Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 43. (26.10.1883)
- Date
- 1883-10-26
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ir vi.'sondem populäre Bemerkungen, ge wäret mit geistesi. ^sprühendem Humor and Witz and mit schönen if ־ Gleichnissen, מוי» solche im Talmud and in den haga- /disohen Schriften zahlreich Vorkommen. Unter diesen inahm die hervorragendst» Stelle ein die Tischrede, welche gewöhnlich am Schlosse ,zu Ehren des Gastgebers“, wie mm sich ausdrüokte, gehalten wurde, eine an das Schriftwort angelehnte Ansprache, die mit der f Verherrlichung des hohen Werthes der Gastfreundschaft sohl068. ־Waren mehrere Gelehrte anwesend,׳ so hielten natürlich Alle derartige Ansprachen, zu denen man sich übrigens anoh ohne Gastmahl verpflichtet fühlte, wenn mun von Jemandem schied, bei dem man Gast- ׳--fswmdßchaft genossen. So konnte eine Anzahl jüdischer Geeetslehrer, die sich in einer Stadt, in der sie vor- | . übergehend geweilt, einer ausserordentlich guten Aufnähmezu erfreuen gehabt, dieselbe nicht verlassen, -׳ ohne dass Jeder derselben ihre Gastlichkeit in Worten gefeiert, welche der Erhaltung für Werth gehalten worden sind.*) Aber der anwesende Gelehrte hielt 6b auch für seine Aufgabe, zur Erhöhung der heiteren -flfJmmnng einen ansehnlichen Tribut zu liefern. Auf den Hochzeiten fehlte auch nicht der Tanz. Die alten Israeliten dachten darüber nicht 80 streng Lwie die Börner, unter denen noch ein Cicero sagt: kftTftNemo saltat nisi insanas ״Niemand tanzt, wenn er nicht verrückt ist“, sondern näherten 8ich in ihren‘ Anschauungen über diesen Punkt den Griechen. Und der weise Ünd fromme Erforscher des biblischen Gesetzes liess es sich bei Hochzeiten nicht nehmen, neben der Braut — denn das Zusammen tanzen von Männern und Frauen war auch bei den (Griechen nicht Brauch — mit einem Myrthenstrauss in der Hand zu tanzen und dabei derselben sogar artige Complimente zu machen. Nach der Ansicht mancher Lehrer brauchte man es sogar in diesem Falle mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen und durfte, um dadurch ihren Werth in den Augen ihres Gatten zu erhöhen, ihre Schönheit preisen, wenn auch die Natur sie in dieser Hinsicht stiefmütterlich bedacht haben sollte. Andere waren allerdings auch hier rigoröser und wollten auch in diesem Falle eine gesellsohaftliohe Höflichkeit auf Kosten der Wahrheit nicht gestatten; aber irgend eine bessere Eigenschaft fand sich schliesslich doch bei jeder, um diese in ein gutes Licht durch sein gewichtiges Wort zu setzen; das hat Niemand von ihnen verabsäumt.**) Wenn man sich zur Tafel setzte, wurde Wasser zum Waschen der Hände gereicht, ebenso, wenn die Mahlzeit beendet war, unmittelbar vor dem Tischgebete. Diese Sitte kommt nicht blos bei den Jaden, sondern auch bei den Römern vor, die sich sogar auch zwischen den einzelnen Gängen das Wasser reichen liessen. ***) Es war dieses auch in alten Zeiten viel nothwendiger, als heute, weil damals die Geräthe zum Speisen hoch sehr unvollkommen waren und viel weniger als bei uns angewendet wurden. Gabeln bei Tische kannte fc■ % *) Berachoth Tin de. *•) Ketaboth 16 £ *•*> Marqttard p. 113. man nicht blos im Alterthnm, sondern selbst anoh den grössten Theil des Mittelalters noch nicht; sie sollen erst am Ende des vierzehnten Jahrhunderts zuerst in Frankreich eingefuhrt worden sein, und der Engländer Coryate, der diese Sitte am Beginne des 17. Jahrhunderts in seine Heim&th verpflanzte, musste sich zum Danke dafür den Spitznamen Gabelträger gefallen lassen.*) Bei den Juden hat allerdings auoh das Waschen vor der Mahlzeit einen religiösen Character und wird mit einem Segensspruoh begleitet. ־ Aber es scheint fast, als ob dabei auf den gesell- Bchaftlichen Anstand noch mehr Rücksicht genommen wird, wie auf das religiöse Gefühl, denn während das Waschen vor der Mahlzeit nur als fromme Handlung betrachtet wird, wird das Waschen nach derselben, trotzdem es nicht als eigentlich religiöses Gebot gilt, als Pflicht bezeichnet.**) Während aber das Tafelgeräth noch unvollkommen war, hatte man schon damals die Serviette im Gebrauch, welche bei den Juden und den Römern denselben Namen führte, nämlich Mappa, ein Wort, das die Letzteren selbst auf einen orientalischen Ursprung zurückfuhren.***) Erwähnenswerth ist noch der Brauch bei den Juden, anstandshalber von der Vorgesetzten Speise etwas zurückzulassen, was gleichzeitig für den Diener bei Tafel bestimmt war; doch geschah dieses nur bei Backwerk, das nachher noch Anderen vorgesetzt werden konnte, nicht bei Gekochtem, das, wenn der Bediente es nicht aufzehren konnte, für Andere völlig unbrauchbar war.f) Diese Sitte hat sich sogar bis in dieses Jahrhundert hinein in manchen Gegenden bei den Juden erhalten. Man erzählt sich, dass noch die Mutter von Heinrich Heine, bekanntlich eine feine weltmännische Dame, ihren Kindern streng eingesohärft habe, nie zu vergessen, von den ihnen gegebenen Speisen eine Kleinigkeit ״aus Respekt“, wie sie sagte,ff) zurückzulassen. Als nun einmal ein jüngerer Bruder des späteren Dichters der Versuchung nicht widerstehen konnte, ein besonders wohlschmeckendes Gericht bis auf den letzten Bissen aufzuessen, da war der kleine Heinrich ausser sich über diese Unschickliohkeit und rief über die ganze eingeladene Tischgesellschaft hinweg der Mutter zu: ״Denk’ Dir Mutter, der Max hat seinen Respekt aufgegessen*. (Forts, folgt.) Ein fast vergessener Sohn Moses Mendelssohns. (Schluss.) Den dürftigen Angaben Poggendorfs von den vielfachen Wandlungen in der Lebensstellung Mendelssohn’s wissen wir nichts Ausführlicheres hinzuzufügen. Mendelssohn hat schliesslich seine Werkstatt mit dem Bureau vertauscht, der Techniker wurde Beamte. Immer aber behielt er bis an sein Lebensende rege Vorliebe für die Förderung von Gewerbe und Industrie, Kunst und Wissenschaft, für gemeinsames Streben zur Hebung der Gewerbethätigkeit. *) ib. p. 307. **) מים ראשונים מצוה מים אחרונים חובה chuim. ***) Marquard p. 304. Quintüian vest 1, 5, 57 bezeichnet mappa als panisch. t) Erubin 63. ff) In Schlesien and Posen nennt man’s De rech erez.