Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 2. (10.1.1884)
- Date
- 1884-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 8 Mark kostet), erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 15 Pf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen i mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. BuchhÄndler, welche direct oder durch Robjert Friese in Leipzig, Inserate einsenden, erhalten 25yC Rabatt. * ■ Inhalt: 1 Wissenschaftliche Aufsätze: PostScript zü den bisherigen Urtheilen über Prof. Delitzsch’s Schriit ״Schachmatt“. Von Dr. Kroner. ' Litteraturberich t: Weiss, .1. H. דור ל1ל ודור״שיו. Zur Geschichte der jüdischen Tradition. — Jose jh Derenboutg. ' Essai de Restitution de l’annicenne redactiotn de Massecbet Kippourim. Notiz en Nachdruck nur mit Broiler Quellenangabe!gestattet. PostScript 1 z« den bisherigen Urtheilen über Prof. Delitzsch’s Schrift ״Schachmatt". Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. Wir pflichten vorab den bisher veröffentlichten günstigen Urtheilen über die Schrift ״Schachmatt den Blutlügnem pp “ hei — nach bestem Wissen und Gewissen, mit tiefster Dankbarkeit und Verehrung gegen den hochgesch. Verf. Gewahren wir doch in dieser Schrift wiederum jenen wissenschaftlichen Adel, jene unentwegte Charakterstärke, jene Fülle und Vornehmheit des Geistes, die wir schon früher oft an Delitzsch zu bewundern hatten. Bei denen, welche die Macht der Wahrheit —)nicht die sog3n. Wahrheit der Macht — leitet, sind die bekannten!״Blutlügner“ nnn wieder einmal Verdientermassen gerichtet. Doch bei aller Ehrerbietung gegen den grossen Forscher können wir eine Bemerkung in ״Schachmatt“ nicht beifallswerth finden, sie erscheint uns unzutreffend und in den daraus leicht ::u ziehenden weiteren Schlüssen mindestens ebenso bedenklich für das Christenthum wie für droJudenthum. Es erinnert uns dieselbe an Dr. JellinJgt Bemängelung gewisser Seiten der Polemik des Herrn Professe; ־s Delitzsch. Dieser schreibt nämlich S. 10 ff. des 1״ :Schachmatt“, dass, wenn die eine Stelle (über Jungfrsuenmord) in dem qu kabbalistischen Buche vorhanden wäre, sie iden Juden eine Nationalschuld aufbürdete, dem!jüdischen Namen ein Verbrecher-Brandmil aufprägte, [die Blutanklage berechtigt erscheinen liess s u m. dergl. Wir wagen dagegen zu behaupten, dass, wenn 1eine Stelle wie die teuflisch erlogene in der Kabbala wirklich existirte, die gedachten Schlüsse Delitzsch’s ebensowenig zuträfen, wie ir Bezug auf Katholiken und Protestanten die Schlüssle, die etwa!Jemand aus folgenden litterar-historischenj Thatsachen [ziehen wollte: i In der Schrift des Kirchenvaters Tertullian de peot&c. cap. 30 finden wir die Wonne dieses Kirchenrater8, einst die Ketzer in der Hölle braten zu' sehen, in einer Weise ausgemalt, die der grosse englische Historiker Gibbon als infernal bezeichnet^ Irenaeus contra haer. I, 16 und Anguetinus.de oiv. Dei XIV, 8 bezeugen, dass die Kirchenväter den Friedensgruss an Ungläubige überhaupt verboten. Die Gesetze gegen die Ketzer im cod. Theod. entrollen uns Gemälde menschlicher Verirrung, die nur mit GraueD betrachtet werden können. Noch Justinian erachtet es tür keinen Mord, einen Andersgläubigen umzubringen. Proc. Anecd. c. 13׳. Bekanntlich wurden die Reuden von den Christliehen Deutschen als Hunde bezeichnet, wodurch Ortsnamen wie der Hundemarkt, die Hundebräcke in Berlin, Hundekehle, Hundsbelle und ähnliche sich erklären. — Doch gehen wir zur neuern Zeit über. י Im Jahre 1869 erschien in zweiter Auflage bei Sauerländer in Aarau ein Werk: ״Die Moraltheologie des Jesuiten - Pater Gury als Lehrbuch am Priesterseminar des Bisthnms Basel. Beleuchtet von Dr.A. Keller“.! Wer ist Keller? Aarg. Erziehungsdirector, Landammann | und — ein frommer Katholik, dem der Glaube seiner i Väter ein Heiligthum seines Herzens ist. (S. 370.)! ן Von jener ״Moraltheologie“, die auch in anderen; zahlreichen Priesterseminarien eingeführt war, bezw. j ist, behauptet Keller (in der Vorrede), dass ihre Grundj sätze gegen die Würde der christlichen Religion, gegen; die allgemeine Ethik, gegen die öffentliche Ordnung und Sittlichkeit m a s s 1 o s verstossen. S. 352 schreibt er: Man findet darin mitunter : scholastischen Scharfsinn und .prägnantes Urtheil; aber { handkehrum muss man wieder lachen über einen spitz- : findigen Blödsinn, oder sich ärgern über eine probabilisirte Schlechtigkeit, oder endlich sich schämen, dass man dem Verfasser in eine Gasse der Unzucht.ge- 1 folgt ist. d S. 354. Es ist unbegreiflich, wie ein solches Mach- ן werk den Weg in so viele höhere Lehranstalten finden j konnte. - ' “ j S. 355. Das Zuchtpolizeigericht in 'Frankfurt J erklärte die Gury’sche Moral für ״unzüchtig“. Diese! Eigenschaft des Gury’sehen Lehrbuches ist aber nicht blos in Folge amtlicher Untersuchung, durch ein! gerichtliches Urtheil. constatirt, sondern ich habe seine! Vielfachen, höchst ärgerlichen, alles Schamgefühl tief : verletzender! Obscöuitäte'n dem_ Leser selbst unter die 1 Augen gelegt. S. 374. Die Conferenz der Diöcesancantone hat! officiell, nach genommener Einsicht, in dem Lehrbuoh selbst eine ganze Reihe der vollsten Beweise für die Wahrheit meiner Angaben über den Inhalt des Baches constatirt. יי . ü.Vl .