Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 41. (12.10.1883)
- Date
- 1883-10-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnenten der ,Inmelitiscnen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei kostet) erhalten das ״Jttdiache Litteratui^Blatt“ gratis. — laZBNfa werden mit i von dar Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Anuoacen-Expeditioii!barg, Berlin, CSln, Hamburg, Mönchen, Z&rifch, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Anstand und Etiquette im jüdischen Alterthnai. Von Dr. S. Gronemann in Danzig. (Fortsetzung.) — Geographische und ethnographische Spitznamen und Spottgeschichten. (Fortsetzung.) : Litteraturberiphte: Heidingsfelderj-B. AllgemeinesLexicon sämmtlicher jüdischen Gemeinden Deutschlands etc Zur Becension der Wünsche’schen Uebersetzung des Midrasch Buth. (Schluss.) Notizen. Anstand und Etiquette im jüdischen! Alterthum. Ein Vortrag von Babbiner Dr. S. Gronemann. (Fortsetzung.) Wie die Propheten des alten Bundes sich nicht scheuten, gekrönten Häuptern muthigund unerschrocken die Wahrheit zu sagen, so haben auch ihre geistigen Nachkommen, die Gesetzlehrer, es oft selbst Monarchen zu verstehen gegeben, dass sie die Krone1 der Wissen- Schaft, die sie schmückte, für nicht geringer ansahen, als die Königskrone, die auf den Häüptem jener prangte. Als der gefeierte Lehrer Simon; ^nach - langjähriger Verweisung vom b. Schetach Hofe 6ines ersten Male Israelitischen Königs wieder zum ersten Male zur königlichen Tafel geladen worden war, nahm er ohne Weiteres neben König und Königin seinien Platz ein und, darüber befragt, antwortete er: die( Gotteslehre, der ich die Kraft meines Geistes weihe, giebt mir das Hecht, mich neben Könige za setzen!*) M^n darf dieses nicht als Ueberhebung ansehen. Keineswegs war es eitler Gelehrtendünkel, der in einem solchen Verhalten hervortrat, sondern der edle Stolz, der aus dem Bewasstsein entspringt, das höchste und erhabenste Gut der Menschheit zu vertreten, denn ich muss darauf aufmerksam machen, dass die/Ehren, diejder Gelehrte damals beanspruchte, nur die äusseren ii der gesellschaftlichen Etiquette begründeten waren. 4-ndere Ehren zu suchen, davon hielt ihn schon die j hohe ideale Anffa8suug zurück, die er über die Forschung hatte. Das Studium wurde unaufhörlich in denjLehrhäusem eingeschärft, sollte nur als Selbstzweck betrachtet werden, nicht als Mittel zum Zweck, hieb* als die tüchtige Kuh, die mit Butter versorgt, wiej der deutsche Dichter sagt, oder wie ein jüd. Weise ausdrückt, als *) Genesis Rabba C. 91. Spaten, damit .das Land zu beackern nnd Früchte aus ihm zu gewinnen, materielle Vortheile zu erzielen, auch nicht als Krone, damit sich zn schmücken, hohe Ehren nnd Aaszeiohnangen vor Andern zu erlangen. ״Verrichte die niedrigsten Besch äftigangen aaf öffentlicher Strasse, “ diesen ^Veisheitsspruch gab einst ein Lehrer seinem Schüler mit für das Leben, ״and sage nicht, ich bin von hohem Herkommen, oder ichv ■ bin ein groese% Gelehrter and für mich ist derartiges entwürdigend.“*) Und dieses Wort blieb durchaus nicht Theorie, sondern wurde im praktischen Leben von den bedeutendsten Männern geübt; ais hielten es für eine Sünde, aus ihren Kenntnissen aach den kleinsten materiellen Nutzen zn ziehen, sie lehrten, sämmtlioh umsonst'und Diejenigen,'welche nicht mit Glücksgütem gesegnet waren, aber doch ihr Dasein fristen mussten, schämten sich nicht, die verschiedensten, darunter manche zwar nicht unehrenhafte, aber doch nicht schön!klingende Handwerke zn betreiben. 4Jane Weisen des jüdischen Alterthums waren also weit davon entfernt, sich für etwas Besseres änzusäben, ris die übrigen Menschenkinder, für einen priviligirten Stand, der eine Ausnahmestellung beanspruchen dürfte, — aber allerdings wollten sie das Wissen in ihrer Person im änssem Verkehr geehrt haben nnd in diesäm Punkte, im Punkte der Etiquette, waren sie allerdings sehr empfindlich, empfindlicher vielleicht! Männer dqr Wissenschaft in heutiger Zeit, ^*fieht menschliohi — verleugnen sie selbst im TTmga-qg riYiter einander diese Empfindlichkeit nicht. Sorgfä sie ab, wer unter verschiedenen VortritfT haben soll; nnd es ist gleichgültig, wer znr' Rechten, und )vor zur Linken geht. - Wehe dem jüngeren, erst in die Hallen der Wissenschaft eintretenden Manne, der sich einem erfahreneren in Forschung ergrauten Gelehrten gegenüber einen vertraulicheren, mehr collegialischen Ton heransnahmj Die gesellschaftliche Bildung des Angeredeten schützte ihn zwar in der Hegel vor öiner direkten Zurechtweisung, aber es fand sich dann schon von selbst eine von Ungefähr im Laufe der über ihnen' פשוט נבלתא בשוק ואל תאמר כהנא אנא נ״ר אנא (י ■ A V'■