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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-11-29 · No. 48. (29.11.1883) · p. Seite 190

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 48. (29.11.1883)
Date
1883-11-29
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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t liüftr — 190 — Leiden derKreazzüge schmuggelte sich die christliche Idee . «wn stellvertretenden So hneeopfer« ein. Dies klingtauch *hier and de daroh die Akeda-Gebete hindaroh. Statt eines Hehnes wählten daram Andere mit Hindeutung auf den stellvertretenden ־Widder Isaak’s einen Widder■ Der Bahn, auch ער genannt, soll geradezu den ״Menschen“ vertreten. Isaak Lurja will, dass man in der Vorstellung glauben and sich denken soll, man erleide selbst den Tod. Die Idee der Stellvertretung liegt auch in der Bezeichnung נפש תחת נפש. in י תמורתי wie in sonstigen Ansdrücken des besäglichen Gebets nnd in der ganzen Fassung desselben. Im Judenthnm hat das Opfer keine stellvertretende, sondern symbolische Bedeutung. Dass man bei dem vorliegenden Gebrauche die biblischen Opferthiere ansschloss, geschah aas formalen, halachisohen Gründen, weil die Darbringang von Opfern siatirt und ausserhalb Jerusalems verpönt war. Dass der Charakter des Gebrauchs geheimnisvoll, mystisch ist, geht daraus hervor, dass man sich Bchon früh des Grundes nicht mehr bewusst war (s. Tnr.); dass man den Gebrauch ־ nicht allgemein billigte, geht auch daraus hervor*, dass man schon früh statt desselben die Vertheilang von Almosen empfahl. Aach fehlt die christliche Idee eines Vermittele« nicht (מליץ ״ושר), die sich zwar anch sonst findet, aber von anderer Seite apderswo auch perborresoirt wird. Deutlicher noch tritt die christliche Einsahmaggelung hervor in der Verwendung eines Hahns oder Buhns für Schwangere, um das neugeborene Kind für die ״angeborene“ Sünde za entsühnen; dies ist offenbar die Idee der Erbsünde, wofür zwar auch Anklänge sobon aas früheren Zeiten nachweisbar sind. Ich habe deshalb schou längst gegen den Gebrauch von במרות am Rüsttage des י“ ב gepredigt; aber in diesen Tagen, welche alsימים ־ נוראים gelten, sind selbst die Fernstehenden und Indifferenten, welche 80 gern die Maske der Auflärang tragen, den Ideen der Aafklärang nicht zugänglich. Während ihnen sonst das Heiligste als profan gilt, ist ihnen in solchen Zeiten das Missbräuchlichste heilig. Aach aas diesen Gründen wäre demnach gegen die missbräuchliche Massentödtang des Geflügels am Vortage des י׳יב za sprechen. Dr. Rothschild-Alzey. Einige Notizen zu den Targumim der Megilloth. 1. In שיד השירים c. VH, 8 paraphrasirt Targnm den Text זאת קומתך דמתה לתמר auf folgende, sonderbat» Weise: ובצלו ם?דכץ prrp ובעדן די פרסק כהניןי לאחיהת בדת ישראל דלנדן אך־בעת ידיהון מתפרשין כלולבי תמר.*? Die Worte "CT p,TT ״ דדמין ארבעתderen vier aasgebreitete Hände den Palmenzweigen gleichen", geben keinen vernünftigen Sinn. Die Priester haben, wie alle Menschen, doch nur zwei nnd nicht vier Hände. Jede Schwierigkeit schwindet, wenn man das ominöse ארבעת in אצכעת emendirt. ר für צ ist ein typographischer lapsns, der sich sehr leicht begreifen lässt. Die Stelle beeagt nunmehr: ״Die ansgebreiteten Finger ihrer Hände gleichen den Palmzweigen“. In dieser Fassung enthält der Satz ein anscnanlichee, angemessenes Bild und einen vernünftigen Sinn. 2. Targnm zu רות o. I, 17 bemerkt: ארבע דיני מותא לחייביא תימת אכנא דקירת נורא וקפזילת סייפא וצריבת קייסא« Der Codex des mosaisch-talmudischen Criminairechtes kennt vier Todesarten: סקילה שריפה הרג וחנק, Verbrecher t auf Holz fest zu nageln oder zu kreuzigen, צליבת קיים א, ist ein Verfahren, welches die römische, aber nicht die mosaisch-talmadiche, peinliche Gerichtsordnung kennt. Im Targnm z. St. ist daram חנק ganz fehlerhaft durch צליבת קייםא wiedergegeben. 3. ibid זא^רת מ־מי אית לגאלית קבנרתא אמרת חת ות8ן אהא קבירא• Die Targam-Paraphrase z. St enthält in extenso eine praobische Anwendung dessen, was in Jebamoth, fol. 47 b gefordert wird. Das Jadentham perhorrescirt, wie bekannt, jede Art von Seelenfängerei and Proselytenmacherei. Darum ist man verpflichtet, _ abschreckend nnd einscbüchtemd anf die Proselyten einzuwirken, die Schattenseiten, welche das Judenthnm dem praktischen Leben bietet, ihnen anschaulich zn zeigen und Bie mit der grossen Verantwortlichkeit, welche die ת״די״ג מצות für den Israeliten im Gefolge haben, zum Thei'e bekannt zn machen. Im Sinne der Paraphrase fällt hier diese Rolle der Naemi gegenüber der Proselytin Rath za Jeder Passus unserer Stelle betont die Schwierigkeit, alle Gesetzesvor- Schriften genau za befolgen, and ist geeignet, entmathigend und abschreckend auf den Nichtisraeliten einzuwirken. Wenn nun Naemi an unserer Stelle sagt: ״ אית לנא בית קבורתאWir haben ein Begräbnisshaus“, 80 ist gar nicht abzusehen, wie diese farblose Bemerkung die Proselytin Rath einschüohtern und entmuthigen 8011. Habeu denn die nichtisraelitischen Völker kein Begräbnisshaus, um ihre Todten zu bestatten? Allein, auch dieser Passus unserer Stelle weiss von Hanse aas vermnthlich nichts von בית קבורתא. Ursprünglich fand sich wahrscheinlich folgende Gruppirang: ב״ קבורתא ganz analog der Bemerkung, die in Jebamoth, foL 47 b zu unserer Stelle gemacht wird. Daselbst heisst es: באשר תמותי אמות ב־ קברים נמסרו לבית דק. Rasch! z. St. erklärt schon: ב* קברים אחד לנסקלים ולנערפים שהרשיעו בעבירות חמורות יאחד לנהרגים ולנחנקים שאץ מיתתן חמורה ואינם רשעים כל כך. Für die bestraften Verbrecher gab es zwei Begräbnisstätten, die schweren Verbrecher wurden gesondert von den minder schweren Verbrechern begraben. Darauf verweist Naemi ihre Schwiegertochter Rath, um die Proselytin mit Erfolg von ihrem Vorhaben abzubringen. ״ אית לנא ב־ קבודתאWir haben (seil. für die Sünder welche die Todesstrafe verwirkt haben) zwei Begrabnisplätze“. Ein scribalns, welcher die Tendenz dieses ,ב nicht gekannt, hat es ganz äasserlich in בית auff■ - 4. Ibid. c. IV, 7 שלף איש נעלו gibt Tafgum wieder mit: ימיניה t ״ וטלע גבר ית נרתקer zog den Handschuh der rechten Hand ab.“ Diese Wiedergabe des Wortes נעל mit ״Handschuh“ ist sehr charakteristisoh und muthet ans ganz modern an. Wer weis, ob radioale Reformer, wenn sie die Wiedergabe des Wortes נעל durch *נרתק יד gekannt hätten, nicht anf den Gedanken gekommen wären, beim Acte der חלצה den Schah נעל durch einen ״Handschuh“ zu substituiren? Targnm Rath hätte, ihnen alsdann zur Deckung dienen könnnen. 5. אסתר c V, 9 finden sich im Targum z. St. die Worte דמכתבא באסטדקליליה. Das Wort באסטרקליליה it schwer. Elia Levita bringt es in seinem מתורגמן überhaupt nicht. Levy’s Lexicon ist mir nicht zur Han ei.**) Der Aruch, selbst der von Kohut edirte, geht , *) Darauf macht1 schon Hirsch Chajes in seinen Glossen zu Jtbamoth a. a. O.!aufmerksam. (Bai.) ’ **) L. übers.: ,6• war geschrieben anf seinem Schienblech“..

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