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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-10-12 · No. 41. (12.10.1883) · p. Seite 162

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 41. (12.10.1883)
Date
1883-10-12
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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cb&Streitfragenjeführte Unterh&ftnng Gelegen- ' heit, ihm* * fühlbar zu macbep, dass er auf denf •Gebiete 'der Dialektik doch noch weit hinter demjenigen •־zurückstehe, dem.er «oh, nach der äussern Form in -schlieasen, ebenbürtig glaubte. So war es einem jüngeren Lehrer Namens Anaa ergangen, der an einen ־־ Aelteren,' B Hanna, eine religiöse Anfrage schriftlich .richtete, die jnit der; Anrede begann ״dem Collegen Hannaieneinen Grass.* Dieser über die vertrauliche Ansprache, bei der selbst der Titel Babbi fehlte, verletzt,Tiess in seiner Antwort ein selten vorkommendes ,Wort einfliessen, das jenem an verständlich war and ihn zu einer nochmaligen Anfrage wegen der Bedeutung dieses Ausdruckes veranlasste. DJs aber wollte der ältere Lehrer, and 80 antwortete er ihm, da kennst •nicht'einmal alle Vokabeln in unserer Sprache and massest dir dabei an, mich als Kollegen Hanna aftzureden! *) Aehnliohes widerfahr einem Anderen, . der nicht einmaleinen so vertraaliohenTon angeschlagen, sondern es nur unterlassen hatte, bei einem Besuche, den er einem Genossen machte, vorher ordentlich, den Staub von seinen Schuhen za entfernen. Aergerlich sah es der Hausherr eine Weile mit an, wie der Gast seinen kostbaren Divan mit den Füssen * bestäubte, endlich aber riss ihm die Geduld untrer strafte ihn durch Vorlegung einer schwierigen gesetzlichen Frage, welche derselbe zwar glücklich löste, die ihm aber doch immerhin wohl den Angstschweiss auf die Stirne getrieben hatte. **) Es kam aach das Umgekehrte vor, dass Jemand bei einem Besuche sich hinter einen Anderen zurückgesetzt glaubte, dass diesem etwa ein Ehrensitz, ihm aber nur ein gewöhnlicher Schemel eingeräamt war, dann war es natürlich an dem verletzten Ankömmling, seinem Wirthe eine solche 1(larte casuistische Nuss vorzulegen. ***) Derartige Anekdoten werden uns in Menge erzählt. Das Beste aber in diesem Genre ist wohl die Bache, die ein Gelehrter Namens Bar Kapana an dem Patriarchen B. Juda H&nassi nahm, derselbe hätte nämliqh ihn, einen ausgezeichneten Witzling, zur Hochzejt seines Sohnes aus zarter Bücksicht auf die übrigen Gäste nicht geladen, weil er ־־einen witzigen Einfall nicht immer auf der Zunge behalten konnte und dadurch leicht den Einen oder Andern verletzte. Barkapara, darüber sehr beleidigt, machte seinem Ünmathe durch zwar nicht gerade boshafte oder gar verleumderische, aber doch immerhin schalkhafte Bemerkungen über das Haus des Patriarchen Luft, dass dieser nicht wagte zum zweiten Male bei einer anderen Gelegenheit ihn zu übergehen. Doch Bar kapana war damit noch immer nicht ausgesöhnt — and wie hatte er sich beim späteren Gastmahle gerächt? Er. wusste durch seine witzigen Einfälle derartig die Lachmuskeln Aller Gäste zu reizen, dass sie nicht im Stande waren, etwas von den verlockenden Gerichten zu genessen und diese ziemlich unberührt vom Tische weggetragen werden mussten. Die Gäste waren um die herrlichen *} Ketaboth. •״) Safcbath- •*•).ibid. v׳ דדנא חמק שלם Speisen gekommen, der gastfreundliche Wirth aber hatte sich umsonst in Unkosten gestürzt. ___• (Fortsetzung folgt.» Geographische und ethnographische Spitznamen und Spottgeschichten. (Schluss.) Ein Pendant zu dem vulgärtürkischen Tschifot bildet das bekannte, türkische Giaur; es ist dieses.eine andere Form des arabisohen Käfir, türkisch Kiafir, Ungläubiger. Von dem arabischen Worte stammt das französische Cafard. Mit Bezug auf letzeres heisst es in dem erwähnten Aufsätze (S. 37), es bedeute uno ... .. . __ glaubens der der Buchlosigkeit und Undankbarkeit entwickelt. Bei Diez heisst es 8. v. Cafife: ״ Spanisch, portugiesisch: roh, grausam, vom arabischen Käfir, ungläubig, ruchlos, undankbar, Freytag IV, 47a . . .. daher französisch cafard, scheinheilig. * ') Das arabische Wort entspricht aber so ziemlich dem Worte Benegat, oder Benegado, wie die Engländer mit einem fremden Ausdruck sagen, und zwar insofern, als die Grundbedeatang des Wortes, die auch im aramäischen J) und imSpäthebräisohen vorkommt, die von Leugnen ist. Käfir, welches Wort ebenfalls als geographische Benennung in den Namen Kaffemland, Kanristan vorkommt, ist derjenige, der die empfangenen Wohlthaten Gottes verleugnet, also zugleich ein Undankbarer u6d Gottesleugner. Im Neu-Arabischen hat aber Käfir neben der Bedeutung Apostat aach die von Scheinheiliger, Hypokrit, und 80 wird in Bocthor’s französischarabischem Diktonär ״Cafard“ mit ״Käfir“ wiedergegeben. Dieser Begriffsübergang ist übrigens sehr natürlich; jemand, dessen religiöse Ansicht eine andere ist, als die seiner Umgebung, kommt oft in die Lage, durch äusserliche Handlungen seine innerliehe Gesinnung zu maskieren und so bezeichnet oft ein Wort sowohl den Andersgläubigen wie auch den Heuchler und Scheinfrommen. So ist z B. das arabische Zendik Benennung des Anhängers der Zoroastischen (Zend-) Lehre, dann auch des Manichäers, Sadduzäers, das Wort hat aber auch die Bedeutung Scheinheiliger, religiöser Heuchler.נ) Derselbe Begriffsübergang zeigt *) Die von Mönage gegebene Herleitang des Wortes Cafard von Käfir wird von Francisque-Michel (Histoire des races mandites, I 354) und Littrö (8. v. Cafard) filr unrichtig erklärt, weil es alsdann nicht Cafard heissen würde. Allein abgesehen von anderen Wörtern ähnlichen Ursprungs, z. B. neugriechisch Mouptar»);, Renegat, Ungläubiger vom arabisch-türkischen Murtadd, Renegat, so ist Cafard eine Assimilation an die Wörter mit der pejorativen Endung ard — die übrigens deutsehen Ursprungs ist (Germania, V 305) — wie Criard, Grognard, Richard a. A. *) In der syrischen Version des N. T. wird Luc. 6, 35 das syrische Wort im Sinne von ״undankbar“ gebraucht; in der Bedeutung leugnen, den Glauben verleugnen, kommt dasselbe sehr oft vor. (Man denke an כופר, "צפר מיקר. Red.) *) Dieselbe Nebenbedeutung hat das italienische Mammalucco (Vocabulario degli Academici della Crusca 8. v.), das auch als Schimpfwort überhaupt gebraucht wird. Auch das deutsche Mameluck wird im Sinne von Heuchler, Treuloser gebraucht (Frisch, Weigand u. d. W.) und hat in der Volkssprache ausschliesslich die Bedeatang ״heimtückischer Mensch“ (Kehrein, Volkssprache im Herzogthum Nassau, S. 27U. Die Bedeutung Treuloser hat auch das italienische Marrano, französich Marrane, vom spanischen Marrano. Convertit. Auch die Mamelucken waren insofern Renegaten, als sie von christlichen Eltern geboren, aber im mohamedanisehen Glauben erzogen wurden. Auf diesem Dualismus beruht es aach wahrscheinlich, dass in Laisiana. wie Bartlett 8. v. Negro, S. 291, nach Olmstedt mittheilt, neben dem Mulatto, Qaarteron, Sang-mäle und anderen Benennungen, welche die verschiedenen Mischungsgrade ausdrücken, auch Mamelouc vorkommt. Auch in Brasilien wird Mametuco in demselben Sinne wie anderswo Mullatto gebraucht, wie aus Litträ s. v. Mamelaco zu ersehen.

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