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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-09-22 · No. 38. (22.9.1883) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 38. (22.9.1883)
Date
1883-09-22
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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Standpunkte der Religion aas betrachtet, nicht um -dadurch in ihrem Werthe hefabgesetzt, sondern um im Gegentheil dadurch zu einer ausserordentlich hohen Stellung emporgehoben zu werden. Der Anstand ist hier ein. integrirender Bestandtheil der Religion selber, ein Verstoss gegen sie ist nicht "bloss,. wie bei anderen Völkern, ein Fehler, sondern geradezu eine Sünde. ״Rechenschaft wird, einst ,“ 80 lautet ein Ausspruch, ״der Mensch nicht blös ablegen ihr die Uebertretung einer religionsgesetzliohen Yorschriit, sondern־ selbst wenn er auch nur so undelikat gewesen, ▼or den Augen eines Anderen ein Insekt zu tödten.**) Noch mehr, die persönliche Würde ward derart respektirt, dass nach der Be- Stimmung des jüdischen Gesetzes selbst biblisohe Gebote hinter sie zurücktreten, von ihr unter Umständen verdrängt.werden.**) Wenn es z. B. im IL Brfche Mose’s (Gap. 23,2) heisst: 80״ Du den Ochsen Deines Feindes oder seinen Esel auf dem Wege verirrt siehst, eo führe sie wieder zu ihm zurück“, so braucht sich doch selbst der Frommste keine Gewiseenscrupel aus der Nichterfüllung dieser Vorschrift zu maohen, wenn es sich mit seiner persönlichen Würde und Stellung nicht vereinbart, selbst das Vieh zu seinem Herrn zurückzutreiben. Es ist nur die Konsequenz einer solohen Auffassung, dass von dem Vertreter der Religion, dem Sohriftknndigen und Volkslehrer, verlangt wurde, nicht blos durch seine Frömmigkeit, sondern auch durch seine besseren Lebensformen den Anderen voranzuleuchten. Er soll t nicht einpomadirt. und das Aroma würziger Salben verbreitend, gleich einem Geoken unter die Leute gehen, aber er soll sich auch nicht in vernachlässigter und verwahrloster Kleidung zeigen, er verdient den Tod, 80.drückt"sich ein Aussprach aus, — der natürlich nicht buchstäblich zu nehmen, —wenn selbst ein kleines Fleckchen auf seinem Gewände von Anderen gesehen wird.***) (Fort», folgt) -\— Geographische und ethnographische Spitznamen und Spottgeschichten. . Unter dieser Ueberschrift bringt das ״Ausland“ No. 31 einen längeren Aufsatz, aus dem wir mit Erlaubniss des Herrn Verfs. das die biblisch-jüdische Litteratur Streifende unseren Lesern mittbeilen wollen. Nachdem der Verfasser — Hr. M. G. in München —־ einleitend die mit demselben Thema sich beschäftigenden Schriften kurz charakterisirtfahrt er wie folgt fort: ״Das in allen diesen Schriften behandelte Thema ist also 80 ziemlich dasselbe, wie dasjenige des Auf- Satzes ״Internationale Schimpf- und Ehrennamen“ in No. 3 und 5 der ״Gegenwart“ (1883); von ״Ehrennamen“ ist freilich nirgends die Rede. Allerdings kommen hier auch Ehrennamen vor, ־die aber gewissermassen ein Correlat zu den anderweitigen herabsetzenden Benennungen bilden, insofern als ein Volk sich selbst mit einem Ehrennamen benennt, wie man auch den Namen ״Semiten“ in diesem Sinne erklärt hat. So sagt v. Bohlen (Geneei?, S. 113): ״Sem kann ״Hochland* aber auch ״Ruhm“ be- *) Midrasch Koheleth gegen Ende 1*TSTI!TI ,על כל נעלם כנה בפני תכרו ונמאס chagiga 5a. *גדול כבוד הבריות שדוחה ל״ת ר Berachoth 1% und häufig. ***) Berachoth 43b. deuten und-das Letsere liegt wohl im Sinne des Verfasscfs ,um'׳* seine Vorfahren mit einem glänzenden Namen einzuführen, wie ja auch die.Slaven sich von Slava, Ruhm, benennen.“> In ähnlicher Weise sagt Pott (Wurzelwörterbuoh der indogermanischen Sprachen, S. 733): ״Sem, d. i. nomen, gloria, soll die Völker des seit Eichhorn so geheissenen semitischen Stammes, gleichwie durch einen schon im Namen ruhmvollen Mensohenstamm vor den übrigen auszeichnen und ehren . . .; und läge es deshalb auch nicht zu fern, in den Slavjaiy'e patronimisch Abkömmlinge eines mythischen Slav (als nomen viri. Mikl Lex. 855, vgL z. B. Cledonius aus xXrrj&ov, gute Vorbedeutung, Ruf) in ähnlicher Weise zu suchen, wie die Armenier sich Haikanen, Abkömmlinge Ha'iks nennen.“ Knobel (Völkertafel, S. 22) leiten den Namen der Japhetiten vom hebräischen japha, ״schön sein“, ab, als Gegensatz zur hässlichen Hautfarbe der Chamiten und sagt mit Bezug hierauf (S. 138): Da nun Japhets Name, obwohl auf die Hautfarbe gehend, doch ein nomen honorificum ist, so wird man Schern (Sem) eig. ״Name“ in der Bedeutung ״Namhaftigkeit, Ruhm,“ die das Wort oft hat (Gen. 6, 4. 9, 27. 11, 4 u. ö.) zu nehmen haben. Sie passt auch vortrefflieh zu den Semiten, (wofür mehrere Beweise tagefuhrt werden) .... Unterstützt wird unsere Erklärung dadurch, dass Namen ähnlicher Bedeutung bei den Völkern sehr häufig sind. Die Meder und verwandte Völker hiessen Arier, d. L Ausgezeichnete, Ehrwürdige;1) die Perser nannten sich Artäer, was nach Stephanus״ Heroen* bezeichnet und Tapfere,Helden (Gesen.) oder Geehrte (Lass.) bedeutet;ף der Name der Marder, eines kriegerischen und tapfem Volkes in den arischen Ländern,1) ist nach dem persischen Merd (Mann,) soviel als Männer, Mannhafte, Tüchtige. (Auch der Name der Kurden, cf. Z. f. d. Kunde des MorgenL HI, 7.) die Franken sind die Freien und die Aestier die Geehrten;4) den Namen der Slaven leiten Slavisten von Slava, d. i Ruhm, ab, was indes Andere bestreiten. 5) Eine gewisse Analogie zu dem hier angeführten, vom persischen Merd gebildeten Volksnamen bilden die hebräischen Namen Seba und Scheba. Zudem ersteren Personen- und Völkernamen, anderswo 2aß4 genannt, *) bemerkt Gesenius (Thesaur. S. 933a), es sei vielleicht dasselbe Wort, wie das äthiopische Saba, Mensch; mit dem mehrfach vorkommenden Namen Soheba, Sabäa, bei den arabischen Autoren7) Sabä, vergleicht Gesenius (S. 1351 a; ebenfalls das Wort Saba in äthiopischer und in der Tigresprache, sowie das amharische Saw, Sab in der Bedeutung Mensch, Mann. G. Ebers betrachtet den Zusammenhang der beiden Ausdrücke als unzweifelhaft, indem er sagt: 8) ״ . . .. Ueber die ethnische Bezeichnung der Aegypter durch Lut-u kann . . . kein Zweifel herrschen und Chaba’s Einwände halten nicht Stand gegen die Fülle der Analoga, welche sich für den Umstand anführen lassen, dass sich ein Volk ״die Menschen“ (xax’ eljoxVjv oder par exoellence) benennt. Der Name Saba ist kein Volksname, sondern bedeutet, wie das äthiopische •) Burnouf Ya<jna I, 462, und 8. LXXVm in den Noten. Pott, Etyrn. Forsch. I. 8■ LXX ff־. Lassen' in der ״Zeitschrift f. d. Kunde d. Morgenlandes“, VT, 87 ff. *) Herod. 7, 61. Steph. Byz u. *Apxoda. 8, 56. Lassen a. a. O 8. 162. *) Arrian Alex. 3, 24. Curt. Alex. 5, 6, 17. Gesen. Thes., Justin 41, 5. 719. / “*VA• ״) UlUb. 0.1CA, </j Uj II. JUBUU *) I. Grimm, Gasch, der deutschen Sprache, 8. 512. •) Schafarik, slaw. Altert. II 8. 42. 0. Knobel, 8. 290. Winer s. v. Sebsu *) Gesenius 439. ’) Angeführt von Gesenius (Thes. 8. 1351a), von Knobel, 8• 180 und von Wiener 8. v. Schebä, n, 405. •> Aegypten und die Bücher Moses, I 97.

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