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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-10-05 · No. 40. (5.10.1883) · p. Seite 158

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 40. (5.10.1883)
Date
1883-10-05
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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■et?. mräiir Lebensgefährtin ein kkinas Taschengeld sar Verfügung zu stellen, •0 mag Um diese nur daran erinnern, d«jw schon vor so und so viel Jahrhunderten der Talmud 6? vtngeeohrieben, der Hausfrau all* wöchentlich ein. kleines Sümmchen für ihren speziellen Bedarf ansznsetaen*). Der Gatte soll, so lautet ein Ausspruch, sie lieben wie sie sich selbst, aber ehren mehr wie sich selbst, und schon anderthalb Jahr• tausend, bevor Schiller gesungen: ,Ehret die Frauen, Sie flechten und weben Himmlische Bosen in’8 irdische Leben“ hat Babba seinen Landsleuten fast mit" denselben Worten zugerufen: ,Ehret die Frauen, denn in ihnen liegt euer ganxer Segen**)“. Es ist wohl nicht daran au *weifein, dass darunter auch die äussere Ehrener- Weisung su verstehen ist, wie sie die Etiquette vorschreibt, dass man also auch schon damals die Frau nur Beohten gehen liees, wie dieses auch schon daraus geschlossen werden kann, dass schon die urajte religiöse Sitte es vorschreibt, unter dem Trauhimmel die Braut sur Beohten des Bräutigams zu stellen. Auoh die viel besprochenen und vielbesungenen Frauenthrfnen,;deren Zaubermacht sich bekanntlich leibst das härteste Männerherz unterwerfen mussten, haben schon auf die Alten ihre gewaltige Einwirkung nicht verfehlt. Hecht eindringlich warnt der Talmnd jeden Ehemann, schroff and hart mit seiner 'Gattin zu sprechen, denn die Thr&nen, mit denen sie so reichlich bedacht sind, könnten selbst den Himmel erweichen und dann das harte Wort ihm als sehr schwere Sünde angerechnet werden!***) Eine andere Gesellschaftsklasse, auf welche wir bei unserer Besprechung des alten Etiquettenwesens näher eingehen müssen, ist der Stand der G.elehrten. Es darf ohne Uebertrabang gesagt werden, dass bei keinem Volke des Alterthums wie der Neuzeit das gelehrte Wissen and seine Vertreter sich einer solchen Hochschätzung erfreut hat, wie -beim jüdischen, schreibt doch sogar das Beligionsgesetz vor, beim Anblick eines durch seine Genialität hervorragenden Gelehrten, wenn er auch selbst ein Heide ist, einen Segen dam Herrn darüber auszusprechen, dass er von seiner himmlischen Weisheit einen Theil auf einen Sterblichen habe übergehen lassen. Wenn allerdings auch weniger im gesellschaftlichen[ als im religiösen Leben auf Geburt und Abstammung Bücksicht genommen worden ist, wenn der Nachkomme des Hohenpriesters Aron den Vortritt hatte, dann der Abkömmling des Stammes Levi folgte und zuletzt erst die anderen Israeliten, so galt ,dieses dooh nur, wenn Niemand den anderen erheblich überragte, war dieses aber der Fall, so hafte nach ausdrücklicher Bestimmung des Beligionsgesetzes ursprünglich der gelehrte Abkömmling der obscursten Familie vor dem Hohenpriester, dem höchsten geistlichen Würdenträger, so¬ *) Ketiiaboth V. 5, vgL jedoch ib. VI, 4. *•) Baba Mezia 599. *•*) ibid. bald er unwissend war, den Vorzug.*) Wer mm aber gar beim Gelehrten selbst Unterricht genossen hatte, der sollte demselben sogar den Vorrang vor dem eigenen leibliohen Vater einränmen, weil jener Ihn zum ewigen, dieser aber nur zum irdischen Leben geführt habe, derart, dass wenn beispielsweise Beide in .Kriegsgefangenschaft gerathen und nun anazulösen wären, er zuvor den Lehrer, dann den Vater auslöse. **) Es mögen nun vielleicht Manche über eine derartige Bestimmung verwundert den Hopf schütteln, es möchte Mancher reiche Patrizier mit sonderbaren Blicken seinen Sohn ansohaaen, wenn er dem armen Lehrer, der für ein kleines Honorar ihm Privatunterricht ertheilt, auch nur früher einen Stuhl reichen sollte, als ihm, — aber jedenfalls wird man in diesen Lehren ein ehrendes Zengniss erblicken müssen für die ausserordentliche Achtung־, die man den geistigen Bestrebungen im jüdischen Volke entgegengebracht hat. In einem Worte: der Gelehrte nahm den ersten Bang in der Gesellschaft ein. Aber er wusste auch selbst, was er war, trieb seine Bescheidenheit nicht soweit, um die ihm erwiesenen Ehren abzulehnen. Er wollte respectirt sein, nicht sowohl in seiner Person, als in seinem Wissen. Er meinte, gar nicht einmal das Becht zu haben, sich solche Ehre za verbitten, denn wenn er auch für seine Person darauf verzichten durfte, so liegt es doch nicht in seiner Macht, von den Ehren za entbinden, die dem Wissen, das in ihm verkörpert sei, entgegengebracht werden müssten.***) (Fortsetzung folgt.) Geographische und ethnographische Spitznamen und Spottgeschichten. (Fortsetzung.) Das Wort ״Goi“ hat also durchaus keine herabsetzende Nebenbedeutung, wohl aber ist das bei dem Worte ״Jude“ der Fall. Die Jaden sind, wie 68 in dem sehr lesenswertsten Artikel ״ Juden-Emanzipation“ von K. H. Scheidler *) heisst, ein ״auserwähltes Volk“ auch insofern, als ihr Schicksal eine fortlaufende Kette der ärgsten Unterdrückungen and Verfolgungen ist, die einzig in ihrer Art daatehen, eine Welttragödie, in welcher der Held nicht) ein Individuum, sondern eben ein gutes Volk ist, und zwar eben ein so מ auserwähltes“, dass es keinen fünften Akt durch seinen völligen Untergang erleben konnte. Daza gehört denn nun auoh, dass das Wort Jude als Schimpfwort gebraucht wird. Es ist eines der Dinge, die in Berthold Auerbach’8 ״Dichter und Kaufmann“ Ephraim Moses Kuh in den Wahnsinn stürzen, dass er fortwährend und bei ganz heterogenen Anlässen das Wort ״Jude“ hören muss. Um nun aber auf dem Gebiete der geo- und ethnographischen Spottnamen zu bleiben, so gehört eine geographische Benennung hieher, nämlioh Tschufut- (oder Tschifut-) Kaie, wie eine oft erwähnte Stadt in der Krim häisst. Kalä ist die türkische Form des arabischen Wortes Kala, Schloss, Burg (wovon das spanische Alcala); Tschifat bedeutet Jude, Tschifutkale ist demnach so viel wie Judenburg, *> Horajoth III, & פודה את רבו ואחר כן פודה את אביו ד* ת״ח שמחל על כבודו אק כבודו מחול <*** *) Ersch und Grut>er’s Encyklopädie, IL Sectioa, 27. Theil, S. 263.

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