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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-12-13 · No. 50. (13.12.1883) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 50. (13.12.1883)
Date
1883-12-13
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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•:־*״ז^־•./*”'?;775r^r ״ — 198 — £0a Am* (No▼. 1958) giag an Motgmroth auch di« Jaden auf. OuHwunmister ▼on Bethmann- «^g wagte «war nieht, Jaffe eine Geaohichtsprohmar ca gehen, aber er ersuchte Banke tun ein Gutachten (daa gedruckt voriiegt) über die Nothänandigfcait eiper auserord entliehen Professur für Paliojaaphte an der Berliner Universität and über die Befähigung Jaife’s za dieser Professor. Auf Ranke’s wärmste Empfehlung erhielt Jaffe dieselbe and entwickelte in dar neuen Stellung ausserordentlichen Eifer. Er bildete eine Baibe trefflicher SchQler, gab eine Quellen• olung für Uten deutsche Geschichte (Monuments »lins, M. Moguntina u. 8. w.) in einer Reihe ▼on heraas, die za den masteigiltigsten gehört and die Ausgaben ▼on Portz, den er freilich überall anfs Bitterste censirt, weit überflügelt. Doch darüber Mpn er nicht mehr za dem Werke, welches er als sein -Lebenswerk betrachete, ' einer Geschichte Kaisers IMedrieh L, worin er vor Allem das Herein ragen der . ntfOceü Cultarwelt in die mittelalterliche schildern Wollte; dass ihm als Jude keine geschiohtliche Proizssar za Theil werden sollte, erschütterte.ihn mehr 9&d mehr. Nach Schwanken entschloss er sich leider nun Uebertritt zum Christenthum. Aber kaum war er gntanft, so kam über den vielgeprüften Mann ein Martyrium, schwerer als alle früheren, die er erlitten. Aar Glaubenswechsel hatte den Brach mit so Manchen, <Ue ihm thener waren, zur (Folge. Gewissensbisse folterten ihn, auch die Beförderung blieb aus, endlich therflnl ihn tiefe Sohwermuth und er machte seinem Tahni durch einen Pistolenschuss ein Eiide. Wenn ■ Sa ein Heldenthum der Wissenschaft giebt, so dürfen wie Philipp Jaffe und Jacob Bemays in seiner ';Vordersten Bähe genannt werden. Beide erweisen ,i, was es mit dem Satae des Herrn Stöcker auf Jiet; .*die_Juden studirem, um nicht arbeiten zu 9BfNL* .Gerade Böhmer, def dooh 80 manchem » , protestantischen Historiker, wie Waitz und von Sy bei, *יי• , grollte, and mit seinem Uten Waffenbruder Pertz 1־ fr ij zuletzt ganz gebrochen hatte, Böhmer, der Anfangs goaaer sich gewesen war, dass ein ״Berliner Jade* zieh an Papstregeeten wagte, wurde ein ■solcher Be- Wunderer jenes grossen Werks und seines Verfassers, dass er nach Jahren und als Jaffe noch Jude war, schreiben konnte: ״Jaffe’s Charakter ist mir hochachtbar*. - Jaffe'gab der Erforschung der urkundlichen Papetgeeahichte den mäohtigsten Impuls.. Andere setzten •ein Werk fort und jetzt erst geht man im Vatikan an die Aufgabe, deren erste Lösung schon ▼or zweiunddreisaig Jahren ein ״Berliner Jude8 unternahm and ao meisterlich ausführte. I ■k. Jßie Beschuldigung der Juden wegen Kindermord im Mittelalter. Von M. Mannheimer in Darmatadt (Fortactanng).*) Das ▼on Schreck gefeilte Urtheil aber die ׳ erwähnten damaligen Beachuldigungen trifft noch sicherer and verdammender die jetzigen in der Tiasa-Esalarer- Affäre von den Antisemiten gegen die Juden erhobenen. ־Wie dort dieselbe erdichtet und ▼on der. Leiohtgläabigkeit der groesen Menge geglaubt wurden, um den Hass gegen die Jaden za rechtfertigen und die graukäme■ Verfolgungen als rächende and verdiente Strafen, welche die Christen an ihnen vollziehen, dar- ■—♦■Han, so auch hier, nur mit dem Unterschiede, dass jener Hase in einem wOthigen Glaabensfenatismas, wovon die ganze damalige Atmosphäre erfüllt war, and. der die Manaehsn toll maohte, •einen Grand hatte ga jHHBMia■ inrai mmmivo« naaunu \za srigar Hammer 8p. 1, Z. 6 von xtntm Mt 1 ntn* ״to* Jaden ▼erfanden“ a. 8p. 2, ״iaraalitiaehan“ ״ekriati iahen“ s wu ״aber &. 27 von und eiugermaassea entschuldbar ist, während dm- Hf«■ der jetzigen Antisemiten nur in ihrer Bestialität und in den niedrigsten Leidenschaften der menschlichen Natur zu auohen ist. Sie glauben weder an Gott noch an Ewigkeit, aaoh die Idee des Menschheit, sa deren ־ Verwirklichung Jeder in seinen Verhältnissen beitragen soll, ist ihnen abhanden gekommen, sie sind vielmehr dem bodenlosesten, krassesten Metrialismus verfallen. Und selbst ihr Voigeben, die Juden gehörten einer anderen Beligion und Race an, ist lauter Trug und Vorspiegelei, um ihrer Verachtung der Juden, selbst wenn diese die rechtschaffensten Menschen sind, ihrer Missgunst und ihrem Neide auf das Besitzthum der ״uden, selbst wenn dieses durch ehrliche Arbeit, anhaltenden Fkiss, durch Sparsamkeit und Massigkeit, erworben worden ist, sowie ihrem verwerflichen Bestreben, durch Aufsetzung und Bethöraog, der ungebildeten Menge, die Juden nm Hab und Gut, ״י״ Ehre und Leben zu bringen, einen Schein der Gereohtigkeit za verleihen. Sohröckh sagt weiter: ״Bisweilen sind in den Anschuldigungen aie Umstände, 80 ungeschiokt erdichtet, dass die davon entworfenen Berichte eben dadaroh verwerflich erscheinen.8 Auch bei der Tisza-Esslarer Affaire gab es Umstände, die so ungeschickt erdiohtet waren, dass sie den Verdacht erwecken mussten, die ganze Thatsache sei eine lügnerisch ersonnene wie z. B. die mit rothem Beerensaft bestrichene Grube in der Synagoge und desgleichen mehr, und so musste sich zuletzt die Antisemiten in dem mit Lügen und Intriguen fein gesponnenen Netze selbst verstricken. Was Sohröckh weiter vermuthet: ״Es kann ferner' nicht geleugnet werden, dass die ־Wuth, mit welcher die Kreuzfahrer Tausende von Juden, blos deswegen, weil sie Juden waren, amgebracht haben, einen starken Verdacht auf die Beschuldigungen wirft, die in der Absicht vorgebracht erscheinen, um jene Mordlust zu beschönigen8, ist in gewissem Betracht auch bei den jetzigen Antisemiten zutreffend. Zwar haben diese bis Dato noch keine Tausende von Juden ermordet, denn davor wurden letztere von der, wenn auch nicht immer streng ausgeführten, staatlichen Bechtsordnung und von der immermehr wachsenden Empörung der ganzen civilisirten Welt geschützt; dennoch haben sie durch die in Scene geeetzte Judenhetze Tausende von Juden in Russland und Ungarn um Hab und Gut, um den Lebensunterhalt und an den Bettelstab gebracht; und um diese Grausamkeit za beschönigen und noch neue Verschwörungen heraufzubeschwören, haben aie das Märchen von der Ermordung der Esther Solymo$8i erfanden, damit dadurch eine Schmach auf die ganze Judenheit gewälzt werde. Sohröckh sagt: ״Ob die Anschuldigungen von gelassenen, unparteiischen Biohtem untersucht worden sind, ist nicht bekannt8. — Nun, wenn *man dem Untersuchnngsverfahren gegen die Angeklagten in der Tisza-Esslarer-Affaire mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, und die Ungehörigkeiten wie z. B. die Vereingenommenheit, Parteilichkeit and Beeinflussung der Zeugen wahlgenommen, die dabei 8t&ttgefanden and später bei den öffentlichen Verhandlungen zu Tage getreten sind, sowie die schlechten Mittel, die angewendet worden, um die Schuld des Unschuldigen zu beweisen and der Gerechtigkeit in’s AngeMcht zu schlagen; und wenn man. dabei erwägt, dass dieses Alles in unserem Jahrhundert der Bildung und der Aufklärung und in einem Lände, das einen Anspruch auf Civilisation und auf Beohtsständ macht, in welchem alle Bürger ohne Unterschied de• Standes und de• Glaubens gleiche Rechte gemessen •ollen und gesetzlioh gnnieesתרו gesehenen konnte, so muss man mit Sicherheit sohlieasen können, dass im finsteren Mittelalter.

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