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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-09-29 · No. 39. (29.9.1883) · p. Seite 154

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 39. (29.9.1883)
Date
1883-09-29
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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demokratischen Prinzip der Gleichheit und Gleichbsreohtigung Aller,-dann aber auf dem aristokratisohen Prinzip der in ־Wörde and Stellung begründeten Bangand Klassenunterschiede. Das erstsre findet seinen vollendetsten Ausdruck in dem Grosse dir ja, wie er aoch immer bei irgend einem Volke lauten möge, doch gegen Beioh and Arm, Vornehm and Gering, in gleicher Form gebraucht wird. Man hat nicht mit Unrecht behauptet, dass in der Grusaaformel sich der Charakter einer Nation wiederspiegelt. Aus dem griechischen: xa*P* »8®i heiter“ leuchtet uns die auf Heiterkeit und Frohsinn des Lebens gerichtete Geistesrichtung des ächten Hellenen entgegen. Hinwiederum führt uns das römische ״vale“ ,sei stark“, den starken, waffengewaltigen, weiterobemden Börner vor Augen. So fingt auch der thatkräftige Engländer den Vorübergehendelf Bekannten: How do you do, ״was thun Sie?“ der stets geschäftige Deutsche ״wie geht'8“, der elegant auftretende Franzose: ״comment ▼008 portez voas“, (wie tragen Sie sich?*) Auch d»8 jüdische Volk verleugnet in der Art seines Grosses nicht seinen Charakter als das Volk des Glaubens. Der Gross erscheint ihm im Lichte eines Segens; ״sei gesegnet von Gott“, mit diesen Worten scheidet schon Abraham vom philistäisohen Könige, und Boas ruft seihen Schnittern zu ״der Herr mit Euch“ und sie erwidern ihm ״es segne Dich der Heir“. Die gewöhnliche Grossformel aber, wie sie auch bei den Arabern üblich, bildet das Wort ״Friede“, das in der That mehr als irgend ein anderer Ausdruck Alles in rieh zusammenfasst, was zum vollen Menschenglücke gehört, den Frieden mit der .Gottheit, die üebereinstimmnng mit den Mitmenschen, -qiid den harmonischen Einklang mit sich selber, die innere Glückseligkeit; Etwas Besseres weiss der Israelite sowohl dem Kommenden, wie dem Gehenden hicht zu wünschen, als den Frieden. ״Friede“ ist sogar nicht blos der Gross an die Lebenden, sondern es ist auch der letzte Scheidegruss, der den theuren Verstorbenen in das Grab nachgerufen wird.**) Zugleich aber ist in dem Begriffe ״Friede, (Einheit)‘״ das demokratische dem Grosse zu Grunde liegende Prinzip der Gleioheit aller Menschen am Klarsten und Unzweideutigsten ausgedrückt. Und von dieser Erkenntniss scheint man auch im jüdischen Alterthum ganz und voll durchdrungen gewesen zu sein. Man sah den Gross nicht als eine Ehre an, welche man etwa nur dem Vornehmeren, Beicheren, Gebildeteren, sondern dem Menschen als Menschen zu erweisen habe, an ihm haben alle Erdbewohner gleiches Anrecht r in ihm sind alle durch die socialen Verhältnisse hervoigerufenen Unterschiede aufgehoben. Man betrachet es als Pflicht Jeden, wes Glaubens und. Namens er auch sei, einen solchen Friedensgruss zu bieten; hier hielt man es auch nicht für angebracht, zu rechnen und klüglich abzuwägen, wer damit zu beginnen habe, vielmehr sollte jeder bemüht sein, dem Andern, wenn dieser auch tief unter ihm stände, darin zuvorgu- *) Kadduechin 71, Megilla 28. 1 **> Saalschutz, Archäologie der Hebräer n, p, £27. I kommen. Das war die jüdische Auflassung über den Grass, 80 dass dem berühmtesten Manne seiner Zeit, dem zur Zeit der Tempelzerstörung lebenden B. Joohanan, naehgerühmk werden konnte, dass er durch sein ganzes Leben von Niemandem, weder Israliten noch Heiden, sich zuerst den Grass habe bieten lassen.*) Und so hoch wurde der Grass gehalten, dass das jüdische Gesetz es sogar gestattete, eins der heiligsten aller Gebete, das Bekenntniss der Einigkeit Gottes zu unterbrechen, um ihn zu erwidern, unter Umständen sogar, ihn Jemandem zu bieten!**) (Forte, folgt) Geographische und ethnographische Spitznamen und Spottgeschichten. (Fortsetzung.) Ohne Vergleich häufiger als die ehrenvollen Benennnngen sind nun die herabsetzenden; im Folgenden erlaube ich mir, einige derselben anzuführen, die in den erwähnten Sohriften entweder gar nicht oder nur ganz flüohtig besprochen werden.4 Hierher gehört zunächst das oft besprochene ״Barbar“, namentlich in der späteren Bedeutung des griechischen Wortes, in welcher dasselbe jetzt in allen modernen Sprachen, auch im Neugriechischen, gebraucht wird. Der Geringschätzung, die dieses ß&pßapos aus drückt, liegt, wie sonst oft, Unkenntnis« zu Grunde; die Grieohen wussten z. B. nicht, dass hinten weit in Indien ein Volk wohnte, dessen Sprache mit ihrer eigenen sehr nahe verwandt war und dessen Litteratar eine ebenso reiche war, wie die griechische, wie denn in der That auoh Eratosthenes, den Strabo *) anfuhrt, diese Eintheilung des Menschengeschlechtes in Hellenen und Barbaren für eine falsche erklärt. Aber auoh der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, wonach dasselbe einfach einen ״Ausländer* bezeichnet, liegt, wie es scheint, Spptt zu Grande. Ohne Zweifel ist die Ansicht die richtige, der zufolge ß&pßapoz ein onomatopoetisches Wort ist;* 1) es ist das um so wahrscheinlicher, als dasselbe Wort und dieselbe Bedeutung auoh in anderen, namentlich in den semitischen Sprachen sich wieder findet,ף was bei onomatopoetischen Wörtern auoh sonst oft vorkommt. B&pßapo; ist also die spottende Nachahmung dessen, der die heimische (griechische) Sprache stottert oder radebrecht, wie das Stottern und Stammeln selbst zuweilen durch derartige Beduplikationen ausgedrückt wird und wie ähnliche Benennungen der Ausländer auoh sonst vorkommen. 4) Das Wort ßdpßapo? hat übrigens auf seinen Wanderungen auoh sonst noch verschiedene Wandlangen erfahren, wie denn in früherer (oder, mit Bezug auf ßipßxpof, in späterer) Zeit barbarus, barbaricus für ״deutsch“ gebraucht wird. 5) (Uns scheint das Wort aus dem Chalaäischen (resp. Syrischen) zu stammen: בר־ברא, was ebenden ״Sohn der Fremde“, den ״Ausländer“ bezeichnet. Bed.) *) Moed Katan 29. **) Berachoth 17. *) I, c. 4, S. 67 ed. Cas , S. 55 ed. Müller und Dübner. ’) Aufrech't-Knhn’s Zeitschrift, V, 142. 330. Lazar Geiger, Ursprung und Entwickelung der menschlichen Sprache und Vernunft. I, 3U0 ff. *) So z. B. auch bei Bitter, Erdkunde, 2. A, 1, 554 fl. Bei Tabari (Annales I, 516) wird der Name der Berberen vom arabischen barbara, Schreien (oder Murren) hergeleitet, ähnlich in der Stelle bei Bitter I, 561). *) Cf. Gesen. Thesaurus. S. 211b, 767b, 758b; Benan Histoire des langues sämitiques. 4. ed., •S. 35, Note 2. •) J. Grimm, Deutsche Grammatik, 3. A. 8. 12 ff. Wilhelm Grimm, Ueber deutsche Banen, S. 64 ff.

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