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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1884-01-03 · No. 1. (3.1.1884) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
13 (1884)
Issue
No. 1. (3.1.1884)
Date
1884-01-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Bmohtdg&ng und Folgen, dargelegt. Ein Beitrag aasr Lüning der Judenfrage von Erich Lehnhardt. Zürich 1844 (Verlags-Magaain) 102 S. 8. Eine seltsame Schrift. Für den Talmud gilt ihr Bob Hu g, für das Juden thum und die Jnaen Benne am Rhyn als glaub wüdige Quelle — die Bibel swirdbegeifert und verlästert. (Zinsnehmen wird in der beliebten Manier mit Wucher übersetzt!) Und daneben erhebt sie sich zu vorausseteungsloser, gerechter Würdigung. Dem Treitschke’ sehen Kreise schemt dar Verfasser anzugehören, sein Styl hat etwas Vornehmes und Bestechendes. Doch sein Mittel ist das des Dr. Eisenbart: Tod heilt von aller' Krankheit. Er verlangt den Uebertritt zum Christenthume, dann Würden wir Deutsche werden! Nicht unserer selbst willen bedauern wir, dass diese Forderung so oft wiederholt wird. ' Wir werden ihr keine Folge leisten, und doch treue Söhne unseres deutschen Vaterlandes bleiben! Aber wehe, wenn der Katholik nur die Katholiken, dar Protestant die Protestanten, der Freigeist die Religionslosen als die allein wahren Deutschen proklanüxen wird! Und dahin kommt ihr, zum Schaden und zur Unehre des deutschen Namens! Aber die Ehe? Haben die nicht Recht, welche behaupten, dass man Wicht zu einem Volke gehört, wenn nicht freies Oonnnbium herrscht? Ja, der Staat soll dem freien Willen derer, die eine Ehe schliessen wollen, nur sittliche Schranken setzen! Aber wehe, wenn die Bedenken der Anhänger verschiedener Bekenntnisse,!wenn die Bedenken der verschiedenen Klassen- und Bteueretnfen ׳ gegen die Verheirathung ihrer Angehörigen als Grund des Absprechens der Volkszugehörigkeit gelten sollte. Dann würden Bauern und [Bürger den Adel, die Bataillone des vierten Standes die Blitzenden aus dem Volke ausschliesten und *JratT'dam Lande jagen, denn wie selten verschwägern ■ich Angehörige dieser Stände mit einander! Die Deduktion , dass wir Juden deshalb keine Deutsehen sind, ist daher einfach falsch. Nun sollen wir jüd. Arme, jüd. Stadenten, jüd. Institutionen und zumal die Alliance nicht unterstützen! Habt Ihr nicht Euren Gustav Adolf-Verein, nicht die massen Brüderschaften vom Herzen Jesu u. 8. w. Sind üicht die meisten Stipendien an Schulen and Universitäten nur an Bekenner christlicher Bekenntnisse zu vergeben? Werden nicht die Vagabnndencolonien — zu welchen Staats- und Provinzialmittel hergegeben werden — streng oonfessionell, protestantisch oder katholisch, gestaltet? Und da sollen wir für die Unsrigen nicht sorgen, ftr die weder der Staat noch die Provinz, noch der Kreis, noch die ״christliche Menschenliebe“ sorgen will? Sollen wir sie untergehen und zu Vagabunden werden lassen? Und־ selbst dann würdet das ״praktische Christenthum* sich ihrer nicht annehmen. ״Jüdische Frechheit, Arroganz, Zudringlichkeit!“ — Es mag ja ■ein, dass einig#, zufällig von Juden geleitete Blätter nicht immer in den rechten Grenzen geblieben, dass Einzelne sich schlecht benommen haben. Mir gefallen auch nicht alle christlich-deutschen Blätter, ™יי• behagt das Benehmen vieler Deutschen nach dem Herzen des Herrn Lehnhardt auch nicht! Aber endlich muss auch das einmal deutsch herausgesagt werden: Wir verbitten uns die Frechheit und Zudringlichkeit, mit der Ihr Euch um unsere religiösen Angelegenhüten bekümmert; wir Juden verbitten uns die ananständige Weise, in welcher Ihr das begeifert und beschimpft, was uns hoch und heilig ist! Hierin, Herr Lehnhardt, leisten Sie, der Polirtesten und Anständigsten Einer, me^r, als der ״Börsenkurier“ und sonstige — mit Recht oder Unrecht den Juden zur' Last gelegte — Zeitungen gegen das Christenthum gesündigt naben! Kehre Jeder vor seiner Thür! Dann werden Sie finden, dass an den christlichen Genpanen noch gar Manches zu bessern ist, bevor sie die Ideale des Menschthums bilden! Wir arbeiten, von unserer Religion unablässig dazn angespornt, an dem Tdgen der Mängel, die unsrem Charakter und Wesen wirklich anhaften. Dazu bedürfen wir keines Antriebes! Gleiches Recht und gleichen Raum gebt, dann werden die edlen Regungen sich mehren und die Gemeinheit auf hören, tonangebend zu sein! Denn sicher wird Herr L. in den Reihen der antisemitischen Führer bei näherem Zusehen, mehr, als den einen Bestraften finden. Uns sind die Führer der Bewegung so verlogen und gemein vorgekommen, dass wir’8 für eine Ehre halten, von ihnen begeifert zu werden! — Uns ist die Schrift des Herrn L. ein Symptom, dass es allmählich zu tagen beginnt. — Der Morgen graut! Notizen. 1. Herr Babbiner Dr. Deutsch will im Tugum zum HoheaL o. 7, 8!אר52ת ידיהו in אצמת emendiren,*) möglich, aber, dass das Targum hier auf den Gebrauch anspielt, nach welchem die Priester beim Segenspenden je zwei Finger zusammentügen sollten, die ausgebreitet sich wie vier Hände gestalten.**)•י- Ferner bemerke ich, dass צליב nicht gerade- ,.käeuzigen“ bedeute, Onkelos übersetzt תלד gewöhnlich mit צליבא, 2. Meine Bandbemerkung zur Pesikta in Nr. 49 d. Bl. dass es unhaltbar sei, die Stelle in Hilchot Teflilla Kl, betr. die Haftaroth in den 3 Wochen, deshalb, weU sie nicht mit der allgemein angenommen Ordnung der Pesikta übereinstimme, als corrampirt hinzustellen, wie Herr Buber meint, enthälteine Bedaktione-Anmerkung, welche das Citat aus Tsssafoth Meg. 31 zurückweist, da dasselbe sich nur auf Haftara ,שובך bezieht. Das ist richtig, doch bemerke ich, dassä meine Widerlegung der betr. Buber’schen Bemerkung dieses Beleges gar nicht bedarf, denn notorisch ist Maimuni Vertreter des 3 ספרדH3Q; daher anch die Divergenz in dem Verzeichnisse des Haftara- Cyclus für das ganze Jahr, welches Maimuni in jeder Tefilla am Ende des Buches אהבה Riebt. (Vergl. Rappoport Erech Müiin, 4. אפטרתא.) Tamow. Salomon Spinner. 3. pL’Affaire de Tisza - Esslar, episode de l’histoira de 1’antisemitisme au XIX e siecle par Bod. Baues“. (Treattel et Würtz, Strassburg) — ist eine Darstellung des Processae von protestantisch-freisinnigem Standpunkte, die vom ״Un. isr.“ sehr weil nichts zu bekennen ist, erinnert Herrn Beuss an die Maccabäer, das vornehme Damenpublikum dagegen an Bobespierre’s ״Tricoteuses“, die Protestanten aber mahnt er, dass vor noch nicht 120 Jahren ein Protestant in Toulouse wegen ähnlicher Anschuldigung das Leben verloren hat — Calas, dessen Justizmord nachgewiesen za haben, den Buhm Voltaire’s begründete. 4. Mit Bezug auf die Güdemann’sche Anzeige (No. 51) des von Prof. C. Siegfried und mir verfassten Buches bitte ich davon Notiz zu nehmen, dass der die Litteratur umfassende Theil ausdrücklich als ״Abriss der neuhebräishen Litteratur“ (nicht: jüdische Litteratur) bezeichnet ist und deshalb nicht nur Grätz’ Geschichte,sondern auch Jost’s, Cassels und andrer deutsch geschriebene ־histo:־ische Arbeiten ungenannt bleiben müssten. Die Erwähnung mancher in wissenschaftlicher Hinsicht nicht besonders bedeutender Monographien bat darin ihren Grund, dass dieselben zur Einführung in das Studium des betreffenden Litteraturzweiges zu dienen geeignet sind. — Erlebe ich eine zweite Anflage, so soll der litteransche Theil seinen Zielen wie seinem Umfange nach erheblich erweitert werden. Berlin W., 28. December 1883. Prof. Dr. Herrn. L. Strack. *) Nach einer-Mittheilung des Herrn S. Buber ist das H ^ein-f^orraptel für ,ך, es muss אדמת (die aram. Bezeichnung für ״Finger“ s. Targ. Numeri 19,4) heissen. (Bed.) * ״j Orach Cniyim 128,12. ▼«BaatworUichgr Bedacteur Dr. Bahmar, Magdeburg. Druck von D. L. Wolif, Magdeburg. Verlag von Bobert Friesa, Leipzig.

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