können in der Uebung jedweder Beligion den Wäg des ewigen Heils finden und die ewige Seligkeit erlängen; wenigstens, darf wohl gehofft werden für das ewige Heil Aller, die in keiner Weise in der .wahren Kirche sich befinden (den Akatholiken wird also selbst die Hoffnung abgesprochen!); der Protestantismus ist nichts anderes als eine verschiedene 7 o rm derselben wahren, christlichen Beligion, in der es möglich ist, Gott ebenso zu gefallen wie in der katholischen Kirche; in unserer Zeit ist es nicht mehr nützlich, dass die katholische Beligion als alleinige Staatsreligion mit Ausschluss aller andern Kalte gelte; der römische Papst kann und muss Bich mit dem Fortschritt, dem Liberalismus und der modernen Civilisation versöhnen und vergleichen. ״ Luther sagte gegenüber der Meinungsverschiedenheit der anderen Beformatoren: Ich kann kurzum nichts hören noch leiden, das meiner Lehre entgegen ist. Darum hatten Karlstadt und Zwingli ein ״durchteufelt, lästerlich Herz und Lügenmaul“ und 8011 kein Christ für sie beten. Dagegen soll man fleissig beten, ״dass Zwinglis Ende, - Untergang und Sturz binnen kurzem kommen möge“. (De Wette HI. 290.) Die Bauern in Sachsen, denen Luther seine Lehre gebracht hatte, nennt er ״Säue, Vieh, Bestien“ (Walch. 1,615. 8,1290). Ferner schreibt er: ״Ich, Martin Luther, habe imAafruhi alle Bauer» ersohlagen, denn ioh häb© sie' ג heissen todtechlagen; all’ ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ioh weise es auf unsern Harra Gott, der״> hat mir das za reden befohlen (Erl Aasg. 59,285 ff.): Doch genug!;... Wir könnten noch 80 Mancherlei, das - hierher gehört; aas den symbolischen Büchern und andern Schriftwerken, anfübren, aber das beigebraohte Material, dürfte genügen. Wir wollen hier auch nicht betonen, wie oft angeblich im Kamen des Christenthams nicht blps die ״Jungfrauen“ der Jaden thatsächlich zu Tausenden hingemordet wurden. Aach wollen wir die Lehren des biblisohen, talmudischen und nachtalmadischen Schriftthums, sowie der zahlreichen Beligionsbücher für niedere und höhere jüdische Schulen resp. der Schriften über jüd. Moraltheologie (z. B. der Israelitischen Moraltheologie von Luzzatto, aus dem Italienischen deutsch übersetzt von Dr. Igel), die alle in modernen Sprachen abgefasst and aller Welt zugänglich sind,, mit den vorhergedachten Lehren nicht vergleichen, wir beabsichtigen hier keine Apologie des Judenthums. Auch liegt uns die Absicht fern, sehr fern, die katholische oder protestantische Belgion herabzuwürdigen. Davor behüt’ uns Gott! Wir können nachweisen, dass wir — bei aller Treue ־'־ ‘ י' ’ ''”יי " י■ י י vertheidigt haben. (S. unsere Schrift: Der vierfiissige Speisvogel and die zweifüssigen Spassvögel. Skrzeczek, Löban in Westpr.) Wir legen ebensowenig wie Dr. Keller und andere erleuchtete Katholiken die Moral Gary’s oder Kenrick’s und ähnliche Systeme dem gesummten Katholicismus oder gar allen Katholiken zur Last; selbst bezüglich der Encyclica sohliessen wir uns in ,vielfacher Hinsicht der ״Ausführlichen Beleuchtung der päpstlichen Encyclica von einem Katholiken“ (Leipzig, 1865, Brockhaus) an. Der Verfasser ist ein sehr aufgeklärter, wissenschaftlicher Denker, der die Encyclica bekämpft, ״nicht weil sie katholisch, sondern weil sie nicbtkatholisch, ein Parteimanifest ist etc.“ Aehnlicherweise urtheilen wir über Protestantismus und Protestanten gegenüber den erwähnten und verwandten Kundgebungen Luthers and mancher Protestanten. Ja, wir stehen nicht an, mit dem berühmten . Babbiner Jacob Emden (aus dem vorigen Jahrhundert) za sagen: ״Heil ans und Heil den Bekennen! der Heilsbotschaft, wenn ־sie die liebevollen und menschliehen Lehren derselben, stets beherzigt hätten!“ — Fürwahr, es widerstrebt unserm ganzen Denken und Empfinden, irgend eines Menschen Heiligthümer zu missachten; und wenn wir einen verhältnissmässig kleinen Theil des angreifbaren Materials aus nichtjüdischen Schriftwerken und entsprechende geschiohfcliehe Thatsachen hier vorführen, so geschieht es einzig und allein zu dem Zwecke, jedem Unbefangenen zu veranschaulichen, was sich Alles nach nichtjüdischer Bichtung hin schliessen lässt, wenn Delitzsch's Folgerungsweise normgebend sein darf Und in gewisser Beziehung würden wir zu solchen Schlüssen berechtigter sein, als Delitzsch zu den seinigen. Denn dass die Kabbala, welche die qu. teuflisch erdachte Lehre enthalten 8 011, nur einem kleinen Theil des Volkes bekannt nnd von einem grossen Theile desavouirt wird, sagt Delitzsch (S. 10) selbst״ Wir weisen diesbezüglich nur auf die Schrift ״Mitpachat Sepharim“ des bereits genannten strenggläubigen Emden hin, welche die Echtheit des ״Sohar“, des kabbalistischen Hauptwerks, entschieden bestreitet. Fenier fragen wir: In welchem Babbinerseminar wird aus dem kabbalistischen Werke ״Sepher Halikkutim“ Moral- . theologie gelehrt? Steht dieses uns etwa höher als der Dekalog mit dem allgemein gehaltenen, klaren

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