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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-10-12 · No. 41. (12.10.1883) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 41. (12.10.1883)
Date
1883-10-12
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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810t in dem Aüsctrucke '״ der Hin1', Wie eii k Erzählung L. Kompert’8 betitelt ist. Das hebräische Min bedeutet A1$, Gattung; im Talmud ist Mii, Benennung des Sektierers, Dissenters, Abtrünnigen; davon das Abstraktum Minuth; im vulgänüdische 1 Sprachgebrauch ist -nun ein Min ein Duckmäusei L einer der anders spricht als er denkt, wovon das [Abstraktum Mines (Minüs) für Falschheit. ״Ketzer“ oder Kätzer, in den slawiscl en Sprachen Kacör, . das auch als Schimpfwort gebraucht wird, stammt vonCathari, Catari, Cazeri; die baden letzten Wörter, sawie Kätzer, sind absichtliche 1 ntstellungen 1 nklange an lklange as Anbeten zu den Genun ferner des ursprünglichen Wortes mit dem _ C&tustjKater, Katze und mit Bezug auf oder Küssen des Katers (Bockes), was bräuchen desselben gehören sollte. * *) Mit Bezug auf die Ketzer heisst es bei Grimm: ‘) ״Bei ihren Zusammenkunft!in sollen sie Kinder geschlachtet, deren Blut in Mehl oder Asche geknetet- und nach Löschung der Lieh(er Unzucht getrieben haben.“ Die eine wie die andere Beschuldigung kommt auch sonst oft vor, 80 z. B. bei den ״Liehtauslöschem“, wie im Orient mehrere Sekten, eben mit Bezug hierauf genannt werden י) Dasselbe wurde im 13. Jahrhundert von der Sekte der Fratricelli in Italien behauptet, die ausserdem noch beschuldigt wurden,:Kinder verbrannt und deren Blut gatrunken zu haben.*) Beide Anklagen wurden aber a uch in weit früherer Zeit von Seitender Börner gegen die C hriste n «rhoben, wie aus vielen Stellen der Kirchen vi Lter deutlich zu ersehen ist.s) Namentlich aber ist es Mii ucius Felix, der, indem er mit Abscheu und Entrüst!ng die Anklage des Kindermordes zurückweist, alle! Sinzelheiten derselben darlegt, 9) da diese Darlegung an und für sich schon eine Wiederlegung der graue nhaften Beschuldigung ist. Die Apologetiker ihrerse.ts erhoben dieselben Anklagen gegen die Gnostiker und andere Häretiker.10) So wurde auch den Montaiisten nachgesagt, dass sie alljährlich ein Kind schlac iteten oder mit Nadeln durchstachen und dessen Blut :mm Abendmahlsbrod verwendeten,") wogegen Tertulian, nachdem er zum Montanismus übergetreten war, das Liebesmahl (Agape) der Anderen als etwas Unzüchtiges darstellte.,J) So wird dieser Vorwurf wie ein Ball immer von der einen Partei der anderen zugesoh eudert. Es kann nun also auch nicht auffijlend sein, dass man in späterer Zeit die Anklage c.es Blindesmordes auf die Juden wälzte,1s) es finden! sich aber 4. A. S. |B90. Bei Du , diese Benennuug sei eine absichtliche Entstellung des Wortes ״Kathari“, vom deutschen ״Katze“ gebildet und mit Bezug darauf, dass die Anhänger dieser Sekte, ähnlich wie die Katze: ij, des Nachts ihre Zusammenkünfte hielten; ungefähr dieselbe Erklärung giebt Du Gange auch 8. v. Kathari (II 240). ] *) Deutsche Mythologie, S. 890 ff. Soldan, Geschichte der Hezenproceese, neu bearbeitet von Heppe, I, 162.! •) Marracci Prodrom, HI S. 86. Gazophylac!um linguae Persarum, s. v. Setta. S. 390, Kitter, Erdkunde, i A. VH 263, IX 545 , 753, XI 305, 587. Z. D. M. G. XVI <)22 , 624. cf. Journal asiat. 1855 Janvier p. 7. Bayle 8. v. Fratricelli und s. v. Gniüentete; Soldan- Heppe I 229, Note. •) Die einzelnen Stellen werden angeführt M) Kortholt’s us obtrectator, S. 646 ff. und in dessen In Pliffii et Trajani ist. primae vis epist. commentar., S. 125 ff. j ') Oktavius, Kap. 9 und Kap. 30. *°) Kortholt. Paganus obtrectator, S. 546 ff. j ״) Soldan-Heppe, I, 147. 1 ״) Tzsohiroer, der Fall des Heidenthums, S. 330; Gibbon, The history etc. with notes by Dean Milman and Guizot, 1854, tl H, c. 16, 8. 228 ff. I »•) ״Alles schon dagewesen“—auch dass statt des t raditionellen Kindermordee neuerdings in Ungarn ein ritueller Jungfrauenmord in Szene gesetzt wurde. In dem sehr lc senswerthen Buche ״Damascia oder die Judenverfolgung in Damaskus“ (1841, 2. A.) von L. H. Löwenstein wird nämlich (S. 315) er- *) Grimm, Deutsche Mythologie Gange a v. Kazerie (ed. Henschel, II 260) heisst Pi de ausserdem noch manche Analogien, waren die Juden von' jeher an allem Unglück schuld, so z. B. am ״Schwarzen Tod‘; dass man aber auch den Christen den Vorwurf machte, an allen Kalamitäten die Schuld zu tragen, wird besonders drastisch in einer . Stelle Tertullian’sdargelegt: ״ Wenn derTiberstrora seine Ufer übersteigt, wenn der Nil nicht aus seinen Ufern tritt, wenn der Himmel unbeweglich bleibt, wenn die Erde in Bewegung geräth, wenn Hungersnoth־ und Pest wüthen, alsbald heisst es:. Werfet die Christen den Löwen vor.“ u) Auch sonst lassen sich Parallelen nachweisen. Es erinnert z. B. an den späteren Gebrauch des Wortes Jude, dass damals die blosse Benennung als Christ schon einen Vorwurf enthielt und sehr bezeichnend ist die von Tertullian angeführte Bedeweise: ״N. ist zwar ein Christ, aber sonst ein recht braver Mann.“ 1s) Manches wiederum wurde Christen und Juden zum Vorwurf gemacht, so z. B. der Hass gegen das Menschengeschlecht, '*) die Verehrung eines Esels, wie das besonders ausführlich von Bochart nachge- . wiesen wird,*ף und anderes mehr. ] Das hier erwähnte ist nur eine flüchtige Skizze, es liesse sich aber über denselben Gegenstand ein sehr langes und sehr trauriges Kapitel schreiben. München.-1 M. G. Zur Recension der Wüns ehe’schen Uebersetzung des Midrasch Bath. (Schluss.) In der Erklärung des Verses יי אלופינו נובלים® die Becension aus dem Worte ד״ל מסרם קךא »Besch Lakisch liest den Vers anders“ (als er gelesen werden, soll nach der Massora) folgern, dass B. Lakisch gesagt haben müsse: ״Die Grossen belasten (D'b30&) die Kleinen, oder die Kleinen tragen die Last der Grossen“. Die Becension beruft sich auf Jerusch. Bosch hasch. IL Ende. Nun heisst aber מסרם immer nur: Die Wortstellung des Verses umkehren, niemals aber ״Den Vers ändern oder gar andere Vocale setzen“. Dieser Grund ist also hinfällig. Die Fassung des Midrasch ist hier eine ganz andere, als die in a. St. des Jerusch., und ist ersichtlich, dass die Stelle im Jerusck,'gar nicht mehr verstanden wurde. Im Jerusoh. heisst es: ״B. Jochanan sagt, es steht nicht: אלפים die Stiere sind belastet, sondern אלופינו! also י bedeutet es: unsere Grossen, unsere Lehrer sind belastet: d. h. die Lehrer, ertragen die.Kleinen, und dann keine Lücke .... BL. sagt: es steht nicht: die Stierer zählt, dass im Frühjahr 1841 in *Ungarn plötzlich eine Magd ״unwissend wo“ verschwand, was za dem Gerüchte Anlass gab, die Juden hätten sie ermordet Die Polizei wurde beauftragt, nach der Magd za forschen und in der That wurde sie auch bald darauf gefunden, nar war sie keine Magd mehr, wenigstens nicht im früheren Sinne des deutschen Wortes, da sie unterdessen Matter geworden war. Auch sonst ist manches in dienert Buche lesenswerth, so z. B. der S. 351 angeführte Aasspruch Luther’s mit Bezog aaf die gegen die Juden erhobene Anklage des Kindermordee, ferner das S. 252 mitgetheilte ausführliche Gutachten, der theologischen Fakultät in Leipzig vom 8. Mai 1714 über dieselbe Anklage. Das Merkwürdigste an dem Bache ist aber, dass es auch jetzt noch lesenswerth und keineswegs veraltet ist. ,י) Si Tiberis ascendit in moenia, si Nilua non ascendit in arva, si coelum stetit, si terra movit, si fames, si lass staäm Christianos ad leonem! (Apol. c. 40); andere ähnliche Stellen werden bei Kortholt (Papan. obtrectator S. 666 ff) angeführt. ") Bonos vir Caias Seins, tantum qaod Chnstianus (Apol. c. 3); cf. F. Kortho)t, In Plimi et Trajani .... epist. oomm., ׳ S. 18 ff u) I. Fr. Graper, De odio humani generis Christianis olim a Bomanis objecto. Aas demselben Bache (S. 163. 226 ff) ist auch zu ersehep, dass ^as Volk bei verschiedenen Gelegenheiten ausrief:; ״Christianos ad leonem! Christianos ad bestias! Alpe xoö{ ÜfliäU(! ״) Hierozoicn. Pars. I. L II, 0. 18, ed. Lond. I, 8. 220 ff . '1

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