Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 46. (15.11.1883)
- Date
- 1883-11-15
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 183 — Hinweist, dass von der Leiche des Nessas, wie von der des Okeanos (Baba Bathra a. a. O.) berichtet werde, dass sie einen ״betäubenden Gestank verbreite“. Denn der ״betäubende Geruch des Okeanos, welchen die Fluthen bedecken“ (Baba Bathra a. a. 0.1 ist nur der ״agadische“ Ausdruck für schädlichen Dampf, welchen, nach den Berichten früherer BeiseiLden bei Bobinson a. a. O., die schwarzen stinkenden Wässer des todten Meeres ausströmen*). Dass der ״getödtete Fürst“ geweint habe oder noch weine steht nirgends. Die riohtige Leseart im Tanchumo lautet:כשהרג א|ו ת ההיו**) המים בוכץ עד היום הזה die Leseart des Exodus Babba (כשהרג א ותן ... שק כוכי giebt gar keinen Sinn. Allein auch daffir kann Dr. K. keinen Beleg beibringen, dass der Okeanos weint, sondern nimmt wieder zum ״Höl.enstrom Kokytos“ seine Zuflucht, dessen Weinen aber mit dem ״Weinen der Wässer“ im allgemeiner, nichts gemein hat. Wer darunter zu verstehen sei, werde ich bei Gelegenheit der, wie ich Anfangs bemerkt, beabsichtigten Beoension der vollständigen Arbeit Prof. Dr. Bacher’s auseinandersetz« n. Ich möchte zum Schlüsse nur noch das eine fragen, warum muss eine ״Personification der gelammten Wasserfülle der Welt“ angenonimen werden, wenn behauptet wird, dass ״alle Wasser der Welt vom Meere gespeist werden“ und dass das Weltmeer beziehungsw. mittelländische Meer höher liegä als die ganze Welt“ d. h. die Erde. Denken wir uns den Ocean als eine Person, wenn wir sagen: ״Def Spiegel des todten Meeres liege um 1000—1300 Fussj unter dem des Oceans“. Man dachte sich die Erde als Scheibe, welche vom Ocean umflossen sei i welch’ letzterer wieder bis an den Band des Himmelsgewölbes reiche. Auch darf mpn nicht vergessen, dass gerade die kosmologisohen Sagen stets fokaler Natur sind; nach den Beobachtungen, welche{ man in der begrenzten Heimath angestellt hatte, ]entwarf man sich das Bild des Universums, was ich Professor Bacher gegenüber noch erhärten werde. Ein Beispiel bietet uns gerade die Einbeziehung des Oceans in die vom Propheten Jecheskel geweissagte Wjederher- Stellung des todten!Meeres***). War der salzige üble Gesohmack des Wassers nur eine Folge d«|8 einstmaligen Strafgerichtes, so war auch der salzige Geschmaok des Meerwassers überhaupt die Fo(ge einer Strafe oder weil das todte Meer seine Wassef in das Meer ergiesse. Mit der Wiederherstellung i Sodoms und Amora’s bezw. des todten Meeres werde auch der üble Geschmack des Wassers des Oceans geheilt d. h. süss werden. Litte laturbericht. Recensionen. Neueste Traumgesichte des antisemitischen Propheten. Sendschreiben an Prof. Zoeckler ijn Greifswald von Professor Franz Delitzsoh. Erlangen. Verlag von Andreas Deiohert. 1883. 32 gr. 8, Preis 50 Pfennig. | Infandum regina jubes renovare dolorem. — Unsagbar ist nicht der Schmerz, sondern der Ekel, *) Dass die Leiche des getödten ״Fürsten des Meeres“ den pene£ri80hen Geruch anströme, steht nicht ausdrücklich, sondern wird blos aus dem Zusammenhänge gefolgert. Im Midrasch zu H. L. 1,2 und Psalm 1,2 liest man: 1«־, מים מכסים קר ו תו של ים שנא' (ישעיה י״א) כמים לים מכסים תורה מכסים ערותז של ישראל שנאט" [m. ps. כך [דבק ועל כל פשעים תכסה אהבה. (Cap.!10 משלי) **) Ed. Venetia steht nicht ״היו״• | *•*) VgL oben. den ein von Idealen erfüllter Mann wie Delitzsoh überwinden muss, 8011 er weiter gegen Rohling polemisiren. Um dies möglich zu machen, wendet er sich - an seinen Freund, den Herausgeber der ״Evangelischen' Kirchenzeitung‘, welche in aei Blutfrage auf beiden Hüften hinkt. Denn einmal bat sie Professor Strack’s. Gutachten veröffentlicht und hinterher giebt sie Gorrespondenten das Wort, welche die Frage als noch nicht geklärt behandeln. Beissende Ironie und gewichtiger Emst, Demnth und Selbstbewusstsein paaren sich in dieser Schrift und erheben sie zu einem Ehren- Monumente für ihren Verfasser. Das ist der ganze ־י״! Delitzsch — leider fehlt auch die Seite nicht darin, welche uns Juden feindlich anschaut. Davon, dass ״ das Judenthum engherzig-national geblieben, dass der Talmud die ״Bechtsungleiohheit“ zum Prinzip erhob«!, ist Delitzsch überzeugt, und von seinen Ueberzeugtmgen lässt er nicht. Wir dagegen können nur nnmer ihm י entgegen halten, dass wohl jede Religion im LaaS» der geschichtlichen Entwickelung Kampf- und Drang- Perioden durchlebt hat, die ihr glaubenseifrigster Bekenner herzlich gern missen möchte! Und der Talmud ist doch höchstens theoretisch geblieben, während wir Juden in aller Gleichberechtigung noch immer practisch die Nachwirkungen mittelalterlicher Liebe verspüren. Dazu —. der schlimmste Judenfeind wird nicht soviel anstössige Stellen aus der gesammten jüdischen Litteratur zusammenholen können, als mittelalterliche kirohliche Schriftsteller sie bieten. — Was da von Haerctikera, Juden, Mauren, von Sünde und Vergebung gelehrt und darüber verordnet wird, ■dürfte kaum zum modernen Humanitätsprinzipe passen! Doch, : wie gesagt — hierin zu einer Uebereinstimmung zu kommen, hoffen wir nicht mehr. Wir haben es trotzdem für nöthig gehalten, diesen Protest zu wiederholen, damit es nicht den Anschein gewinne, als ob der Dank uns stumm mache, wo der Vertheidjger den Speer in’s Herz uns wirft — wo, was uns das Höchste ist, von ihm, erniedrigt wird... Da sei Gott vor! Wir sind Juden und werden Juden bleiben, weil uns unser Judentham so hoch steht, wie dem edlen Delitzsch sein Herrlichstes, sein Christenthum! Also nicht von Delitzsch, dem Gegner, sondern von D., dem Vertheidiger des Judenthums, sollen, wollen wir sprechen, — von ihm, der die Wahrheit ehrt und hoch hält, höher als sein Hoffen! Und dass er ejn Kämpe der Wahrheit ist, nicht allein sein Gegner bezeugt’s, der vom Geist• der Lüge Bethörte und Besessene, der nicht zwei Seiten schreiben kann, ohne zu erdichten, zu verleumden, zu erlügen. Delitzsch " ist ihm durchaus ein getaufter Jude, von dem er genau weiss, dass er 20 Jahre alt zu Heidelberg übergetreten ist. Dafür giebt D. nun an, dass weder Ort noch Zeit stimmt, dass er nie in Heidelberg studirt, sondern als jüngstes Kind armer Eltern am 4: März 1813 in Leipzig die Taufe empfangen habe. Dagegen weist D. nach, dass der ״spiritüs familiaris‘ Rohlings ein ״polnischer Jude“ sein muss, dem die hebräische Grammatik spanisch vorkömmt. ״Amare coepit“ «— ״er nimmt einen Bittern“, mit diesem Monstrum der' Latinität verdeutlicht D. urbi et orbi Rohlings Uebersetzungskunst, von der neben den schon bekannten uns ein paar neue Proben geboten werden, van welchen erwähnt sein mögen: ״ מטולי דשאר עמקwelohe todtschlagen Angehörige der übrigen Völker“ statt ״welche von den übrigen Völkern erschlagen worden . sind“ und משלחי להן »sie enthäuten sie“ statt ״entledigen sich ihrer“. Dass die Bücher, aus denen Rohling citirt, erlogen, nie vorhanden gewesen sind, wird mit vernichtender Kritik und dem reichsten wie unerschütterlichem Material bewiesen.