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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-09-15 · No. 37. (15.9.1883) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 37. (15.9.1883)
Date
1883-09-15
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 _;«ü)e8 Balkens vor den Augen unmöglich ist.“ lisch ז dieser logischen Stärkung und philologischen Sichtung j ersteht ein neues Gebilde, dessen Original sich so! prisentirt: מבץ עיניך mp טול קיסם מבין שניך, טול und | das ip_ der Uebertragung so lautet: ״Nimm den Zahnj stöcher aus Deinen Zähnen, nimm das Spinngewebe j von Deinen Augen“, und ״Letzteres will sagen: Dein Blick ist ja verschleiert“ Was aber will Ersteres sagen, ' nämlich: ״Nimm den Zahnstocher u. s. w.?“ Liegt etwa in dieser Apostrophe irgendwelche Belehrung, die doch zweifellos darin liegen soll? Wo ist die Moral, die in dieser zurechtweisenden Ansprache doch unstreitig enthalten sein muss? Ein Geschlecht riohtet seine Richter, sagt der Talmud, (B. B. 156) die ihm entgegengebrachte Zurechtweisung . . . DD'p טול schneidig zurückweisend mit טול קורה, gerade 80, wie es den schweren Vorwurf כספך היה לסינים schlagend parirt mit סבאך מהול במים, aber welche moralische oder religiöse Ermahnung wird durch den Zahnstocher vermittelt? R Samuel Edels erklärt in seiner Weise scharfsinnig wenn auch gekünstelt die Variante "TW, indem er dem in Rede stehenden Spruch die Halapha zu Grunde legt, nach welcher man einen entwendeten Balken, der einem Hause eingefügt wurde, nicht in natura zu ersetzen verpflichtet ist, sondern dem Rechte Genüge leistet, wenn dessen Werth ersetzt wird. Wenn — so ergeht sich diese Erklärung — Jemand von den Spähnen des zur Benutzung vorerst zurechtgezimmerten Balkens zur Reinigung seiner Zähne Gebrauch macht und darüber von dem unrechtmassigen Besitzer zur Rede gestellt wird mit den Worten טול קיסם מבץ שניך, so erhält er ins Gesicht geschleudert die Erwiederung: טול קורה מבין־ עיניך d. h. der Balken vor Deinen Augen bezeugt doch Deine schlechte Handlung, \fras durch den geleisteten Schadenersatz nich weggewischt wird. So unnatürlich diese Erklärung nun auch ist, da sie zur Erläuterung eines populären Spruches auf eine Halacha sich beruft, so lässt sich doch nicht verkennen, dass die Tendenz des Zurechtweis6n8 in dem Passus . . . טול קיסם vollkommen gewahrt ist. Das Ganze ist eine bildliche Redeweise, noch dazu eine vortreffliche, an welche das omne simile claudicat nicht einmal hinanreicht — und wer wird da als Splitterrichter auftreten wollen? Das Auge gilt den Alten als Spiegsl des Guten und ' Bösen, wie dies aus mehreren Bibelstellen ersichtlich ist, z. B. Spr. 22,9: רע עין: 23,6 ,טוב עין, Redewendüngen, die zur Bezeichnung edler oder niedriger Gesinnung typisch geworden sind. Das Auge figurirt in fler talmudischen Litteratur als Vermittler der Sündej *־ wofür folgende Stellen hinlängliches Zeugniss ablegen: אחר* עיניכם זו זנות (Sifri Bamidbar 115);אחרי עיניכם זו הרהיר עבירה (Berac^hoth 126); ליבא ועינא תרץ סרסורי דחטאץ (Jeruschaiem, nach Jaikut); גמירי שאץ יצר הרע שולט אלא במד. שעינע׳ ראות (Jota 8a). Das Auge ward als ein Hauptfactor der Sünde angesehen, und der Splitter im Auge bedeutet dieser Anschauung gemäss eine Sünde geringeren Grades, der Balken im Auge eine Sünde von grösserem Belang, von grösserer Tragweite. Es sind Gedankenbilder, die wahrscheinlich aus dem Volksbewusstsein hervorgegangen, jedenfalls zum Gemeingut des Volkes geworden sind, und der Balken ist ebenso glücklich gewählt als der Splitter. * Nur Derjenige ist berufen, Andere zurechtzuweisen — das ist der Grundgedanke — der selber makellos dasteht, sonst trifft ihn die Geissei des Hohnes und "Spottes des von ihm Zurechtgewiesenen. Ohne Bild ״ 'findet sich dieselbe Wahrheit ausgesprochen in den;*,Worten קשוט עצמך ואחייב קשוט אחרים (B. MeziaFoi. 76 u. a. 0.). (Schluss folgt) Wünsche, Dr. Aug,1 Der Midrasob Ruth Rat)ba u. s. w. Angehängt sind einige Sagen von Salomo und 3 Petrussagen. 23. Lieferung. Leipzig. Otto Schulze H. Querstr. 1883. (Schluss.) S. 6 Z. 19 u. s. w. Hier sind über die Bibelstelle 3 אלופינו מסכלים Deutungen angegeben, von den״ drei Gelehrten R. Jochanan, Reasch Lakisch und R Luliani. Die eine liest 18& מסבליס Partie, pass, uftd sagt: Wenn unsere Grossen ״belastet“ sind, dann giebt es keinen Riss u. 8. w. Die andere liest מסכלים als Particip. act. und sagt: Wenn unsere Grossen ״belastend“ sind, dann u. 8. w. Die Dritte meint: Wenn ־* unsere Grossen nur ״belastend“ aber nicht ״belastet“ sind, dann giebt es ein strenges Gottesgericht. Die massoretische Lesart fasst nun מסכלים als Particip. pass. und ist nicht ״getragen“ sondern ״belastet“ verstau- -יי den worden. Folglich ist nicht derjenige ein מסרס קרא, 1 1 ר־/ ינ ך 1 . 1 «־ i• welcher so deutet, dass die Grossen־die Kiemen ertragen sollen, denn das ist ja eben Belastung der Grossen, sondern der ist מסרם, welcher so deutet, dass die Kleinen die Grossen ertragen sollen, denn dann man Partie, pass, lesen. Darauf macht schon muss -;-«i M. K. aufmerksam und beruft sich mit Recht auf d» bessere Lesart des Jeruschalm. Demnach würde die Midraschische Lehre so sein: R Joch, meint: Wenn die Grossen die Lasten der Kleinen auf sich nehmen, also אלופינו מסכלים, R. Lakesch liesst anders CD"®t5> und meint: Wenn die Kleinen die Lasten der Grossen tragen, also מסכלים, dann sei kein Riss, und R. Lu-- liani meint: Wenn die Grossen nur מסכלים und nicht . . \ VW— מסכלים sind, dann kommt das Gottesgericht. Z. 8 6 v. u. ״Der ruchlose Haman wollte das m ganze Ei . . . mit seinem Neste zerfliessen machen.“ Text: המן הרשע בקש לעקור א״כ הכיצד, אמרי זבץ בבעתה. Die Stelle ist sichtlich corrumpirt. Die Correctur, des Herrn Dr. Fürst S. 66 ״er kaufte sie ein Ei“ reicht nicht ganz aus, da אמרי unübersetzt ist. Aus jdeii Parallelstellen lässt sich wohl eine correcte Lesart herstellen. In Mid. Esther r. heisst es בעא דיזבון בבל ביתא in Mid. Wajikra rabb. p. II. lautet sie כלא ' n למובן בבל ביכתה. Es scheint dass אמרי für בעא ver- ״ schrieben ist. S. 27 Z. 11 v. u ״Dü Thor! . . einer verkehrten Welt (שבעולם מנוול)“ Der Text-- lautet: ■שוטה שבעולם מנוול היית ומושלך לאחר מיתתך ג ימים. Der Uebersetzer hat hier hinter לזו^ה ein_. Ausrufungszeichen sich gedacht und נוול שבעולם^ verbunden. Dies ist sachlich falsch; ausserdem ist zu bedenken, dass שומה שבעולם eine häufige Apostrophe ist, die selbst an citirter Stelle sich wiederholt. Es liessen sich nooh einige ״Nachträge“ machen, doch überschreitet dies die Aufgabe der Reoenaioa und bleibt diesmal nur wiederholt darauf hinzuweisen, dass bei allen Vorzügen, welche diese Uebersetsung hat, doch nicht wenige Stellen noch klarer in ihrer Pointirung hätten übersetzt werden können. 'Sei esdem rastlosen Verfasser gegönnt, sein Werk bis zur Vollendung zu bringen. , > - Erfurt. Kroner. Du warst in [ '־ ׳ 'Hi Briefwechsel einer englischen Dame über Judenthum und Semitlsmus. Stuttgart 1883. Verlag von Levy und Müller. » Die Verfasserin dieses geistreichen Essay’s, die einmal nicht' die grosse, heute — ob zum Segen, bleibt dahingestellt — vielbetretene Heeresstrasse des widerwärtigen Gezänkes in Tagasfragen gegangen, vielmehr , - ■v . - ף «•—י*-—— ־-~• I, * זך/8 'י ■

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