Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 36. (8.9.1883)
- Date
- 1883-09-08
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
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f Wie plagt man die Presse mit Anseinandersei rang von Plänen für die Eisenbahnen in Palästina! W: e ermüdet der Leser bei all den Vorschlägen, wie die von Jaga nach dem 2610 Fass über dem Mittelmeer gtlegenen Jerusalem auf anderthalb Tagreisen weit geführt werden 8011 — obwohl bereits eine mehr als j hinreichend breite Fahrstrasse besteht, und reguläre Wagen hin und her gehen, nicht zu reden von der;fortbestehenden mittelalterlichen Art des Beisens zu Pferde. Andrerseits 8011 von Chaifa aus durch die Saronä ein Schienenweg gelegt und quer äber die tiefklaffetnden Thäler des Gebirges Ephraim zur Stadt Zion, verlängert werden. Nur, wer Land und Leute gar nicht kennt, kann solche Gedanken hinwerfen: wie will! man die Unzahl Dämme durch die schräg ausgefurchten Wady legen? und wozu? Der Einheimische hat absolut kein Geld, um den Fahrpreis zu erlegen; er hat eben so wenig Lust zu reisen. Die Reisewuth!liegt im Blute des Europäers; in Joppe giebt es noch Leute, welche ihrer Lebetage nie nach der Davidsstadt kamen. Der Orientale liebt die beschauliche Ruhe, und ärgert den drängenden, pünktlichen Frauken nur zu viel1 mit seinem Bukra, Bukra! d. h ״ morgen, morgen, nur nioht heute“. Der Inglese, Francese oder German, welcher solche Eile hat, das gelobte Land mit dem Dampfross zu durchhasten und zu durchjagen, um die biblischen Stätten nur im Vorüberfahren zu sehen, würde besser thun, das Reisegeld zu sparen und daheim seinen Bädeker-Sooinus zu durchfliegen. Wir sprechen uns gegen jede Bahnanlage in Palästina aus, es müsste denn sein, um die Communioation von Norden her der Küste entlang nach Aegypten herzustellen, von wo die Strada Ferrata mehr und!mehr an die Grenze Syriens vorrüokt, indess von Phönusien aus wenigstens eine Reit-, wo nicht Fahrstrasse im harten Gestein eingeebnet wird, damit Ross und Reiter sich nicht Hals und Beine brechen. Wie jüngst durch die Blätter verlautete, soll von deutscher Seite der Hafen, der einst von den römischen Landpflegem bewohnten politischen Hauptstadt Cäsarea zur Schiff- Station im Mittelmeere erworben werden. Vorerst dürften die deutschen Tempelchristen dahin die Wege bereiten, denn die Ruinen sind ebenso gewaltig als schauerlich öde, so dass der hierher verschlagene Fremdling von lebenden Wesen höchstens einen Schakal auf80heucht, und wenn sein Tritt in den menschenleeren Gassen wiederhallt, unwillkürlich vor sich selber erschrickt. Uebrigens ist diese Küstenstrasse, die mitunter das Meer selber durch Sand wellen ausbeseert, seit den Kreuzzügen her, die eigentliche Räuberstrsfsse. Früher war Tyrus vom Reichskanzleramt als Flottena8yl ausersehen, theils aus patriotischen Gründen, weil in der noch heute sogenannten Kathedrale bekanntlieh die Gebeine Barbarossa’s beigesetzt wurden, auch ist der Grund unter Hinausschaflung einer ganzen Dorfbewohnerschaft zum Abbruch von 33 Steinhäusern im Innern auf Reichskosten erworben — theils weil hier an süssen Wassern die Hülle und Fülle ist, und im nahen Ras el Ain, der Gartenbrunnen des Hohenliedes IV, 15, der wie ein Strom lebendigen Wassers vom Libanon fliesst“, noch Fonti di Salomone geheissen, in drei gewaltigen Hochbassins aufquillt, und auf der zwischenliegenden stundenlangen Ebene die Maulbeerzucht und jede andere Frucht gedeihen lässt. Auch hier dienen, wie bei Jericho, Wasserleitungen von wechselnder Bogenhöhe, noch dazu von einem Alter, dass die Stslaktiken daran wie Säulen sie stützen, den Natursegen weithin zu verbreiten. Die römische Schiästation war, nebenbei gesagt, oberhalb Joppe an der seeweiten Mündung des Flusses Eleutherus, nun el Audsche, wo bereits die Tempelchristen sich anbauen. Hege man ja keinen Zweifel, der vorgeeohlagene־ Canal am unteren Jordan wird in nicht ferner Zeit zu Stande kommen, er hat 80 einfache Voraussetzungen, dass man auf den Antrag sich etwas zu Gute tnun dürfte. Wir meinen damit keinen eigentlichen Schiff־- canal, denn weitum giebt es keinen Transport, nichts zu handeln und zu wandeln. Der Verkehr am See Tiberia’s erfordert nur wenige Sachturi, Kajüke oder Dahabieh, die, je nach ihrer-Grösse, höchstens von fünf Manu gerudert werden. Es soll ein Staucanal sein, bloss um den Natnrsegen des Süsswassers der Wüste einzuflössen, und die früher auf Meilen weit bestandene Ueppigkeit wieder in’8 Leben zu rufen, ja ungleich weiter zu erhöhen, denn die bezeiohneten alten Canäle krochen wie Tausendftisse nur am Rande des Gebirges hin und füllten sich mit den dortigen Quellbächen. Der Jordancanal aber bedarf keiner Bogenführung, es sei denn Über ein paar Wady, um nach acht Stunden Länge von Damieh bis Am Hagia, wo längst keine Kühe mehr grasen, obwohl der Ortsname daran erinnert, zu enden. Bis zum Todten Meere würde der Ueberfluss von zelbst in den Sanddünen verrinnen. Murray entdeckte eine Viertelstunde vom Gebirgspasse, der nach Jerusalem hinaufführt, einen fast ausgefüllten ungeheuren Wasserbehälter von 65? Fu88 Länge, 490 Breite. Solche müssten durch den Jordan gespeist, und wie am Nil duroh Hunderte von Sakkieh erschöpft werden, um ein ganzes Netz von Rinnsalen durch die Felder zu führen. Wie in Abadije, eine Stunde unter dem See Genezaret Mühlen in Bewegung sind, 80 können Wasserräder bei der Brücke Medjamije und sofort abwärts die Fluth nach Bethsean u. 8. w. vertreiben — natürlich alles im grösseren Style, wie עמי: in Europa gewöhnt sind. Ist es nicht unverantwortlich, dass das süsse Wasser des mächtigen Jordan ohne irgend Segen zu verbreiten, im Todten Meere sein Grab findet! Mit aufgehobenen Händen stehen die armseligen Bewohner des einst gelobten Landes vor uns Europäern und bitten und flehen: kommt und helft uns, wir wissen aus eigenen Kräften unsere Zustände nicht zu verbessern, wir wissen uns nicht mehr zu retten. Litteraturbericht. Recensionen. Wünsche, Dr. Aug. Der Midrasch Ruth rabba u. s. w. Angehängt sind einige Sagen von Salomo, und 3 Petrussagen. 23. Lieferung. Leipzig. Otto Schulze H. Querstr. 1883, Mit grossem Fleisse und unermüdlichem Eifer setzt der Verfasser seine Midraschübersetzung fort und bietet uns hier wieder ein abgeschlossenes Ganze, das sich, wenige Irrungen und schwierigere Stellen abgerechnet, leicht liest und ein neues Zeichen der Fortschritte ist, welche der gelehrte Uebersetzer gemacht hat. Die Berichtigungen des Herrn Dr. Fürst sind diesmal zum Theil schon im Texte selbst benutzt,- wovon man mit Vergnügen Notiz nimmt. Die Aufgabe der gewissenhaften Recension bleibt es aber, auf einige Stellen aufmerksam zu machen, in denen die Uebersetzung ־nicht dem Texte entspricht und von Herrn Df. Fürst nicht berichtigt worden ist. S. 2 Z. 5. ״Man zeugt nur so, dass man (der Richter) es hört!“ Text: אץמצידין אלא בשומע• Schon die Commentatoren erklären hier deutlich, dass hier von dem zum Zeugen aufgerufenen Verwarnten vorausgesetzt werden müsse, dass er höre. Nur der Commentator מה״״א meint, dass hier vom Richter verlangt werde, dass er höre. Der zur Begründung vom