Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 37. (15.9.1883)
- Date
- 1883-09-15
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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n positiver Wense in einer Seihe cnltnrhistoriecher Abhandlungen, «las Gebiet der Polemik, zumal rein penönKoher Polemik, nur selten streifend, hat uns ein lebensvolles Bild von Juden und Judenthum in ihrem Verfiältuiss zu dem allgemeinen Culturleben entrollt, ln fesselnder Briefform, im .knappsten Sprachgewände werden fast alle Tagesfragen, die gegenwärtig Judenthum und jüdische Gesellschaft intefessiren, behandelt. Fast spielend, und doch in einer von dem sittlichsten Ernst getragenen Behandlungsweise, in welche der vielfach eingestreute Witz und die Satyre nur wohlthuende und ebenso wirksame Abwechselung hineingebracht haben, werden uns neben vielem Bekaunteren, was erst nicht erwähnt zu werden braucht, Sitze entwickelt, wie dass gegenüber der sittlichen Fäulniss der hochcivilisirten Welt Europa’s, wie insbesondere gegenüber der erschreckenden ״Fortschritte in ihr machenden sogenannten galanten Krankheit, wie es die Zahlen in des Herrn v. Oettinger’s Moralstatistik in ihrer Bedeutung für die Socialethik darthun, dass diesem gehermep, an dem innersten Mark der Familie, des Staats, zehrenden XJebel gegenüber die Lehre des Judenthums, weil sie die Keuschheit oder, biblisch gesprochen, die Heiligung von Leib und Gleist als Gbrundprincip der Sittlichkeit aufs Schärfte betont, auch in dem geräuschvollen, hämmernden Leben der Gegenwart ihren Platz als eminente Culturmacht zu behaupten habe, dass das Judenthum zuerst und vor allem Ethik, in zweiter Beihe erst eine Glaubenslehre sei, dass das, was uns barock an dieser Ethik erscheint und 80 wenig mit unseren modernen Begriffen vom Ethischen sich vereinigen lassen will, als Bitual betrachtet, seine Berechtigung selbst in heutiger Zeit noch nicht verloren hat, dass das Einleben jüdischer Ethik in jtidischer Welt uns das Bäthsel der Geschichte, die Erhaltung des jüdischen Stammes betreffend, lösen hilft, wie das von einem späteren Entwickelangsprocess zu erwartende allgemeine Binleben solcher Ethik die Erhaltung von Staat und Familie im Menschengeschlecht überhaupt bedingt, dass ferner der ewige Kampf ums Dasein, die ausserordentliche Noth des ^Lebens im Juden des Mittelalters eine Energie des Intetlectes entwickelt hat, der wir den vielgenannten kritischen Geist des modernen Juden verdanken, dass die An- Sammlung mobilen Capitals, weit entfernt ein blosses Privatinteresse zu sein, in Händen jüdischer Bankiers gewisser Maasen ein civilisatorisches Element als eine Art von Friedensbürgschaft werden kann, das und anderes mehr der Art wird des Weiteren in unserem 78 Seiten umfassenden Werkchen ausgeführt. Ueber Einaskses, wie über den Begriff des Rituals und die Ausdehnung seiner Anwendung auf die Lehre des Judenthums, über die sich ziemlich niedrig aasnehmenden Gründe, warum der jüd. -Ritualismus auch von Seiten des auf der Culturhöhe stehenden Jaden beizubehalten sei, liesse sich, mit Verfasserin streiten, doch söH eben nicht der Massstab streng-wissenschafthoher Untersuchung, vielm hr nur der popul&r-wissenschaftlicher, im grossen Ganzen das Richtige treffender Behandlung dar einschlägigen Fragen an unser Werkchen gelegt werden; in diesem Sinne verspricht es anch gebildeten Lesern nnd Leserinnen eine Stup.de genussreicher, bei dem von der Verlagsbuchhandlung so niedrig gestellten Preise auch leicht׳ zu beschaffender Lectüre. כ T. l>er Freitag Abend. Unterhaltungen im häusliehen Kreise über die Wochenabschnitte der 5 Lacher Mosis. Ein Bach für die jüdische Familie zur Förderang der Kenntnis8 and des Verständnisses der heil. Schrift, zur Belehrung über die Religion und Erweckung sittlicher Gefühle. Von Dr. S. Dankowitz, Rabbiner in Birnbaum (Posen). I. Einleitung und Genesis. Im Selbstverläge des Verfassers. 1883. Preis 2 Mark. Das jüdische Familienleben in seiner anbeimeinden herzerquickenden Weise, wie es besonders am Freitag Abend zum Ausdruck kommt, hat von jeher verklärend auf jeden Beschauer gewirkt. Singt doch selbst ein christl. Dichter (Gustav Schwab): ,Herz, mein Herz, warum beklommen, vor dem Juden scheuest du? Heiss’ den Bruder doch willkommen, halte mit ihm Sabbathruh’.* Leider scheint unsere schnelllebige materialistisch angekränkelte Zeit das Verständniss und die Würdigung einer Geist und Gtemüth erhebenden Sabbathrnhe verloren zu haben. Freudig begrüssen wir darum jedes Mittel, das geeignet ist, das jüdische Familienleben aufs Neue zu kräftigen und zu stärken. Das angezeigte Werk bietet sich uns als ein solches dar. In Gesprächsform abgefasst, soll jqder ״Freitag Abend“ Zeugniss ablegen von dem begeisterungsvollen Versenken iu den unerschöpflichen Born unserer heiligen Gotteslehre und in ihre tiefsinnigen midraschischen Auslegungen. Man könnte das Werk des Herrn Dr. Dankowitz eine Zeenoh urenob rediviva im modernen Gewände nennen. Wie es mit grosser Hingebung und tiefem Verständniss geschrieben, so möge es begeisternd auf einen immer zahlreicheren Leserkreis wirken und segensreiche Früchte bringen, damit der Herr Verf. den Lohn und die Lust finde, das Werk, das in keinem jüdischen Hause fehlen sollte, Ende zu führen. Es eignet sich ganz besonders als Fest- und Barmizwa-Geschenk, sowie als Schulprämie. M. Sp. Notizen. 1. Im ״Litteraturblatt“ No. 32 heisst es in einem ״Shylock von Dr. Paulus Cassel“ überschriebenen Artikel ,der Name Jubal kommt unter den Jaden niemals vor. Dasselbe ist mit dem weiblichen Namen Jessica der Fall, der möglicherweise ans Jesse gebildet worden ist . . . welcher Name in Schottland vorkommt“. Es wundert uns nicht wenig, zu finden, dass es diesem bedeutenden Gelehrten entgangen ist, dass Jessica ein ganz gut jüdischer, ja echt biblischer Name sei, nämlich ,“DD"*) (Genes. 11.29), welchen Namen Judenfrauen auch bis auf die neueste Zeit geführt haben. 2. In Nr. 33 dess. Blattes findet sich ״Ein genealogisches Schreiben“ von Salomon Spinner. Dieses ans einem Manuskript übersetzte sog. Essay ist nichts weniger als neu, und blos ein Bruchstück des bereits im Jahre 1864 in der hebräischen Zeit- Schrift 4 הנשר. Jahrgang No. 28 erschienenen Aufsatzes. Dieser soll dem Buche ,משד «TOD des Rabbiners Moses in Przemysl entnommen sein, in welchem er unter dem Titel אד»רן!-TOD vorgedruckt wäre. Ausserdem ist der Aufsatz auch als Sonderabdruck unter dem Namen מנלת יוחסין ▼on einem Noa Chaim Lewin aus Kobrinedirt und s. a. u. 1. herausgegeben worden. Dieser Anftatz ist nun aber anoh nicht bloe unvollständig, sondern sogar ungenau übersetzt So ist es z. B. unerklärlieh, wie eine Toohter iss R. Akiba aus Ofen mit dem Leviten Horowiz vermählt sein konnte, wenn ersterer blos 24 Kinder, nämlich 12 Söhne und 12 Töchter gehabt, und letztere sämmtlieh Gattinnen von Ähroniden waren, so dass R. Akiba mit seinen 12 Söhnen und 12 Schwiegersöhnen als Priester der Gemeinde den Segen ertheilten. Es heisst aber im Originale, dass er 13 Töchter hatte, von denen 12 an Kohanim nnd eine an den genannten Leviten yerheirathet war. von R. Chaim Kofien, Sohn des R. Isak b. Schimschon wird ansgelassen, dass er auch Rabbiner in Prag war, and erzählt, dass er nach Polen ging und dort starb, während es Posen statt Polen heissen sollte. Von R. Isak, Enkel des ר, בבלא lin הנשר wird er ר״ טבלא genannt) heisst es im Original, dass er Sohn des R. Simeon war, den Familiennamen Lovotiz führt, und derzeit Primas (das ist Präses des Gemeindevorstandes, nicht aber, wie Herr Spinner angiebt, Rabbinats-Assessor) gewesen sei. *) Nach der Tiadition, die auch Hieronymus kennt, ein Beiname unserer Stammmutter Sara. (S. uns. ״Hebr. Trad. i Hier.“ p. 27. Red.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese,- Leipzig.