Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 50. (13.12.1883)
- Date
- 1883-12-13
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wo Unwiä&epheit, Jloheit and Aberglaube allgemein waren,"wo dife Idee eines Beehtsataates noch gar nioht erwacht und das Becht überhaupt sich 1 icht ans Vernhnftebegriffen zu entwickeln pflegte, soni lern abhängig war von Kirche und Theologie; wo <lie weltlichen and geistlichen Gewalten last immer in 1 Kampfe am den Maohtbeeitz miteinander lagen, wodnroh die Anarchie gefördert wurde; wo das Faust: *echt and das Banbrittertham noch in Blüthe standen; wo ▼on einer Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte noch keine Bede sein konnte, and wo die Verfd gang Anders• glaubender als Pflicht erachtet and die Jaden als ausserhalb der Kirche Stehenden der ewigen Verdammnis8 verfallen angesehen worden, dass aie alle gegen Jaden unternommenen Untersuchungs vei fahren durchweg von den schlimmsten Vorarthei :en and den blindesten Parteileidenschaften betriebet 'and geleitet worden. Da war an eine ruhige, unparteiliche Uhtersachang gewiss nicht zu denken. (jschluaa folgt.) Joseph Kimchi und Abulwalld. So dankbar ich dem Beferenten über meinen aas der Bevue des Etades Jaives besonders erschienenen Aufsatz in No. 47 dieses Jahrgangs djss Litteraturblattes für sein denselben gewidmetes Interesse auch bin, muss ich dennoch seine Unterschiebung (?) zarüokweisen,, wonach ich gleichsam offene Thüren eingestossen and Abulwalids längst erkannte qnd von Vielen betonte Bedeutung überäüssigerweise auf’s Neue bewiesen habe. Nichts lag mir in meinem genannten Aufsätze ferner als diese Absicht ־Was ich wollte, ist am Schlüsse meiner Ausführungen deutlich genug gesagt: ״Die Geschichte jeder Wissenschaft hat nioht nar aie Stofen ihrer Entwiokelang im Grossen daranthun, sondern muss auch im Einzelnen beleuchten, was die Begründer, die Fortbildner and Verbreiter der Wissenschaft für dieselbe geleistet haben“. Im Einzelnen, and zwar an einer bisher pubcnchteten Fülle von Beispielen, die Abhängigkeit Joseph Kimchi’6> von Abulwalld darzuthun und dabei diesen in seine, besonders daroh die Citate David Kimchi’s verdunkelten Prioritätsrechte einzasetzen, war der (Zweck meiner Abhandlung. Abulwalld im Allgemeinen zu dem Beohte seiner geschichtlichen Stellung in Sprach- Wissenschaft and Bibelezgese zu verhelfen, halte auch ich für überflüssig. Budapest. Dr. Wilih. Baoher. Recensionen. 1m Aufträge des stina’s, aasgeann Gatbe, sin. (Separat- V. Band V.) I (Fortsetzung.) Ausgrabungen bei Jerusalem Deutschen Vereins zur Erforschung Pali führt and beschrieben von Lio. Herr Privatdocent in Leipzig. Mit 11 Tai Abdruck aas der Zeitschrift des D. P. Leipzig 1883, Karl Baedeker. 305. S. 8 J ״Die Davidstadt, Salomo’s Palast ahd der Tempel waren non so za einander gelegen, dass man von dem ersten Ort kam zweiten and voü dem zweiten zum dritten hinanfging. Diese Situation bieten nar die Terrassen, die von der Stätte des alten Tempels, dem feststehenden Punkte, nach Süden abfallen.“ ,Die Stofen, die von der Davidstadt herabgehen, waren in den lebenden Felsen gehauen — daraus * be- ■tand und besteht ja heute noch der Boden — über den man hinabsteigen musste. Sie haben nach Neh. 12,37 nahe an der östlich den Berg umfassenden Mauer gelegen; denn der, Ausdruok ״Sta £sn der Davidstadt" wird dort durch den anderen ,Aufstieg der #י. 1 ' Mauer" erklärt." Baurath Sohik hat Spuren derselben (3—4 in den Felsboden gehauene, stark ausgetretene Stufen) zuerst bemerkt und schon 1876 an einer' 648,34 m hoch angegebenen Stelle in seinem Plan י von Jerusalem verzeichnet. Herr Guthe hat noch * an zwei anderen Stellen Treppenspuren gefunden. Danach hätte sich der alte Treppenweg vom Fasse des Hügels aus bis auf den Kamm desselben hinauf gewunden und sioh auf dieser Höhe in nördlicher Bichtong, stets der Mauer paralell und nahe, fortgesetzt! Wie hoch darf man nun die ״Davidsburg" auf diesen Hügel hinaufrücken? In einer, die früheren und die eigenen Untersuchungen sorgsam zasamtnenfassenden, kritisch musternden und durch einzelne Vermuthangen ergänzenden Abhandlung weist unser Buch nach, dass die uneinnehmbar gemeinte Jebusiterburg auf dem Süd-Ost-Hügel lag, dessen Unzugänglichkeit trotz der V6rsohüttung in Ost und Süd noch heute in die Augen fallt. . Im Westen ist der Einschnitt des Tyrspöonthales jetzt fast ganz von Sohutt ausgefüllt?dbf Felsboden liegt an einer Stelle 7,50 m unter der Erft* Oberfläche), doch zeigten Nachgrabungen starke, plötsliehe Tein assen-Senkungen. Die Nordseite, welche jetzt ein allmählich ansteigendes Terrain bietet, war, aller Wahrscheinlichkeit nach, durch eine den Süd-Ost- Hügel durchsohneidende Schlacht, welche das Tyropöonmit dem Kidronthal verband, ebenfalls steil. ״Dann haben wir eine naoh allen Seiten hin völlig von der Umgebung abgetrennte Höhe anzunehmen, vortrefflich zur Anlage eines Bollwerks geschaffen, wie es jenes spottende Wort der Jebasiter verlangt, und über diese vermnthete Schlucht naoh Norden hinaus darf die Davidstadt nioht angesetzt werden.“ Werden weitere Untersuchungen den angenommenen, Tyropöon- und Kidronthal verbindenden Einschnitt bestätigen, so ist die südlich davon gelegene Höhe die einzige in dem Umkreis des alten Jerusalem, die auf allen Seiten von Schluchten umgeben war and nach keiner Seite hin mit den benachbarten Höhen zusammenhing — eine natürliche Bergteste, wie sie kaum besser gefunden werden kann. Diese vollständige Isolirnng war aber nicht der einzige Vorzug, der sie zu einer Zwingburg des umliegenden Gebietes empfahl Die Quelle an ihrem östlichen Fasse im Kidronthal vermag allein in der nächsten Umgebung von 5—7 Kilometer das ganze Jahr hindurch lebendiges Was8er den Bewohnern za spenden: für eine j Ansiedelung auf den ־benachbarten Höhen haftet also 4 '־־ an ihr die Bedingung einer sicheren und angenehmen Existenz,“ — ״der Machthaber, der die Quelle bej herrschte, war auf die Dauer der einzig gesicherte Herr des Gebiets. Nun liegt auf der Hand, dass ausschliesslich von der eben besprochenen Höhe aus der Zugang zur Quelle bewacht und verwehrt werden kann. Ein Angriff auf dieselbe konnte von den ur- 8prüglichen Felsterrassen leicht zurückgeschlagen, die zum Schöpfen Herankommenden durch hinabgewälzte Steine leicht zurückgetrieben werden. Es entspricht also vollkommen den Terrassenverhältnissen, ja es scheint durch dieselben gefordert zu werden, dass die ersten, uns aas der Geschichte bekannten Herren der Landschaft, die Jebasiter, auf der Höhe oberhalb der Marienquelle ihren festen Sitz einrichteten“ u. s. w.u Uns, die wir die Terrainverhältnisse nicht kennen, will nur das Ein• nioht in den Sinn, dass die Quelle ausserhalb und unterhalb der Festung gelegen haben soll. Es erscheint doch geboten, aie Quelle als Mittelpunkt der Ansiedelung ansnaehmän, dessen Zugang dem Feinde unmöglich war, und nioht ent durch Steinwürfe unmöglich gemacht werden sollte! (SeUuss folgt)