Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 39. (29.9.1883)
- Date
- 1883-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Mnettni aUar «14 J14M k«MM■ llttararlMk«1 Kr• •cfcaia■■•«■ aaf4a« Sakiat• <ar PUla• Mfkla, Gaaehlehta, Kthaatrapbla, Thaa• la«ia, Oriaatalla, Kza«aaa, ■aaUatlk, Liturgik, PH«g«gU. Heransgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 91ta«j3e6׳uty, 29. Se-ptetnGet 1883. ■ lekar 4ar abueUlfica■ UMarat«r,walcka 4ar lalHtlaa mamlt war*aa , : I« «laaaai BlatU aiafaha««a 1 Bai Bama■•( raa awal Baoaaataaa• Kxaaaplara« arMft atuuH«a kana Gratia- Das aMibkkk Lltteratur-Blatt« erscheint wöchentlich in ainam halben Botenj Preis hei a^an BnahkaaHinagfii (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 park. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteijihifich bei allen Fostanstalten and Bnchhandlnngen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Lätteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit Mi Pt für die gespaltene Petitzeile berechnet and von der Expedition dieses Blattes sowie dnwd! die rantral-Anrmoogn-y.-riüdition ▼on 6. L. Daabe £ Ce.« Frankfurt a. M., IUgd4bnrg, Berlin, Cöln, Eamrarg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Anstand und jEtiquette im jüdischen Alterthumi Von Dr. 8. Gronemann in Danzig. (Fortsetzung.) — Geographische und ethnographische Spitznamen und Spottgeschichten. (Fortsetzung.) — Bemerkungen zu dem Schieiben des Professors Strack. Litteraturberichte: Das Drama von Tisza-Ftzlar. — Hebräisches Vocabularium in alphabetischer Oitnung etc. — Herzfeld, Dr. Lv Einblicke in das Sprachliche de r semitischen Urzeit. — Notizen. Anstand und Etiquette im jüdischen Alterthum. Ein Vortrag von Rabbiner Dr. S. Groneniann. (Fortsetzung.) Wenn ein solcher Mann in ein Hans treten will, so wird er stets zuvor anklopfen, selbsjt bei Verwandten, ja sogar in seinem eigenen Hau^e .*) Auch bei den Römern bestand die Sitte des Anklopfens und" es geschah dieses . durch einen an der Thür befestigten Ring, mit dem an diese angeschlagen wurde. Aber die Römer klopften nnr bei Fremden an, auch scheint dieser Brauch nicht so allgemein i bei ihnen gewesen zu sein, wohl schon deshalb nicht, weil in späterer Zeit der Janitor, der Thürsteherj, den Ankömmling zuvor sd meldete.*) Denn als einst jüdische Weisen bei gelegentlichem Aufenthalte in Rom einem heidnischen Philosophen ihre Aufwartung machen wollten und zuvor anklopften, erkannte sie | dieser dadurch sofort als Männer von besserer Lebensart und kam ihnen ausserordentlich respektvoll entgegen.**) Der Mann der Wissenschaft ist mit einem!Worte bei den Israeliten das Muster und leuchtende Vofbild des Anstands und'der feinen Weltsitte. Hat er! Jemanden zu besuchen, 80 fallt er mit seinem Anliegen nicht so za sagen mit der Thür in’s Haus, scjndem erkündigt sich zunächst höflich nicht nur nach dessen, sondern auch — das zu unterlassen wäre ein grober Verstoss — nach dem Wohle seiner Frau.*** 1;) Hat er etwas Rühmliches an jenem gefunden, 80 Jäheit reibt er8׳ nicht und wird überschwänglich; im Qegentheil, er hält sich zurück und sagt ihm nur (li0 Hälfte seines Lobes in’s Gesicht, die andere Hälfte hebt JSt *) Niddah 16 b, Derecxz Erex 4., Chulin 95 C. bei semem Schwiegersöhne an). I **) Marquart &. a. O p. 230. ***) D. E ibid. , (Rab klopft sich für eine andere Gelegenheit auf, wo der Betreffende, dem sie gilt, nioht dabei ist.*) Er ist auch sehr sorgsam und wählerisch in seinen Ausdrücken und meidet Alles, was an’8 Unästhetische, Frivole anstreift; aus der verschiedenen Art, in der zwei seiner Schüler denselben Gedanken aasdrückten, hat einst ein gefeierter Lehrer demjenigen herauserkannt, dem er das günstige Prognostikon für seine Zukunft stellen zn können glaubte.■'’*) Höchst charakteristisch aber ist die jüdische Sitte, eigenartig ist der Zag, Nieman dem eine unangenehme, schmerzliche Nachricht direkt mitzutheilen, sondern wo es nioht anders geht, ans gewissen Andeutungen, aus zweideutigen Worten, durch die Anlegung einer auffälligen, tiefschwanen Kleidung das traurige Ereigniss ihn errathan za ן lassen. Ein berühmter Lehrer war schwer erkrankt, : und es schickten seine Freunde Jemanden aus ihrer i Mitte ab, nm nach seinem Ergehen Erkundigungen 1 einzuziehen. Dieser fand ihn bereits verstorben und! kehlte nun zu den Freunden zurück, aber ohne ihnen j ein Wort zn sagen, oder auch nur auf ihre Fragen! zu antworten. Als nun aber endlich diese ahnnngs-! voll das Schweigen mit dem Ansrnfe unterbrachen: | ״ist er denn todt,“da sagte jener: ״ich sagte es nioht, ' denn es .steht geschrieben:! ״wer Schlechtes erzählt, der ist ein Thor***)“. Es galt ferner sds Zeichen besserer Lebensart, sich nioht in Zank mit einem Gegner einzulassen, sondern — allenfalls nach einer kurzen, schlagfertigen Bemerkung — sich schweigend von ihm abznwenden. Diese Tugend der Selbst beherrschnng war besonders den Babyloniern eigen und ihnen, die nicht auf solche hochadelige Stammbäume zurückblicken konnten, wie die palästinensischen Patrizier,! wurde sprichwörtlich das Schweigen als ihr Adel nachgerühmt.f) Der Verkehr der Menschen unter einander, wird von zwei Grandgedanken beherrscht, der eine lautet: ״Sei freundlich gegen Jedermann“, der andere: ״Ehre, wem Ehre gebührt“. Es beruht also mamal auf dem *) Baba Mezia 87 a. **) Breschithj rabba zu Anfang der Sidra PQ- ***) Pesachim 3. f) ibid.