Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 13 (1884)
- Issue
- No. 1. (3.1.1884)
- Date
- 1884-01-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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die sich Gallier nennen, stammen nur xfckn geringen ThaiJ vota Qalliero ab; die Väter der Banen, die Slaven zu sein glauben, sind Tataren. Und der Deutsche, der.auf die Echtheit seiner Ba|oe schwört und sqine Verwandtschaft in direkter Liu|e von den Cimbern und Teutonen ableitet, ist zur ן jäten Hälfte slavisch. Diese Kreuzung der Racen läiist sich auf Grund historischer Daten und in Ermanglung solcher ethnographischer und anthropologischer Nachweise ganz genau constatiren. Was die Reinheit der Race anbelangt, wird so ziemlich überall den Juden die Palme zugesprochen. Man nennt sie Semiten. Nun aber ist dies, was Europa .anbelangt, eine kolossale Täuschung. Von Sem stammen höchstens die Insassen einiger kleiner Dorier in Innerasien, in Bokh&ra und Samarkand, ab, welbhe nach Untergang des jüdischen Reiches in diese Länder verschlagen wurden. Ihnen sieht man thatsächlich die Reinheit der Race an. Die Kriterien der semitischen Race sind: hohe, hagere Gestalt, langes ovales Haupt, rundes Auge und keine gebogene Nase. Wie viele Juden giebt ei! in Europa, auf welche diese Kennzeichen genau passen? In Wahrheit giebt es unter den europäischen < uden keinen Semiten, und die polnischen Juden, auf welche man -die Bezeichnung ,Semiten“ am meisten anwendet, sind dies am allerwenigsten — trotz iluer Schläfenlocken, die gar nichts beweisen. Die polnischen Juden sind sammt und sonders Tataren, die auf sehr originelle Art Juden geworden sind. Dort weit hinten in der Tatarei gab es nämlich einen Stamm, Kasaren hiessen seine Angehörige ב, deren Chef um das Jabr800 n. Chr., des Heidenthums mü de geworden, eine vernünftige Religion anzunehmen wünsc hte. Er berief daher einen jüdischen Rabbiner und ve •schrieb sich aus Constantinopel einen christlichen und aus Arabien einen mohamedanischen Priester. Diese drei Seel- Borger stellte er gegen einander und lud sie ein, sich über ihre respektiven Glaubensmeinungen zu äussem. Der christliche und mohamedanisohe Priester be- .gannen sofort,? sich aut'8 Eifrigste über ihre Dogmen zu befehden und disputirten wacker darauf 108, während der jüdische Rabbiner kein Wort sprach und fein stille hielt. ״Das Schweigen des Juden,“ dachte nun der Tataren-Kahn, ״ beweis t jedenfalls, dass seine Religion besser ist, als die der Anderen, da er das Disputiren für überflüssig halt und sich seiner Sache sicher fühlt.“*) Und der Tataren-Fürst nahm mit der überwiegenden Majorität s einer Horde sofort das Judenthum an. Im Laufe der Begebenheit wurde dieser tartarische Stamm von seinem ursprüngliehen Wohnsitz in Asien nach und ns ,ch bis nacn dem europäischen Russland und nach Polen verdrängt. Und ebenso wie die polnischen Juden ki ine Semiten sind, entstammen auch die übrigen Jucen Europa’s nicht dem Stamme Sem’s. Sie sind eben deutsche, ungarische, französische, englische Juden . . .“ Selbstverständlich zog Professor Vambery auch aus diesen wissenschaftlichen Prämissen di s Conclusion, dass das Wort ״Anti-Semitismus“ ein noch grösserer Unsinn sei als die Sache, die man damit kennzeichnen will. ״Nicht Nationalität und Race ist.es, welche einen Volksstamm eint, sondern die Nation, die Gesammtheit unserer gemeinsamen Gefühle und Interessen . . .* Damit schloss Profess :r Vambery. Zur Richtigstellung. Die in No. 47 des Litteraturblattes niedergelegten Aeusserungen des Herrn Dr. Kroner zwingen mich, •so unlieb es mir auch ist, zu folgenden Bemerkungen: 1. Nicht ״abgethan werden En Jakob, Jalkut, 3tif und Aruch“, im Gegentheil ist dieser L. A. in *> Vergl, hierüber Gräte Gesch. d. Jud. B. V. S. 214. 3. meinem Artikel eine auf die Quellen .eingehende Behandlrmg gewidmet, die zu dem Resultat führt, dass die Anführung des Spruches מול קיסס Erachin 16 b. in höchstwahrscheinlich ein Glossem ist und dass der Abschreibefeuler שדך innerhalb dieses Glossems, nicht aber B. Bathra 15 b. sich eingeschliohen hat. (Besonders zu vergl. in No. 88, Anm. 2). 2. ״Was bedeutet in unserem Falle עיניך Ueber die von mir gegebene, auf inneren Gründen beruhende, und mit Belegen versehene Erklärung setzt sich Herr Kr. mit Stillschweigen hinweg, ihm ist es um den biblischen Sprachgebrauch zu thun, als ob dieser hier entscheidend sein könnte. Allein in Bezug auf das Sprachliche geben gerade die neutestamentlichen Stellen Aufschluss, in denen sich nicht der Plural, sondern der Singular findet: ix 0סד — ixb toö &p8-aXpoO — also מבין עינך ohne (י nach dem ל; der Plural aber ist entstanden daroh den geläufigen biblischen Gebrauch von בין עיניך♦ Was aus einer Quelle stammt, das erhellt sich efcen gegenseitig. Nach Herrn Kr. hätte dem N. T. nicht nur eine falsche L. A. Vorgelegen, sondern es wäre noch obendrein das Falsche falsch verstanden worden. 3. Wodurch wird die von mir־ nioht erwähnte Stelle: קיסם לחצוץ בו »ת שניו (Beza 4,6) zu einem ״locus classious?“ weil dieselbe. in der von mir be-, sprochenen, von Herrn Kr. wahrscheinlich übersehenen Erklärung R. Samuel Edels enthalten ist? oder weil sie neben allen citirten Stellen aus dem Talmud und dem N. T. in Löwy*s chald. Wörterb. s. v. 00קי sich vorfindet? Oder weil dieselbe als Stütze für die L A שניך dienen soll? Mir wäre es unmöglich in jener, Stelle irgend etwas von Classicität zu entdecken, selbst wenn ich der eifrigste Vertheidiger der L. A. שנץ״ wäre. 4. Das Wort ״sinnlos“ kommt in meinen Ausführungen nicht vor, schon darum nicht, weil ich bestrebt bin den Grundsatz: ״Fortiter in re, suaviter in modo zu befolgen“. Die Ausdrücke ״schön“ und ״unschön“ sind nicht nur nicht angewendet, sondern es findet sich nicht die leiseste Spur einer Anspielung auf das ästhetische Gebiet — einzig und allein von der sinnigen Moral ist die Rede. In der Wissenschaft ist das schön, was wahr ist 5. Es wird die Stelle aus Zacharias (9,7) והסרתי דמיו מפיו ושקציו מבק שניו ונשאר גם הוא לאלהינו, die höchstwahrscheinlich von Götzenopfem handelt, angeführt, um für die Wirklichkeit eines Zahnstochers den Beweis zu ermöglichen. Nicht der Zahnstocher ist zu erweisen, an dessen Existenz —• überall und zu jeder Zeit — ja gar nicht gezweifelt worden, sondern es frägt sich, nach dem Sinn und der Bedeutung des Zahnstochers in jenem Spruch. Und damit hat der wirkliche locus cassicus des Propheten Zacharias nichts gemein,. zumal nach der Auffassung des Herrn Kr., wo es sich um eine Nachlässigkeit u. s. w. aber nicht um eine moralische Rüge handelt.*) Dr. Sidon. Litteraturbericht, Recensionen. Die antisemitische Bewegung in Deutschland, besonders in Berlin, nach Voraussetzungen, .Wesen, *) Um den Gegenstand za, völligem Abschluss za bringen, Hessen wir obige ,Richtigstellung“ Herrn Dr. Kr. zu einer letzten Aeusserung zugehen. Derselbe hält eie jedoch in den wesentlichen Punkten für unerheblich, und nimmt deshalb von einer ausführlichen Erwiderung auf dieselbe Abstand. Damit ist die Angelegenheit nunmehr erledigt. ' (RedJ